Neptuns Staircase

Neptuns Staircase, so heißen die 8 Schleusenkammern, die bis ins Meer hinunter nach Westschottland führen. Wie hatten wir im Vorfeld Sorge, diese (und noch ein paar mehr Einzelschleusen) alleine zu bewältigen. Tatsächlich waren wir in allen Schleusen das einzige Schiff, drei Schleusenwärter halfen uns bei den Leinen und so war es die entspannteste Schleuserei seit wir im Kaledonischen Kanal sind. Davor durchquerten wir wieder Loch Ness, bis wir in den bisher unbekannten Teil des Kanals kamen. Mal fuhren wir durch den Wald, dann öffnete sich ein Tal, umrahmt von hohen Bergen zu einem weiteren Loch z. Bsp. Loch Lochy. Sehr eindrucksvoll! Am Samstagvormittag spuckte uns die Seeschleuse nach zweieinhalb Wochen wieder hinaus ins Meer.

 

 

 

 

Ein neuer Motor zum 30. Hochzeitstag

JAAAAA, er ist da und eingebaut, getestet und die Reise kann weitergehen. Aber der Weg dahin war, wie unsere ganze Reise bisher, eine Übung im Glauben und Vertrauen. Wir mussten an unseren Trauvers denken: „Verlass dich nicht auf deine eigene Urteilskraft, sondern vertraue voll und ganz dem Herrn! Denke bei jedem Schritt an ihn; er zeigt dir den richtigen Weg und krönt dein Handeln mit Erfolg.“ (Sprüche 3,5.6)

 Mittwoch, Donnerstag und dann spätestens letzten Freitag sollte unser neuer Motor spätestens ankommen – denkste! Niemand wusste, wo er abgeblieben war. Na dann: auch Motoren sollten sich übers Wochenende finden lassen. Montag früh begannen dann die Vorbereitungen für den Ausbau der alten Maschine. Das hieß, wie bei allen Motorentests, mal wieder Hundekoje und Schiffswerkstatt komplett leer machen und in die anderen Kojen räumen. Diesmal mussten auch der Salontisch und die Polster weichen. Am Abend stand der alte Motor sauber ausgebaut im Bauch des Schiffes, aber vom neuen Motor war immer noch keine Spur. Wir vier waren inzwischen ausquartiert worden. Die Werkstatt hatte uns ein nettes Hotel am River Ness in Inverness besorgt. Nett, denn sonst musste ich das für unseren Hochzeitstag immer selber machen. Als Ständchen gab´s am Abend noch ein Dudelsackkonzert beim Inverness Castle.

Am Dienstag nach dem Frühstück kam der Anruf von der Caley Marina: „ der neue Motor ist da“. Was für ein Geschenk zum Hochzeitstag! Aber wie kommen fünf Zentner Stahl aus einer Yacht raus und auch wieder rein? Das wollten wir miterleben und radelten in die Marina. Dort sahen wir gerade noch unseren alten Motor am Kran aus dem bestens abgepolsterten Niedergang schweben.Die Sirius Werft hatte unser Schiff so konstruiert, dass der Motor vor dem Stapellauf als letztes eingebaut wurde und somit auch wieder, ohne große Umbauten am Schiff, ausgebaut werden konnte. Nach einigen Stunden harter Maßarbeit durch unsere Helden Gerald, Robert und John von der Caley Marina, war auch der neue Motor an Ort und Stelle. Janina und Adrian nutzten die Zeit, um sich die historische Stätte Culloden anzuschauen, wo sich Schotten und Engländer die entscheidende Schlacht beim Jakobiteraufstand geliefert hatten.

Der Tag klang mit dem Spiel Deutschland – Nordirland aus. Am nächsten Morgen verabschiedeten wir Janina und Adrian 😢und am Nachmittag ging es tatsächlich wieder los. Das neue Motörchen schnurrt wie ein zahmer Jaguar und wird natürlich engstens gemonitort. Wir denken, dass wir bis zum Wochenende aus dem Kaledonischen Kanal ausfahren und noch ein paar Tage an der spannenden schottischen Westküste verbringen können.

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Zicke – Zacke, Loch Ness auf der Backe

Wie eine saubere Kreuznaht, so sieht unser Track auf dem Loch Ness zurück auf dem Weg zur Caley Marina Inverness aus. Der Wind hatte nicht gedreht, als wir aus dem Schleusen –  Marathon in Fort Augustus kamen und stand uns genau auf die Nase. So hieß es „Kreuzen“. Mit 25 Wenden schafften wir es bis fast genau an unsere altbekannte Boje unterhalb Urquhart Castle. Das hat richtig Spaß gemacht! Loch Ness ist bis an die Ufer sehr tief und man konnte bei der Wende fast am Ufer Blumen pflücken, so nah konnte man ran. Mit einer Selbstwendefock ist das ja auch sowas von komfortabel: nur Ruder legen und weiter geht’s auf der anderen Backe.

Schon die alte „Amazing Grace“ hatte eine Reputation im Mittelmeer einige „Beute“ auf See gemacht zu haben. Nicht nur Luftmatratzen und ein See Kajak, auch ein Motorboot mit 40 PS Außenborder wurde in Griechenland aufgefischt. Wenn man allerdings in Schottland einen Geldbeutel im Wasser treiben sieht, dann ist das schon ein besonderer Gänsehautmoment. Kennt man doch den Ruf der Schotten, auf ihre Kröten gut aufzupassen. Also nichts wie angelegt, das Beiboot zu Wasser gelassen und auf Beutezug gegangen. Persönliche Papiere und Führerschein einer jungen Dame waren noch drin, aber alles von Wert war geplündert. Vermutlich wurde er gestohlen und dann in den Kanal geworfen. Hoffentlich nicht auch die Frau dazu…😳Wir sind jetzt wieder zurück in der Caley Marina und haben gerade Besuch von zwei netten Polizisten. Entgegen Gerüchten aus Berg sind wir nicht wegen illegalem Alkoholausschank verhaftet worden. Sie wollten eigentlich nur die Geldbörse abholen und sind dann doch auf einen Tee geblieben.Montag soll es mit dem Motor Austausch losgehen und wir müssen mit Janina und Adrian ins Hotel umziehen. Hoffentlich geht alles gut … .

Wracks, Wälder, Wahnsinnstee

Die Gegend um Loch Oich ist einfach so unglaublich schottisch, dass wir eine Nacht länger am Hotelsteg blieben. Doch warum lag 100 m weiter ein „frisches Schiffswrack“ unter der Burgruine? Ist Nessie vor den Touristen ausgewichen???? Dieses Geheimnis führte uns immer tiefer in die feuchten moosverhangenen Wälder der schottischen Highlands.

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…und ohne einen Full Afternoon Tea im schottischen Landhotel (und dessen Wifi) wollten wir auch nicht die Rückreise nach Inverness antreten – grandios!!!

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Music was our first love…sailing our second

„Amazing Grace“, die zweite schottische Nationalhymne, erklang mit der Trompete und von Janina gesungen vom geschichtsträchtigen Urquhart Castle über das wolkenverhangene Loch Ness. Darunter ankerte unsere „Amazing Grace“ – was für eine Szene!!!

Sylvia und Henning haben sich im Schulorchester kennen gelernt. Henning hat vom Trompetenregister immer zur hübschen 1. Geigerin rübergelinst und dabei sein Herz verloren. Sylvia hat das Geigen dann zu ihrem Beruf gemacht und Henning hat, nach seinem Wehrdienst im Musikkorps, sein Instrument für 35 Jahre „an den Nagel gehängt“. Klar, dass Musik auch an Bord eine wichtige Rolle spielt. Sylvia spielt regelmäßig ihre Geige und auch ihr Wunsch nach einem Platz für ein E-Piano hat die Sirius-Werft in der Hundekoje berücksichtigt. Henning arbeitet seit Beginn der Reise an seinem „Comeback“ und hat ein Kornett mitgenommen, das nicht nur als Nebelhorn zum Einsatz kommt. Der Weg ist noch lang bis es wieder ordentlich klingt aber ab und zu wird schon gemeinsam musiziert. Und wenn, wie zur Zeit, Janina und Adrian zu Gast sind, gibt es an einem verregneten Abend auch ein kleines Bordkonzert, wo diesmal unsere schottischen Segelfreunde, Brian und Ann zu Gast waren.

Burgen und Forts

Was macht man, wenn man in einer Marina festsitzt und nicht weiß, wann und wie es mit dem Motor weitergeht? Man nimmt sich einen Mietwagen. Gesagt, getan, und ab geht’s, die Umgebung zu erkunden.

Als erstes haben wir uns Fort George angeschaut, wo wir vor ein paar Tagen auf dem Weg nach Inverness vorbeigesegelt sind und die Delfine springen sahen. Eine eindrucksvolle Festung, die noch heute als Garnison genutzt wird. Am nächsten Tag fuhren wir nach Edinburgh, um unsere Tochter Janina und Adrian, ihren Mann abzuholen. Edinburgh ist eine fantastische alte Stadt und hat eine ganz tolle Burg, mit einer unglaublichen Geschichte der Monarchen Schottlands, inklusive der Kronjuwelen. Zurück in Inverness erreichte uns die Nachricht, dass es noch eine Weile dauern würde, bis unser neuer Motor ankommen soll. Na denn… noch länger in der Marina bleiben wollten wir nicht, so fuhren wir los in den Caledonischen Canal. Mit zwei zusätzlichen Crewmitgliedern mussten wir auch keine Angst vor den kommenden Schleusen haben…

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Endlich in Loch Ness! Unglaublich eindrucksvoll das Spiel von Licht. Wir fanden eine Boje unter dem spektakulären Urquart Castles, wo Henning mit seiner Trompete und Janina mit ihrer schönen Stimme Amazing Grace über den See intonierten. Nach sechs weiteren Schleusen haben wir Fort Augustus hinter uns gelassen und sind jetzt in Loch Oich. Schottischer kann Schottland nicht sein. Thanks to Simon bekamen wir noch tolle Luftaufnahmen von Amazing Grace. Wir sitzen mit ihm und seiner Frau Chris gerade in einem unglaublich schönen Castle Hotel, unweit von unserem Boot… nach Dinner jetzt mit Drinks….

Motor – 3. Und hoffentlich letzter Akt

Ouvertüre: Kühlwasserspritzer im Motorraum bereits im Sommer 2015

  1. Akt, Szenenbild Neustadt i.H.:drei Reparaturversuche kurz vor unserer Abreise mit interessanter Variation: kühlwassergeflutete Bilgen (offensichtliche Kühlwasserverluste sind behoben aber weiterhin mysteriöser Schwund)
  2. Akt: Szenenwechsel – Mandal/Norwegen: Austausch von Kühl- und Auspuffeinheit am Motorblock (Danke – Carsten!) aber leider nach wie vor Schwund.
  3. Akt: Szenenwechsel – Inverness Schottland: Drei Tage Motortests in allen Variationen – wir kennen jetzt alle Hunde die an unserem Kanalstück Gassi geführt werden, sooft sind wir da auf und ab getourt.

Aber jetzt Crescendo zum hoffentlich Grande Finale: Heute kam die Entscheidung, dass wir einen neuen Motor bekommen sollen – Yieppiehh. Unsere Werft hatte sich auch dafür stark gemacht. Die Frage ist nur wann? Wenn es gut läuft, soll er Ende nächster Woche hier sein und dann beginnt der Spaß: Frankes werden wohl für drei Tage ausziehen damit der alte Motor raus- und der neue Motor eingebaut werden kann. Wir werden dazu wohl insgesamt zwei Wochen hier bleiben, weil wir es hier erledigt haben wollen. Die Jungs hier scheinen echt kompetent und gründlich zu sein. Und es gibt schlimmere Orte zum Verweilen. Immerhin kriegt man keinen Hitzeschlag bei max 15° und Sylvias Basilikum vertrocknet auch nicht. Die Highlands sind nicht weit, Whiskey ist an Bord und von meinem Bruder kam heute ein Weinpaket an. Also, was will man mehr.

Scherz beiseite: wir sind sehr dankbar, dass wir, nach einigen emotionalen Auf und Abs nun eine klare Perspektive haben, auch wenn es einen weiteren unfreiwilligen Stopp und ein paar „Ausbauten“ am Schiff bedeutet. Vielen Dank an alle, die an uns gedacht haben.

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Amazing Grace auf dem Berg

Gestern fuhren wir noch unter der 30 m hohen Invernessbrücke hindurch, heute schauen wir schon auf sie herab. Wir liegen im Kaledonischen Kanal (mal wieder bei einer weiteren Motorcheck-u.reparatur) und haben die ersten 6 Schleusen bereits gemeistert. Die Reise hierher von Lossiemouth nach Inverness brachte uns den schottischen Highlands näher und gab einen Vorgeschmack auf die landschaftliche Schönheit. Am Vorabend unserer Abfahrt testeten wir im Steamboatpub in Lossiemouth den ersten schottischen Whiskey. Auf die Frage, ob es dort auch etwas zu Essen gäbe, antwortete die Barkeeperin lakonisch „at Christmas“.

IMG_6934Hoch- u. Niedrigwasser, sowie der Tidestrom bis zu 6 kn mussten genau passen, um auszulaufen und dann mit dem Strom in Inverness einzulaufen. Dazu legten wir einen Zwischenstopp im Cromarty Firth ein. Bohrinseln waren unsere Nachbarn.

IMG_6949IMG_6944IMG_6963IMG_6960Kurz vor Sonnenuntergang war Zeit zum Aufbruch und das Warten hatte sich gelohnt: Delfine

Der Kaledonische Kanal wurde 1822 gebaut und verkürzt den gefährlichen Weg um die Nordspitze Schottlands um 522 km. Mehrere „Lochs“ sind integriert, u.a. das, wo Nessie beheimatet sein soll. Das Rein- und Rauskommen in den Kanal funktioniert über Meerschleusen, die natürlich nicht bei Niedrigwasser offen sind. Über Funk haben wir uns angemeldet und bekamen mit zwei anderen Seglern 12:00 als Termin zugeteilt. Ganz schön aufregend, wenn man noch nie geschleust hat und dann gleich neben einem 30 Meter Stahlbrummer in die Schleuse gequetscht wird.

IMG_6971 IMG_6982Durch eine Treppe von vier Schleusenkammern durften wir unser Boot eigenhändig ziehen bis wir unser Zwischenziel, die Caley Marina bei Inverness erreicht hatten. Wir waren echt geschafft. Wie freuen wir uns darauf, wenn am Sonntag unsere älteste Tochter und ihr Mann kommen, um uns für zehn Tage zu begleiten. Nicht, dass wir alleine Angst vor Nessie hätten, nein, das Schleusen ist zu viert ist viel einfacher… .Bis dahin bleibt den Mechanikern hier genug Zeit um unseren Motor, so oft sie wollen, auseinanderzu- bauen, Hauptsache das Kühlwasserproblem ist dann gelöst!!!