Unsere Ausrüstung – was hat sich bewährt

Man kann sich in der Theorie viel Gedanken machen, was man auf einem Schiff so alles braucht. Letzten Endes bringt nur die Praxis Stärken und Schwächen des Bootes und der Ausrüstungsgegenstände zu Tage. Wenn man längere Zeit auf dem Boot lebt und in unterschiedlichen Revieren unterwegs ist, zeigt sich wirklich, was sich bewährt. Anbei die Kommentierung einiger Konstruktionsmerkmale und  Ausrüstungspunkte unserer Yacht auf Basis der Erfahrungen unseres Sabbaticals. Hier gibt es eine Liste der Ausrüstung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Dies kann dem interessierten Segler ggfs. Anregungen geben, wenn er seine eigene Ausstattung für eine ähnliche Reise plant.

Rumpf und Aufbau

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Decksalon, Decksalon, Decksalon: wie genießen wir dieses perfekt umgesetzte Konzept: immer miteinander auf Augenhöhe und Sicht nach draußen, vor Anker, im Hafen, in Fahrt. Wenn Segler unten „im Keller“ sitzen oder die Kuchenbude aufbauen, haben wir immer perfekte Rundumsicht. Insbesondere im Frühjahr und Herbst und im eher feuchten Norwegen, Schottland und Irland. Aber auch lange Überfahrten werden weit weniger anstrengend, wenn man seine Wache auch von innen ausüben kann. Da hat sich auch die Möglichkeit bewährt von innen per Autopilot den Kurs anpassen zu können und bei Motorfahrt den Gashebel zu bedienen.

Selbst im August in Portugal wurde es durch die doppelverglasten Fenster  nie zu warm. Das doppelstöckige Konzept mit der Eignerkoje unter dem Salon hat uns den Lebensraum einer 47-Fuß Yacht beschert, aber beim Hafenmanöver ist es halt eine handliche 40-Fuß Yacht. Also,  nie mehr ohne diesen Decksalon! Das war eine der Hauptgründe, uns für eine „Sirius“ zu entscheiden!

Kimmkiele hatten wir nie zuvor gesegelt und waren für uns mit dem Vorurteil der schlechten Performance am Wind behaftet. Die Realität sieht völlig anders aus: mit unserer Kimmkielausführung können wir unter 80° wenden und mit 1,45 m Tiefgang eröffnen sich uns auch kleinere Häfen und Ankermöglichkeiten in flacheren Ecken von Buchten. Aber so richtig Spaß macht es, in Buchten und Lagunen kurz vor Hochwasser einzufahren und wenn das Wasser abläuft, trockenen Fußes die Gegend zu erkunden. Wenn es dann gelegentlich mit 6 Bft bläst und eigentlich eine unruhige Nacht vor Anker bevorsteht, schwojen wir nur eine Stunde bei Hochwasser heftig hin und her und stehen den Rest der Nacht ruhig auf den beiden Kielen.

Der einzige Nachteil: wenn man mal versehentlich aufläuft, hilft kein Krängen der Yacht. Der Tiefgang würde dann nur größer. Wenn man nicht mit Motorkraft wieder frei kommt, hilft nur, auf das nächste Hochwasser zu warten. Fazit: in Tidenrevieren haben sich die Kimmkiele prima bewährt; wenn man nur in Revieren mit minimalem Tideneinfluss, wie z.B. im Mittelmeer, unterwegs ist, würden  die Kimmkiele wohl nicht so zur Geltung kommen.

Rigg und Segeltechnik

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Ein durchgelattetes Großsegel mit drei Reffs, zwei Vorstagen mit einer 135% Rollgenua, sowie einer hoch angeschlagenen Selbstwendefock ohne Backstagen sind unsere ständig angeschlagene Segelkonfiguration. So kommen wir auf eine hohe Segeltragezahl und eine ansprechende Segelperformance – wer wird schon gerne überholt. Bei leichten Winden zwischen 40° und 150° fahren wir einen Rolldrifter, der an einer Rolle am Bugspriet gesetzt wird.

Vor dem Wind wird die Genua ausgebaumt und das Großsegel mit Bullenstander gefahren. Die Vorsegel fahren wir fast immer ungerefft für optimalen Stand. Am Wind reffen wir bei voller Genua das Großsegel meist ein- bis zweimal ein, bevor wir auf die Fock wechseln und dann das Großsegel ausreffen können.
Wie hat sich das bewährt? Wir haben mit dieser Besegelung eine hohe Variabilität, gepaart mit einfacher Handhabung und hoher Leistung. Meist waren wir so schneller und höher am Wind unterwegs als Yachten vergleichbarer Größe und das Reisen war immer noch komfortabel. Von der Selbstwendefock waren wir spätestens dann überzeugt, als wir im Loch Ness mit 24 Wenden aufgekreuzt sind. Das Reffen des Großsegels funktioniert prima über eine Leine aus dem Cockpit und das Großsegel fällt bei Bedarf in einer Sekunde runter – ein Sicherheitsfaktor. Das Rollgroßsegel unserer letzten Yacht haben wir nicht vermisst. Die drei Reffs im Großsegel waren für die Winde, die uns begegnet sind, immer ausreichend. Das Sturmsegel blieb immer im Sack. Einzig für Langstrecken mit viel achterlichem Wind denken wir langfristig über ein Segel nach, das einfach zu handhaben und variabel genug ist, um auch nachts mit kleiner Crew gefahren zu werden.

Autopilot: Wir haben uns gegen eine Windsteueranlage entschieden und vertrauen ganz dem elektrischen Autopiloten. „Rayma“ hat uns mindestens 80% der Strecke gesteuert und bei fast allen Winden, Wellen und Kursen zuverlässig unterstützt. Einzig bei starkem Kurswechsel braucht das System etwas lange und ggfs. ist manuelles Eingreifen nötig bis das System sich auf die neuen Umstände eingestellt hat. Auch bei langen Überfahrten hat der Batterieblock mit seinen 525 Ah unter Autopilot ausreichend Kapazität und wenn dann ab und zu noch die Sonne scheint, wird sogar noch kräftig geladen.

Auf die Redundanz einer Windsteueranlage haben wir bisher verzichtet und werden es, auf Basis dieser Erfahrungen auch weiterhin tun. Das tut unserem Heck mit Dingi und ausklappbarer Badeplattform gut. Allerdings würden wir wohl zur Sicherheit Verschleißteile für den Autopiloten einpacken, man weiß ja nie!

Kommunikation: auf Navtex haben wir verzichtet. Aber wir haben das Satellitentelefon „Iridium Extreme“ mitgenommen und dafür eine externe Antenne auf den Geräteträger installiert. Das ist für uns eine flexible Lösung um immer und überall Gribfiles zu empfangen und auf den Laptop zu laden. Damit können wir Häfen oder Seenotrettungsstellen anrufen und für unsere Kinder erreichbar sein. Ansonsten hatten wir nur UKW an Bord und das war ausreichend. Richtig genervt waren wir oft vom WLAN. Fast jede Marina hatte zwar WLAN aber meistens war dies zu schwach um z.B etwas auf unseren Blog hochzuladen. Ohne den Hotspot vom Handy mit einem supergünstigen Vertrag, der EU-weit gilt, hätte es keinen Blog gegeben. Ob ein WLAN-Verstärker im Mast da Abhilfe schafft werden wir für die Zukunft prüfen.

Inneneinrichtung

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Waschmaschine: Manch einer mag es als Luxus sehen, aber auf Langfahrt mit viel schlechtem Wetter ist eine Waschmaschine an Bord einfach viel wert. Seit wir einmal auf Klintholm in Dänemark erlebt haben, wie, von den erbosten Frauen aufgestachelte Ehemänner beinahe handgreiflich wurden, um zu Klären wer als nächstes mit Waschen dran ist, träumten wir von einer Waschmaschine an Bord. Das mag man im Süden anders sehen, wenn außer den Badesachen kaum was zu Waschen ist und man nicht im Regen zum Waschsalon gehen muss. Aber auch dort ist die Maschine an Bord mehr als praktisch. Es gibt immer ein „Ah“ und „Oh“ wenn wir die Sitzbank in der Pantry anheben und der Zugang in die Werkstatt frei wird, wo nicht nur eine Werkbank sondern auch die Waschmaschine steht. Niemand vermutet das auf einer 40 Fuß Yacht. Das durchdachte Doppelstockkonzept unserer Decksalonyacht macht dies möglich.

Mittschiffskoje: die Mittschiffskoje unter dem Decksalon ist unsere Lieblingskoje. Das liegt sicher an der großen, rechteckigen Liegefläche aber vor allem auch an den drei großen, in den Rumpf eingelassenen Fenstern mit einer hervorragenden Sicht in die Ankerbucht. Aber auch auf langen Überfahrten bei unruhiger See haben wir dort, am Schiffsmittelpunkt oft geschlafen, wenn es achtern in der Hundekoje zu unruhig war.

Kochen: Der Gasherd mit zwei Flammen ist für uns die bewährte Standardlösung. Der ist beim Kochen mit Seegang, im Gegensatz zu vielen dreiflammigen Herden, immer im Gleichgewicht. Wir haben in den sieben Monaten nur drei Campinggasflaschen verbraucht, die auch überall erhältlich waren. Das lag aber nicht daran, dass bei uns die Küche kalt blieb, nein: wir haben ein Induktionskochfeld dabei. Darauf kochen wir immer, wenn Landstrom verfügbar ist und gelegentlich auch unterwegs über den Inverter. Das geht viel schneller als mit Gas, auch wenn wir nur eine Platte haben. Diese passt dafür genau auf den Gasherd und kann auch draußen in der Plicht über eine Steckdose in der Backskiste angeschlossen werden. Was richtig spritzt und riecht wird so meist im Freien gekocht. Das nennt man „lifecooking“ in der Plicht. Da wandern die Steaks oder der Fisch direkt von der Pfanne auf die Teller.

Beschläge

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Steuerung: Wir haben eine Radsteuerung an Bord, bei der man die Steuersäule mit einer Fußbewegung von der Mittelposition nach Back- und Steuerbord schwenken kann. Das ist eine feine Sache, hat man doch bei Am-Wind-Kursen die Sicht wie bei zwei Steuerständen. Aber die Bänke in der Plicht behalten eine Länge, wie auf einem 50 Fuß Schiff. Wenn man sich in der Plicht ausstrecken kann, sind sternklare Nächte einfach noch schöner. Diese Lösung würden wir dem Doppelsteuerstand unserer letzten Yacht immer vorziehen.

Ankergeschirr: Keine Marina ist so schön wie eine Ankerbucht. Wir lieben es, vor Anker zu liegen. Deswegen ist uns das Ankergeschirr sehr wichtig. Unser 25 kg Rocna hat sich als Hauptanker auf allen Ankergründen und im Tidenrevier uneingeschränkt bewährt. 100 m Ankerkette geben uns zusätzliche Sicherheit. Der Anker hat, nachdem wir ihn kräftig eingefahren und reichlich Kette gesteckt haben, immer gehalten. Nur ganz selten waren zwei Versuche nötig. Der Anker ist nie geslippt und wir haben, mit wachsendem Vertrauen, ruhig und sicher geschlafen. Unseren Cobra-Zweitanker mit seinem 20 m Kettenvorlauf haben wir bis jetzt vergeblich rumgefahren. Unser Heckanker kam bis jetzt nur in den Schären in der Ostsee zum Einsatz, seither nicht mehr. Aber das kann sich im östlichen Mittelmeer wieder ändern, wenn oftmals keine Mooringleinen im Hafen liegen, sondern geankert wird. Da gehen wir dann schon mal gerne mit dem Bug an den Kai.

Zubehör

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Außenborder: Wir haben uns für einen Elektroaußenborder entschieden, konkret das Modell Torquedo 1003 Travel. Der ist super zuverlässig, leicht und leise und braucht keinen Sprit. Wenn man ihn nicht mit Vollgas jagt, schiebt er unser mit 2-4 Personen besetztes Dingi locker 4 sm weit. Sylvia und ich haben ihn nur zweimal leer gefahren: einmal bei einer ganztägigen Stadtrundfahrt durch die Kanäle Kopenhagens, ein andermal bei Lagos/Portugal, als wir meinten, zu viert die felsige Algarvenküste per Dingi erkunden zu müssen. Aber durch die zuverlässige Anzeige der Restlaufzeit konnten wir immer rechtzeitig umkehren und mussten nicht rudern. An Bord wird der Akku „ratz fatz“ über den Inverter wieder aufgeladen. Allerdings – mehr als 4 kn Speed gehen nicht und damit kommt man auch nicht so richtig ins Gleiten. Wahrscheinlich bräuchten wir, wenn man wirklich lange Strecken gegen starken Wind, Welle und Strom zurücklegen muss, langfristig ein noch größeres Dingi mit einem 9 PS Motor. Aber solange wir ohne Benzin in der Backskiste auskommen können, werden wir es tun!

Klappfahrräder: diese erweitern den Aktionsradius im Hafen signifikant. Bei uns sind sie hinter dem Motorraum verstaut. Zwei Brompton Räder passen da genau rein, sind aber etwas mühsam herauszuholen. Deswegen kamen sie nur bei längeren Aufenthalten oder Strecken heraus. Wir möchten sie aber nicht missen. Für Sightseeing und kleinere Einkäufe und natürlich etwas Sport für die faulen Boothocker sind sie prima.

Staubsauger: Warum erwähnen wir so ein unwichtiges Detail? Weil ein Schiff eine Drecksammelstation ist. Unglaublich was sich in den Ecken da ansammelt. Und wenn man die Kehrschaufel an Deck bringt, weht bereits die leichteste Brise den Inhalt dahin, wo man´s nicht braucht. Die Antwort darauf ist der superpraktische Handstaubsauger von Dyson. Griffbereit in einer Schublade am Niedergang, schnappt man ihn sich schnell und in fünf Minuten ist das Schiff innen sauber.

Elektrische Wassermelder: wieder so ein moderner Schnick-Schnack. Wir haben sechs kleine, batteriebetriebene Wassermelder im Schiff verklebt. Da wir nicht nur eine Zentralbilge haben, wo alles zusammen läuft, sondern mehrere Bilgen, bekommen wir früh eine Warnung, wenn irgendwo Wasser reinläuft oder ein Schlauch abgerutscht ist. Es piepte zum Beispiel unüberhörbar nahe Korsika mit starker Welle von hinten, weil sich Wasser im Heck, unter den Bordfahrrädern befand. Die Ursache war schnell gefunden und abgestellt, bevor viel Wasser eindringen konnte: beim hochziehen des Dingis an den Davits hatte es versehentlich den Deckel der Notbadeleiter gestreift, der sich dadurch gelöst hat. Die achterlichen Wellen drückten in das Rohr der Badeleiter, die leider durch einen Produktionsfehler des Herstellers undicht war. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Nächstes Jahr kommen noch zwei Wassermelder dazu.