Lagunen Lümmler

Endlich mal ein paar Tage nur chillen! Man glaubt es kaum, aber wir hatten beide das Gefühl, dass wir bis jetzt auf unserer Reise zu viel „Action“ hatten. Bis Galizien waren wir durch einen gewissen Druck getrieben, rechtzeitig über die Biskaya zu kommen. An Portugals westlicher Atlantikküste waren die Häfen dünn gesät und große Schläge angesagt. Dazu kamen unsere beliebten Reparaturstopps, die uns mental auch nicht so richtig zur Ruhe kommen ließen. Unsere kleine Bestandsaufnahme zu Beginn des zweiten Teils unserer Reise, nach der Hochzeitspause, ergab: mehr Zeit zum „chillen“, lesen, beten. Dafür machen wir nach Pausen auch gern längere Schläge, bleiben dafür, wo es uns gefällt, etwas länger.

Gesagt – getan: die Lagune von Faro bot sich dafür an. Große, vorgelagerte Inseln, mit wenigen Durchlässen zum Atlantik, ließen ein riesiges Flachwassergebiet mit Sandbänken, Salzmarschen und Buchten entstehen, wo die beiden Städte Faro und Olháo am Festland anschließen. 2-3 Meter Tidenhub versprechen ein navigatorisch anspruchsvolles Revier, spannende Strömungsverhältnisse und ein, sich tagsüber mehrmals änderndes Landschaftsbild. Ganz zu schweigen von den unendlichen Möglichkeiten, hier Vögel zu beobachten.

Wir setzten unseren Anker für die erste Nacht an einer Stelle, wo auch viele Langfahrtsegler überwintern und fuhren fast bei Hochwasser hinein in ein Salzmarschgebiet, durchsetzt mit Sandbänken. Es ist immer wieder spannend, wie die „Amazing Grace“ auf ihren drei Füßen zu stehen kommt, wenn das Wasser abfließt. Henning machte sich am nächsten Morgen trockenen Fußes auf zur Erkundung des kleinen, völlig auf Sand gebauten Dorfes. Kein Auto schafft es durch den Sand, nur hie und da befördert ein Traktor Bedarfsgüter vom Fährkai zu den Häusern – sehr einfach das Leben hier.

Für die nächsten beiden Nächte verlegten wir uns eine sm nördlich in ein windgeschütztes romantisches Plätzchen, direkt hinter die Sanddünen. Wenn das Wasser durch die kleinen Priele abgelaufen war, stand die „Amazing Grace“ mitten auf einer Seegraslandschaft, die fast an eine Schweizer Almwiese mit Bächlein erinnerte. Selbst bei Starkwind zerrt das Schiff dann nicht an seiner Ankerkette. So hatten wir uns das vorgestellt. Die drei Tage verflogen mit Lesen, Baden, Beten, Spaziergängen, die Sonnenauf- und untergänge und den Sternenhimmel bewundern. Und damit wir auch nachts den Rundumblick genießen konnten, wurde der Tisch im Decksalon abgesenkt und unser Schlafgemach nach oben verlegt – wir lieben den variablen Decksalon unserer Sirius.

Sobald das Wasser abgelaufen ist, kommen die Muschelsucher auf den Plan. Der lockere Sand wird nach den kleinen Herzmuscheln durchpflügt, oft stundenlang für eine Mahlzeit. Doch Vorsicht: verlässt man die sandigen Pfade, versinkt man schnell mehr als knietief im schwarzen weichen Schlick. So ging es unserem Seglerfreund Wolfgang, der bei uns per Dingi zum Abendessen war und im Stockdunkeln zu seinem, inzwischen trocken gefallenen Kimmkieler zurückwaten musste. Das Dingi blieb bis zum Morgen bei uns.

Doch alle Herrlichkeit hat eine Ende, wegen … Motorproblemen, man glaubt es kaum! Diesmal eine Diesellache im Motorraum. Also gut: durch enge flache Fahrwasser ging es nach Faro, wo wir einen ganzen Tag auf einen Techniker warteten, der endlich kam und dann nochmal kommen musste, weil der Dieselfilter immer noch nicht dicht war.

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Nein, wir lassen uns das nicht vermiesen: am nächsten Morgen ging es bei Sonnenaufgang los zu einem 75 sm Schlag nach Chipiona. Sevilla, Cadiz und Gibraltar sind die nächsten Highlights, die wir gemeinsam mit dem jungen Ehepaar Chris und Leni erkunden wollen.

…. Eilmeldung nach Redaktionsschluß: es gibt tatsächlich Thunfisch im Atlantik! Wir haben einen gefangen😀

Juhuuuuu….es geht weiter!

… die Ereignisse haben sich gestern überschlagen:

früh um 9.00 waren wir wieder zurück in der Schiffswerft Sopromar in Lagos, wo kurz nach unserer Ankunft diesem fiesen schrillen Motorengeräusch nachgegangen wurde. Es stellte sich heraus, dass eine Schraube am Turbolader nicht richtig angezogen wurde nach der Motoreninspektion… nun schnurrt das Volvokätzchen wieder sehr angenehm!

Sofort wurde unsere schöne Batterienkiste auch wieder gebrauchsfertig zusammengeschraubt und tatsächlich kam die neue Batterie pünktlich gegen 16.30 Uhr in der Werft an und wurde sofort eingebaut.

Um alles zu testen haben wir uns gegen 18.30 noch in Richtung Portimao aufgemacht und konnten  ein herrliches Abendsegeln genießen! Sogar rosa Wolkenherzen gab es im Himmel. Vor Portimao fiel dann um 20.00 unser Anker. Heute morgen wollten wir den – nur noch für heute vormittag für uns günstig stehenden – Wind ausnutzen und sind jetzt unterwegs nach Faro. Delphinchen haben auch schon „Hallo“ gesagt.

 

Wir sind so dankbar, dass alles nun doch gut zu funktionieren scheint, wir werden die Batterien genau monitoren.. und wir sind sehr dankbar, dass die Siriuswerft und Sopromar uns so toll unterstützt haben!

Man repariert sich um die halbe Welt…

… und macht das Beste daraus! Dieser, unter Langfahrtseglern sehr gebräuchliche Spruch, kam uns die letzten Tagen öfter in den Sinn. Wir hatten uns ja u.a. für die Sirius-Werft entschieden, weil ihr der Ruf eines exzellenten „After-Sales-Services“ vorauseilte. Und zum Glück ist das auch so. Werftchef Torsten Schmidt hatte uns erklärt, dass die Werft primär Bauteile globaler Marktführer einbaut, die weltweit ein Händlernetz haben. Das hatten wir auf unserer Reise bereits mehrfach in Anspruch genommen, sei es bei unserem Motor, bei der Furlex und anderem. Das funktioniert dann immer so: wir melden das Problem dem Serviceleiter von Sirius, der gibt entweder direkt per Telefon Hilfe zur Selbsthilfe oder vermittelt den Kontakt zum nächstgelegenen Partner in unserer Nähe. Leider braucht es aber trotzdem immer einige Tage bis die benötigten Ersatzteile vor Ort sind und die Reisepläne kommen durcheinander. Da hilft dann nur, das Beste daraus zu machen.

Doch von vorne: Noch ganz erfüllt von der Hochzeit unserer Tochter Leni und Chris kamen wir, mit Hennings Vater, nach 12 Tagen erwartungsfroh wieder in Lagos an. Die „Amazing Grace“ stand, wie wir sie verlassen hatten, unternehmungslustig auf ihren drei Füßen und sollte eigentlich noch am selben Tag ins Wasser gelassen werden. Die „To Do-Liste“ der hochkompetenten Werft war größtenteils abgearbeitet. Doch an unserem „Energieproblem“ wurde immer noch gearbeitet. Wir machten wieder einmal das Beste daraus: Anstatt auf der Baustelle einzuziehen, fanden wir kurzerhand bei unseren Freunden, Rudi und Mercedes, 50 km nördlich, Unterschlupf. Sie zeigten uns die wilde, dramatisch schöne Atlantikküste von Land aus.

Tags drauf schwamm „Amazing Grace“ zwar wieder, aber dann wurde klar: die Batterien haben tatsächlich eine Macke. Die sechs Blöcke mussten raus, was einige Zeit in Anspruch nahm… und einzeln ausführlich getestet werden. Ein Batterieblock war nicht in Ordnung. Leider kann das innovative Produkt nur aus Deutschland kommen und die letzte Lieferung hatte elf Tage hierher gebraucht. In elf Tage sollten wir schon fast in Gibraltar sein… . Mit gemeinsamen Anstrengungen vom Batteriehersteller und der Sirius-Werft wurde das Teil dann aber so auf den Weg gebracht, dass es evtl schon vier Tage später eingebaut werden kann – schau mer mal … .


Wir machten das Beste draus und fuhren mit einer Ersatzbatterie und Hennings Vater, der die Tage auf der Werft, dem „Schiffslazarett“ hoch spannend fand, in Richtung Portimao, wo für ihn das Taxi zum Flughafen wartete – natürlich mit einem Ankerstopp vor der Felsenküste. Da sich auf dem Weg dorthin der Motor mit kreischenden Geräuschen meldete, war klar: auch darum sollten wir bald wieder zurück ins „Lazarett“ nach Lagos. Aber nicht ohne einen Zwischenstopp in unserer Lieblingslagune Alvor zum Mittagessen und einem Besuch bei unserem Seglerfreund Wolfgang. Man macht halt das Beste draus. Jetzt sind wir mal wieder gespannt, wie es weiter geht, man repariert sich….

 

 

Hallo, Algarve – wir stehen auf dem Schlauch

„Irgendetwas stimmt nicht“, dachte Henning als er um 5:00 früh bei Schräglage vor Anker aufwachte und die Amazing Grace schwamm und nicht trockengefallen war. Und so war es auch!

Aber von vorne: die Algarve ist wunderschön! Gleich nach dem langen Schlag ums Capo Sao Vincente fiel unser Anker in der ersten Bucht vor einem, von Felsen umrahmten, gelben Sandstrand – Badezeit, bei herrlichen 24°C Wassertemperatur.

Steile Klippen, bizarre Felsformationen und kleine Strände wechseln sich bis Lagos, der ersten größeren Stadt nach dem Kap, ab. Eigentlich sollte es ja stattdessen in eine Lagune gehen. Aber da unser neuer Motor Probleme machte, fuhren wir gleich nach Lagos um in einer Werkstatt danach schauen zu lassen. Das bescherte uns ein drückend heißes Wochenende in einer eher durchschnittlichen Marina, bis wir montags einen Werkstatttermin bekamen. Wir machten das Beste draus, nutzten unser Dingi zum abenteuerlichen Ausflug an die Strände und konnten Sonntags auch mal wieder einen internationalen Gottesdienst besuchen.

Lagos kam uns, nach den beschaulichen Häfen an der Westküste Portugals, sehr touristisch vor und hat uns nicht sonderlich beeindruckt. Unsere Motorreparatur wurde uns dort als nicht so dringend bescheinigt und wird erst ein paar Tage später, zusammen mit einer ganzen Reihe fälliger Arbeiten am Boot in einer Werft durchgeführt. Deshalb: nichts wie ab in die Lagune von Alvor.

Herrliches Wasser, schöne Strände und geschützte Ankerbuchten, so dass wir mal wieder trocken fallen konnten. Gesagt – getan: bei abfließendem Wasser saß die Amazing Grace mal wieder auf ihren beiden Kielen. Henning nutzte die Gelegenheit für kleinere Wartungsarbeiten am Unterwasserschiff, während das Schiff nur noch im knöcheltiefen Wasser stand, bevor nachts die Flut es wieder zum schwimmen brachte. Aber wieso hatten wir bei Windstille Schräglage? Henning leuchtete mit der Taschenlampe ums Schiff und sah einen hellgrauen großen Körper unterm Schiff. Wir werden doch nicht halb auf einem Wal sitzen? Nein, ganz klar, das war unser Beiboot. Es musste sich im kniehohen Wasser durch den drehenden Wind unters Schiff geschoben haben, wurde jetzt bei Flut unters Wasser gedrückt und hob die Amazing Grace schräg an. Meine Güte, wir standen tatsächlich „auf dem Schlauch“. Uns blieb nichts anderes über, als zu warten bis das Wasser wieder abgeflossen war und das Dingi wieder frei schwamm. Glücklicherweise hatte es diese Belastungsprobe unbeschadet überstanden … man lernt immer dazu!
Warum weiterfahren, wenn es hier so schön ist? Mit Wolfgang, einem netten Segler, den wir schon mehrmals getroffen hatten, und Besuch von Musikerfreunden von Sylvia, verbrachten wir ein paar wunderschöne, zum Teil windige Tage vor Anker in dieser schönen Lagune, bevor es  zurück nach Lagos ging. Die Amazing Grace kam an den Haken, wurde an Land gestellt und wenn wir in ein paar Tagen aus Deutschland von der Hochzeit unserer Tochter Leni zurück kommen, hat die Werft hoffentlich alles repariert, was sich so angesammelt hat und unsere bescheidene handwerkliche Kompetenz übersteigt.

Adios Portugal und Amazing Grace – bis bald!

 

Portugals Westen – Buchten, Häfen, Schaukelnächte

Wenn da nicht immer dieser Schwell wäre … . Portugals Westküste ist ja nicht gerade mit vielen Häfen und Buchten gesegnet. Aber wenn man dann doch einen Ankerplatz gefunden hat und nachts der Wind nachlässt, schaukelt es einen nicht in den Schlaf, nein, oft schaukelt es so, dass man kaum ein Auge zu tut. Der Atlantik hat halt immer Wellen. Irgendwo bläst es immer kräftig, und der Seegang erreicht dann die Küste und wird ggfs noch durch die lokalen Winde verstärkt.

Das erste Mal nach unserer Abfahrt aus Lissabon erwischte es uns bei Sesimbra: ein herrlicher Strand vor dem Städtchen lud zum Baden ein. Doch nachts schaffte es der Schwell, sich um 90° ums Kap zu drehen und uns den Schlaf zu rauben.

„Nicht noch einmal“, dachten wir und machten am nächsten Tag einen Abstecher nach Setubal. Dort bildet ein Fluss ein großes geschütztes Gewässer. Unser Anker fiel dann auch nah an den Traumstränden Troias. Doch leider düsten die halbe Nacht in 100 Meter Entfernung Fähren vorbei, die Touristen hin und her beförderten. Wir hatten genug und fuhren für die nächste Nacht in die Marina, nicht ohne tagsüber die herrlichen Strände zu erkunden – Manuel mehr im Wasser als zu Lande.

Weiter ging es nach Süden, nach Sines. Nach einer herrlichen Überfahrt, mit einer halben Stunde spielender Delphine ums Schiff, tauchte die riesige Hafenmauer und einige Öltanker auf. Doch im Hafen tat sich ein zweiter kleiner Hafen auf, mit Sandstrand, Fischerhafen und Marina. Hier verirren sich, außer ein paar Yachties, keine Touristen hin. Das Städtchen ist hübsch, bodenständig und freundlich. Hier trafen wir Mercedes und Rudi, Freunde, die vor kurzem nach Portugal ausgewandert waren mit Iris und Michael aus Mannheim, die dort gerade auch zu Besuch waren. Wir genossen einen wunderschönen Nachmittag und Abend zusammen. In Lissabon holten wir am nächsten Tag unsere jüngste Tochter, Marie-Sophie, ab.

Um an die Algarve zu kommen, muss man um das Capo Sao Vincente herum. Das ist ein 60 Meilen Schlag ohne Schutzhafen dazwischen, mit, in der Regel, schweren Kreuzseen ums Kap herum – also ein prima Einstieg für unsere Tochter! Bei Sonnenaufgang ging’s los, erst unter Segeln, dann unter Motor. Eine Schrecksekunde gab es wieder mal, als unser Motor anfing zu stottern und beinahe ausging. Zum Glück hielt er dann aber problemlos durch und auch das gefürchtete Kap zeigte sich so ruhig wie selten – Algarve, wir kommen! Und wir versuchen es wieder mit einer Ankerbucht… .

Wichtig: da wir sehr oft sehr schlechtes Internet haben, konnten wir jetzt auch keinen Film hochladen.Dieser wird jedoch so bald als möglich folgen!… ist nämlich schon lange fertig.

Von Mauren und Tuck-Tucks

Was wäre Fahrtensegeln ohne die Ausflüge, um einen Eindruck von Land und Leuten zu gewinnen? Direkt oberhalb von Cascais liegt in den Bergen Sintra mit wunderschönen Schlössern und Burgen. Unsere Tochter Leni gab uns die besten Tipps von ihrem letzten Städtetrip, blieb aber selbst auf dem Boot, um an ihrer Masterarbeit zu feilen. Dafür war Manuel dabei. Dramatisch die maurische Burg, von der aus man einen kompletten Rundumblick hat und auch aufs Meer Richtung Cabo da Roca sehen kann, wo wir den Tag zuvor herkamen – an diesem Tag allerdings im dichten Seenebel versunken; eine Erinnerung an die hunderte Jahre Besatzung durch die Mauren. Palácio und Parque da Pena sind dagegen das portugiesische Pendant zu Neuschwanstein – bunt und verspielt.

Nach Lissabon ging’s den nächsten Tag den Rio Tejo flussaufwärts. Wenn man sich einer Stadt, wie früher die Handelsschiffe, vom Wasser aus nähert, erschließen sich gleich spannende Perspektiven am Ufer und unter den Brücken. Vor vier Jahren waren wir von hier aus zu einem Törn nach Madeira gestartet – Mann war uns da schlecht geworden… . So ähnlich ging es uns fast bei unserer Tuck – Tuck Tour durch Lissabon. Tuck-Tucks sind aus Indien importierte Dreiräder mit Zweitakter, mit denen man sich durch Lissabon kutschieren lassen kann. Unser Fahrer nannte sie „earthquake simulator“ – und das war treffend! Nicht gerade bandscheibenschonend, aber unvergesslich, so die sieben Hügel Lissabons zu erkunden. Übrigens wurden uns allen total offen Drogen angeboten, völlig ungeniert neben Polizisten. Wir dachten schon, wir würden irgendwie danach aussehen… . Schockiert sprachen wir unseren Fahrer darauf an, der nur lachte und sagte: „ die verkaufen alle nur fake. Wenn die Polizei sie schnappt, können die Dealer nicht eingebuchtet werden, und die Kunden gehen nicht zur Polizei, weil sie sonst den Kopf gewaschen kriegen“.

Leni war zur dieser Zeit schon wieder auf dem Heimweg. Mit ihr hatten wir am Vortag noch das Expo-Gelände erkundet, wo auch unsere Marina lag. Das war architektonisch echt eindrucksvoll. Für uns besonders hilfreich, dass es einen Supermarkt mit „Boat delivery“ gab. Trotz Sackkarre ist es super hilfreich, wenn einem 40 Kilo Einkauf direkt ans Boot geliefert werden. In der Marina trafen wir auch unsere Freunde von der Ariel wieder, mit denen wir die Biskaya überquert hatten. Die mussten wegen Motorproblemen einen Stopp einlegen, das kennen wir gut … . Auch Erika und Andreas aus Berlin waren da, die wir schon letztes Jahr in Neustadt/Holstein kennengelernt hatten. Die beiden hatten kürzlich goldene Hochzeit gefeiert und sind beim zweiten Anlauf zur ihrer Atlantikrunde. Der erste Versuch wurde leider durch einen schweren Verkehrsunfall auf Puerto Rico zunichte gemacht. Man trifft hier viele Segler, die in die Karibik wollen. Für eine ganze Gruppe, die auf dem Weg nach Barbados sind, fand ein kleines Fest in der Marina statt. Das gehört auch dazu, Segler sind ein geselliges Völkchen. Nach drei Tagen hatten wir aber genug von der heißen Stadt, Leinen Los und raus auf den Atlantik.

34 Meterwellen an Portugals Westküste

Portugals Westküste ist nicht gerade reich mit Häfen gesegnet und noch weniger mit geschützten Ankerbuchten. Noch dazu sind die meisten Häfen in Flussmündungen, die bei Atlantikdünung sehr schnell gefährlich werden können. Letztes Jahr wurde dies einer deutschen Yacht und deren Besatzung zum Verhängnis, als sich eine Welle vor der Hafeneinfahrt brach. Die Törnplanung wird als erstes bestimmt von der Wellenhöhe und Wellenrichtung, dann nach der Tide und erst danach vom Wind. Ganz anders als in Galizien, machten wir dann schon große Schläge, um zum richtigen Zeitpunkt Unterschlupf zu finden : 65 sm – Figuera da Foz, 38 sm Nazaré, 26 sm Peniche, 47 sm Cascais.

Die Hafenstädte sind dafür meist historisch interessant und aktive Fischerei- und Handelshäfen. Eine Ausnahme ist Nazaré. Der alte Fischerort auf dem Berg ist um einen blühenden Badeort ergänzt worden. Hier trifft sich die Surfcommunity aus aller Welt, weil hier am Strand unglaublich hohe, brechende Wellen entstehen können. Auf einer 34 Meter hohen Welle ist dort der Surf Weltrekord gebrochen worden. https://www.google.de/?client=safari#q=youtube++surf+nazare&gfe_rd=cr&gws_rd=cr

Trotzdem liegt nur 2 km südlich davon der sicherste Hafen an Portugals Westküste. Selbst wenn alle Häfen wegen der brechenden Seen geschlossen sind, kann man da noch rein. Das liegt daran, daß Nazaré an einem Unterwassercanyon liegt, der tiefes Wasser (noch 70m tief) bis kurz vor die Hafeneinfahrt führt. Klar, dass wir dahin mussten. Wie erwartet waren die Wellen bei der Einfahrt auch wirklich kein Problem, das Meer war spiegelglatt. Allerdings war“ dicke Suppe“, dadurch ganz schlechte Sicht, und die Einfahrt mit Lobsterbojen gespickt, kaum zu finden. Klar, dass wir hier einen ausführlichen Landgang machten und auch die Kabelbahn auf den Berg ausprobierten, die Ober- und Unterstadt miteinander verbindet – fast so scheee wie die Zahnradbahn in Heidelberg. Von einem Fischer kauften wir als Andenken noch ein Sardinennetz, dass jetzt unseren Geräteträger ziert und dort unser Obst und Gemüse im Schatten frisch und die Amazing Grace kakerlakenfrei hält.

Ja, dieser Schwell vom Atlantik ist schon so eine Sache: bei Peniche ankerten wir vor dem Hafen, doch in der Nacht stand etwas Schwell 90° zur Windrichtung in die Bucht und die Nacht wurde zur Schaukelpartie. Man rollt in seiner Koje von einer Seite auf die andere, alles was klappern kann klappert und am nächsten Morgen waren wir nicht gerade erfrischt zum nächsten großen Schlag. Draußen erwarteten uns 2-3 Meter hohe alte Wellen von der Seite, von irgendeinem Sturm irgendwo auf dem Atlantik herrührend und Wind von hinten, der zum Glück mit 5-7 Bft blies, so dass es flott vorwärts ging und die Schaukelei nicht zu heftig wurde. Bewundernswert, wie Leni bei all dem noch an ihrer Masterarbeit Fortschritte macht.

Am Sonntagabend kamen wir dann in Cascais an, das an der Mündung des Rio Tajo liegt, nah an Lissabon. Dort erwartete uns Manu bereits in der Marina – wie schön, zu Sylvias Geburtstag zwei unserer Kinder an Bord zu haben ☺.

 

 

Portugal, Porto, und die Portugiesen

Was haben die Schotten und die Portugiesen gemeinsam? Beide liegen weit vorne im Wettbewerb um das freundlichste Völkchen Europas. Bereits die ersten Begegnungen mit Portugiesen haben sie zu den Schotten aufs Siegertreppchen katapultiert. In unserem ersten Hafen in Portugal, Povoa de Varazim, gingen wir abends noch die wunderschöne Altstadt erkunden und ließen uns schließlich am Tische eines älteren Portugiesen nieder. Wir kamen mit Händen und Füßen ins Gespräch und nach einer halben Stunde stellte er uns seiner deutschen Bekannten vom Lokal nebenan vor und wollte uns gleich zum Bier einladen. In Porto angekommen schickten wir Hartmut und Beate zum Einkaufen. Leider konnten sie den Tante Emma Laden um die Ecke nicht auf Anhieb finden und mussten fragen. Doch anstatt ihnen nur den Weg zu weisen, lud sie der Mann gleich in sein Auto ein und fuhr sie durch halb Porto zu einem großen Einkaufszentrum und wieder zurück und schenkte ihnen zum Abschied noch eine Flasche Vino Tinto. Ganz zu schwiegen von den Marineros und dem Hafenpersonal. In meinem ganzen Seglerleben habe ich noch nicht so freundliche und hilfsbereite Leute in den Marinas angetroffen. Die Krone wurde diesem allen aufgesetzt, als am Morgen acht Brötchen von einem Dingi in unsere Plicht flogen; gehört zum Service – jeden Morgen. Kein Wunder, dass wir einige Tage bleiben, um uns Porto anzuschauen. Porto ist ein Genuss: die historische Altstadt am Rio Douro, die kühn gespannte Stahlbrücke darüber, die eindeutig die Handschrift des Eiffelturmerbauers trägt, auf jedem Hügel Sehenswürdigkeiten, an jeder Ecke Straßenmusiker und überall leckeres Essen zu absolut fairen Preisen… . Und dann gibt’s da noch den Portwein. Von den Engländern vor 350 Jahren erfunden, damit der Rotwein bei den Seereisen in warme Gefilde nicht immer umkippt, ist er ein Exportschlager geworden. An dem, der Altstadt gegenüber liegenden, Douro Ufer reiht sich eine Portweinkellerei an die andere. Die lagen genau auf unserem Heimweg zur Marina… . Schon bei der ersten Verkostung war klar: der 30 Jahre Alte ist noch besser als der 20 Jahre Alte und so weiter… .

Ach so, fast hätten wir vor lauter Begeisterung vergessen: Bayona, unser letzter spanischer Hafen in der Ria Vigo war auch etwas ganz besonderes: herrliche Abendstimmung an den Klippen der Festung und zum ersten Mal im Restaurant die legendären Entenmuscheln. Dann wäre noch zu erwähnen, dass unser Deck durch Asche von den allgegenwärtigen Waldbränden grau eingefärbt wurde und wir auf der unspektakulären Überfahrt nach Portugal nochmals Wale und Delphinchen sahen. Die spielten mal wieder 10 Minuten in unserer Bugwelle – wie schön! Jetzt steht Crewwechsel an: Hartmut und Beate haben uns 300 sm begleitet. An deren Stelle kommen jetzt unsere Kinder: zuerst Leni, dann auch Manuel und im September Marie. Wie schön, fast vier Monate sind vergangen seit dem Abschied!