Sicher in Gouvia Marina auf Corfu

Ihr Lieben,

manche haben schon Kontakt zu uns aufgenommen , weil sie Sorge um uns hatten wegen des starken Sturmes mit heftigen Regenfällen im Ionischen Meer. Deshalb einfach diese kurze Info an euch, uns geht es sehr gut!

Vergangenen Dienstag lagen wir noch in der wunderschönen Bucht von Methoni am westlichsten der Peleponnesfinger im Süden. Hier:

Mittlerweile liegen wir auf Corfu und haben sogar einen total ruhigen und schönen Platz in Gouvia Marina bekommen. Vom Sturm sind wir bis auf ein paar Regentropfen komplett verschont. Wir sind so dankbar, hier zu sein und gleichzeitig tun uns all die Mitsegler, aber auch die Menschen an Land im Zentrum des Sturmes total leid! Erste schlimme Schäden haben wir auf Fotos schon gesehen.

 

Mit Meltemi von hinten nach Skyros, Euböa und die Halbinsel Attica

Von Efstratios wollten wir ja schon wegen seiner Ursprünglichkeit kaum weg. Aber Skiros, mitten in der Ägäis gelegen und noch Teil der nördlichen Sporaden, lockte uns halt auch. Also hieß es dann doch „Leinen los“ und der Meltemi schob uns gemütlich die 50 Meilen nach Südwesten. Im Nordwesten fanden wir eine geschützte, kleine Ankerbucht mit einem kleinen Strand, Sandgrund und herrlich klarem Wasser. Mit zwei Landleinen sicherten wir uns gegen den böigen Meltemi und den Schwell, der nachts aus Süden das Boot unangenehm zum Rollen bringt. Schöner kann es kaum noch sein. Da blieben wir gleich drei Nächte und waren meist das einzige Boot dort.

Weiter wollte eigentlich niemand, aber der Crewwechsel mit unseren Kindern stand an und der sollte über den Athener Flughafen laufen. Also mussten wir einen Hafen finden, der mit einer Fährverbindung zur Halbinsel Attika angebunden ist. Auf die Insel Andros, 50 sm südöstlich gelegen, fiel unsere Wahl. Aber vorher wollten wir noch etwas von Skiros sehen und fuhren um zwei Kaps in den kleinen Ort Linaria. Ein paar weiße Häuser, eine Kirche, 3 Tavernen – wunderschön aber nicht selten in der Ägäis. Doch mittendrin eine kleine Marina für 6-7 Yachten. Der Marinero kam uns mit dem Dingi entgegen, erklärte uns, dass es Moorings gäbe und war perfekt hilfreich beim Anlegen. Direkt am Kai stand eine fahrbare Bibliothek mit Büchern in allen Sprachen der Seefahrer, nützliche Informationen zu Insel u.v.m. .Natürlich gab es Strom, Wasser, Waschmaschinen etc. Die sanitären Anlagen waren tipp-topp mit dem Höhepunkt, dass jeden Abend ab 19:00 „Disco-Shower“ lief. Als wir eintraten funkelte die Glitzerkugel zum Groove von „Daddy Cool“. Der Hafenmeister hatte wohl früher als Toningenieur und Disc Jockey gearbeitet… Das alles gab es für 26€ pro Nacht. Wir staunten nicht schlecht als plötzlich über den ganzen Hafen „Also sprach Zarathustra“ (musikalische Tondichtung von Richard Strauss) schallte und eine Fähre einlief. Bei der nächsten Fähre: das gleiche Schauspiel. Der musikalische Hafenmeister begrüßt so die einlaufende Fähre, die sich dann auch das Hafeneinfahrtssignal erspart. Um ganz Europa sind wir gesegelt, aber sowas haben wir nirgends erlebt.

Inzwischen kündigte die Wettervorhersage über 40 Knoten Wind bei Andros und in den Kykladen an, wo es bei diesem Wind für uns keinen sicheren Liegeplatz zum Crewwechsel gab. Segeln heißt flexibel bleiben. Weniger blasen sollte es am Festland. So warfen wir – leider ohne Skiros noch weiter zu erkunden – tags drauf die Leinen los. Die 50 sm durch die Meerenge zwischen der Insel Euböa und Andros waren traumhaft. Die meiste Zeit flog der neue Parasailor vor uns her, wie ein Zirkuszelt, so dass wir unsere Ankerbucht auf Euböa noch vor Sonnenuntergang erreichten. Genauso ging es tags drauf zur Halbinsel Attika weiter, wo wir in einer Bucht südlich der Olympic Marina ankerten. Früh, bevor es zu blasen begann, machten wir in der Marina fest. Ungewohnt so eine große Marina mit 700 Booten, aber nützlich für den Crewwechsel  So etwas hatten wir seit zwei Monaten nicht mehr und die 60€ pro Nacht sind wohl der Nähe zu Athen geschuldet. Hier verabschiedeten wir Manuel und Julia und nahmen Chris und Leni an Bord. 

Doch wie sollte unsere Reise weiter gehen? Eigentlich wollten wir ja die Kykladen erkunden. Eine Schande, dass wir fast die ganze Ägäis mit ihren Inseln befahren haben, aber dieses touristische Highlight auch in den früheren Jahren immer auslassen  mussten. Aber dort sollte es die nächsten Tage mit bis zu 45 kn  Wind blasen. Man mag uns ja „Weichei-Segler“ schimpfen aber, wenn wir die Wahl haben, geben wir uns das nicht. Das intensive Studium der Wetterkarten von   seaman und Windfinder zeigte, dass es im  Argolischen Golf ruhiger zugehen sollte. So ging es sportlich, Meltemi von hinten, vorbei am Kap Sounion, wo eindrucksvoll der Poseidon Tempel thront. Vor fast zwei Monaten waren wir hier nach Norden gefahren. Unsere Kurse haben sich zum ersten mal wieder gekreuzt. Den sardonischen Golf liessen wir steuerbord liegen, die Insel Hydra backbord und mit der Abendbrise näherten wir uns gemütlich dem Ziel Porto Heli. Wenn da nicht ein anderer Segler gewesen wäre, der etwas größer als wir, mit dem gleichen Ziel in der Nähe von uns unterwegs war. Zwei Segler = eine Regatta, das war uns beiden klar, Und so wurde die letzten Meilen an den Schoten gezupft und optimiert bis zur Hafeneinfahrt von Porto Heli, die wir – Juhu – zwei Bootslängen früher erreichten. Porto Heli ist ein riesiger, rundum geschützter Naturhafen, den viele Yachten nutzten, um den kommenden Starkwind abzuwettern.

Doch noch weiter drin im Argolischen Golf sollte es noch weniger winden und es gibt dort eine geschützte Bucht, die gut geschützt und echt attraktiv aussieht. Mit der Morgenbrise segelten wir zu Nisos Romvi, einem echten Geheimtipp. Die Insel sieht aus wie Santorin nur in Miniatur; fast kreisförmig umschlossen von steilen Felswänden liegt die tiefe Bucht. Gegenüber auf dem Inselchen thront eine kleine Kapelle mit einem atemberaubenden Blick über den Argolischen Golf. Der Aufstieg ist ein ein „must“ zum Sundowner mit einem Fläschchen Wein. Wir lagen ja schon in vielen Buchten, aber diese hier ist wirklich einzigartig! 

Wir brachten Landleinen in die Hauptwindrichtung aus und fühlten uns bestens gerüstet für das, was da kommen sollte. Und tatsächlich verirrten sich nur einige Böen über die Felsen. Nein, wir haben es nicht bereut die Kykladen links liegen gelassen zu haben! Da können wir ja auch noch  ein anderesmal hin, so Gott will. Jetzt lockt der Peleponnes!

Limnos und Efstratios – Griechenland wie vor 50 Jahren

Authentisches Griechenland – hier kann man es finden: Limnos und die 300-Seelen Insel Efstratios liegen dermassen ab vom Schuss, dass man sich Jahrzehnte zurück versetzt fühlt. Beide zählen noch zu den Nord-Ägäischen Inseln. Von Norden kommend hat uns der Meltemi mit achterlichem Wind und kabbeliger See nach Limons geschoben. Braune und gelbe Hügel und Täler, soweit das Auge reicht; dazu jede Menge gut geschützte Ankerbuchten. Im Frühjahr, wenn es hier grünt und blüht, muss es hier wie in Südengland aussehen. Limnos ist schon seit der Antike bekannt für hervorragende Weine – noch ein Grund mehr vorbeizuschauen. Nach zwei Nächten vor Anker zog es uns in die Inselhauptstadt, Myrina, wo auch die Fähre ankommt.

Wie aus dem Bilderbuch thront über dem kleinen Fischerhafen, in dem gerade 12 Yachten Platz finden, die mittelalterliche Burg. Im kleinen Hotel hinterm Kai gibt es die Karte und schwups hat man sogar Wasser und Landstrom – ideale Verhältnisse, um mal wieder einen Waschtag einzulegen. Nette Nachbarn, er Grieche, sie Deutsche, gaben uns viele Tipps, uns schnell zurechtzufinden. Wir können die Taverne „Kosmos“ sehr empfehlen. Dort sitzt man so nah am Meer, dass sogar der Weinkühler am Tisch über dem Wasser hängt.  

Limnos hatte eine wichtige Rolle in beiden Weltkriegen. Aus diesen Zeiten stammt noch ein überdimensionierter Flughafen, wo 2-3 mal am Tag ein Regionalflieger landet. Wir nutzten ihn für den Crewwechsel, verabschiedeten Marie und Timeo und nahmen dafür Manuel und Julia an Bord. Aber vorher mieteten wir uns noch zwei Jeeps und erkundeten an Sylvias Geburtstag die Insel. 

Wandernde Sanddünen gaben Sahara Feeling. Bizarr geformtes Vulkangestein regte die Phantasie an und tatsächlich: trotz der Trockenheit fanden wir einige Weinstöcke. Mit zwei weiteren Tagen in einer Ankerbucht verabschiedeten wir uns von dieser ganz besonderen, kaum touristisch geprägten Insel – nicht ohne uns ausgiebig mit deren Wein versorgt zu haben – in Richtig Efstratios.

Zwei Liegeplätze für Yachten gäbe es in dem einzigen Hafen der Insel und einen in der einzigen sicheren Ankerbucht, so das Hafenhandbuch. Als wir mittags ankamen, waren wir die einzige Yacht. „Kreatives Anlegen“ ermöglicht  bei gutem Wetter auch noch ein paar weitere Yachten, ggfs mit einer etwas schaukeligen Nacht. Wir fielen gleich hungrig in eine der beiden Tavernen ein, die die Treffpunkte des Dörfchens sind. Bis vor gut 30 Jahren wurden unter den verschiedenen autoritären Regimes unliebsame Zeitgenossen auf die Insel verbannt. Ein Demokratiemuseum sowie eindrucksvolle Graffiti an der Hafenmauer zeugen von der Geschichte. 1968 hatte ein verheerendes Erdbeben das Dörfchen dem Erdboden gleich gemacht. Einige Ruinen erzählen noch die Geschichte. Die Fähre, die jeden Tag aus Limone kommt, würde sich in jedem Museum gut machen, passt aber perfekt in die Szenerie.

Wir blieben gleich drei Tage, so gut hat uns das Fleckchen Erde gefallen. Die Menschen sind so freundlich, das Leben so „gechillt“. Selbst im Büro der Küstenwache hält man nicht viel von Uniform und Covid-19 kennt man nur vom Hören-Sagen.

Eine Inseltour mit unserm Klapprad war auf den Schotterstrassen eine echte Herausforderung. Dafür bleibt ein Sonnenuntergang von der Kapelle über dem Örtchen, mit Blick auf den Athosberg unvergesslich.

Aber Skyros soll auch sehr schön sein und mit dem Meltemi im Rücken, sollten die 50 sm auch gut zu machen sein.

 

Die vergessenen Inseln Thasos und Samothraki


Thasos – ein runder Marmorklotz ganz im Norden der Ägäis! Schon in der Antike mächtig und berühmt durch Goldminen und Marmor; Der Marmor wird auch noch heute abgebaut. Die Insel kennen Insider für ihr aussergewöhnliches Grün und die herrlichen Buchten und Strände. Wir näherten uns von Südwesten her, vom Berg Athos kommend und ankerten die erste Nacht im Süden vor einem kleinen Hafen. Tags drauf segelten wir um die Insel zum Haupthafen ganz im Norden, wo auch die meisten Fähren vom Festland ankommen. Thasos liegt nur wenige Kilometer von dort entfernt. Deutsche Segler oder Touristen haben wir gar nicht getroffen. Bei Griechen und Osteuropäern ist die Insel aber bekannt und beliebt. Fast jeden Nachmittag und Abend gehen im August über dem Festland heftige Gewitter nieder, die aber zum Glück meist dort hängen bleiben. 

Wir warfen gut 60 Meter Kette in den Hafen und fühlten uns sicher, das Boot für einen Tagesausflug alleine zu lassen. Mit einem Mietwagen ging es einmal rund um die Insel. Ins Landesinnere führten kilometerlange Olivenhaine und nach einer Stunde Fußmarsch waren wir bei den  Wasserfällen, die sogar noch im Hochsommer ein kühles Bad in den Pools erlaubten – herrlich! Ein natürlicher Meerwasserpool an der Südküste war die nächste Attraktion. Man  sah zwar keinen Grund aber Timeo liess es sich nicht nehmen von ca. 8 Meter Höhe einen spektakulären Sprung abzuliefern.  

Eindrucksvoll auf den Klippen thront das dem Erzengel Gabriel gewidmete Nonnenkloster, das wir auf dem Rückweg besuchen durften.

Der Meltemi bescherte uns bei Sonnenaufgang 40 sm sportliches Am-Wind Segeln nach Samothraki. Die Insel liegt ganz im Nordosten der Ägäis. Danach kommt noch eine türkische Insel und der Bosporus. Samothraki besteht eigentlich nur aus einem 1.611 m hohen Berg, hat einen einzigen Sandstrand, kaum Ankerbuchten aber seit ein paar Jahren einen sichern Hafen ganz im Osten.  Wir vertäuten uns längsseits an der Mole, weil Starkwind angesagt war und wir auch diese Insel gerne erkunden wollten. Unsere Leinen wurden von einem bulgarischen Segler angenommen, der mit seiner alten Dehler der einzige Segler im Hafen war. Mit allem Englisch, das aufzubieten war, erklärte er uns, dass unsere Sirius40DS sein absolutes Traumschiff sei, weil es für einen Segler keine Wünsche offen läßt. Das „Warum“ erklärte er auch allen Landsleuten, die vorbei kamen. Besser hätten wir es auch nicht gekonnt. 

Seit langem gönnten wir uns mal wieder Wasser vom Steg, um die Waschmaschine zu füttern. Wäscheberge hatten sich angestaut und wir hatten einen Direktanschluss für den Schlauch von Land an die Maschine gebaut, so dass das kostbare Trinkwasser vom Wassermacher nicht für die Wäsche benutzt werden muss. Unsere Gäste schnappten sich die Bordfahrräder um gegen den Wind bergauf nach Chora zu radeln. Dort thront eine Burg über einem süßen Dörfchen.

Samothraki hat eine wechselvolle Geschichte. Die Ureinwohner, die Kariben, verehrten nicht die griechischen Götter, sondern die große Erdmutter und bewahrten sich durch ihre Stärke lange ihre Eigenständigkeit. In der Antike pilgerten die Eingeweihten von weit her zu den Tempeln. Die Ruinen der antiken Tempelstadt liegen auf einer Anhöhe zwischen wilden Olivenbäumen und Macchia. Im 19. Jahrhundert, bei den griechischen Unabhängigkeitskämpfen, schlachteten die osmanischen Besatzer fast die gesamte, 10.000 Menschen zählende Inselbevölkerung ab oder verkauften sie als Sklaven. Erst 1912 wurde die Insel griechisch und wieder langsam bis zu den jetzt ca 3.000 Personen bevölkert. Heute ist sie Pilgerstätte einer New-Age Community, die die Wasserfälle und Pools im Norden zu schätzen weiss. Ein paar griechische und bulgarische Touristen kommen auf die Insel, die die  Wasserfälle und einsamen Strände zu schätzen wissen. Die Südseite ist recht trocken und wird stark landwirtschaftlich genutzt. Der Norden ist mit urwaldähnlichen Wäldern und Wasserfällen eine echte Besonderheit unter den griechischen Inseln. Für uns ist Samothraki eine echte „Liebe auf den zweiten Blick“. Gern kommen wir wieder, wenn es sich ergibt.

Samothraki war der letzte Ort, den wir auf den Spuren des Paulus besuchen durften – nur in umgekehrter Reihenfolge wie in der Apostelgeschichte zu lesen ist. In Samothraki machte Paulus auf der Seereise von Troas (heutige Türkei) auf dem Weg nach Philippi eine Nacht halt. Es war bereichernd, begleitend dazu die Briefe des Paulus an die jeweiligen Gemeinden zu lesen, von Korinth über Thessaloniki und Philippi. 

Wir freuen uns aber auch auf Limnos, – wieder eine ganz andersartige Insel.  Mit dem Meltemi im Rücken sollten die  40 sm nach Südwesten kein Problem werden.

Wir zeigen euch den mittleren Finger

Warum muss es der mittlere Finger der drei Finger der Chalkidiki Halbinsel sein? Ganz einfach: die westlichste Halbinsel, Kassandra, ist recht flach und touristisch recht stark erschlossen; die östlichste Halbinsel, Athos, mit seinem eindrucksvollen 2.000 m hohem Berg, ist eine autonome Mönchsrepublik, die von Frauen und weiblichen Tieren nicht betreten werden darf („Amazing Grace“ und Teile unserer Crew sind nunmal weiblich …). Die Sithonia Halbinsel in der Mitte besticht durch grüne Hügel und Berge, karibische Buchten, wenig Tourismus und rundum geschützte Ankerbuchten. Vor allem machte dort unsere älteste Tochter mit Familie Urlaub und wir nahmen unsere jüngste Tochter mit Verlobten für drei Wochen an Bord.

Kommt man von Süden, dann öffnet sich gleich im Süden von Sithonia, zwischen den Klippen die Einfahrt zu einem der schönsten, geschütztesten Naturhäfen des Mittelmeers: Limit Koupho. Dort hat Henning zum ersten mal griechische Austern probiert. Die werden von Tauchern in 15-20 Metern von den Felsen geschlagen und sind fester und etwas aromatischer als die anderen Austernarten. Von dort bogen wir östlich in den Singitischen Golf ab, der nach Osten durch den hohen Athosberg geschützt ist.

Gleich drei Tage verbrachten wir in der großen, weiten Bucht von Sykia mit dem riesigen Sandstrand und suchten uns die schönsten Ecken aus. Nur ein paar vereinzelte bulgarische und griechische Badeurlauber hatten sich hierher begeben. Jeden Tag fuhren ein bis zwei Segelschiffe am Horizont vorbei. Selbst ohne Corona muss die Hochsaison hier noch beschaulich sein. Diese Küste ist ein Camperparadies. Plätze zum campen an den Sandstränden und Zelte in den einsamen Buchten begleiten uns auf dem Weg nach Norden zu dem Inselparadies  bei Vourverou.

So etwas wie hier findet man nicht mal im Maddalena Archipel auf Sardinien: unzählige Buchten, rundum geschützt, Sand, Berge, Grün und wenig Betrieb. Wir trafen eine Yacht aus Spanien, die vier Wochen ihren Ankerplatz nicht verlegt hat. Das war das perfekte Umfeld um unseren zweijährigen Enkel an das Bordleben zu gewöhnen. Und wie das gelang: der tägliche Transport der Familie an Bord der „Amazing Grace“ ging über das Beiboot, das von ihm gleich „Dingi-Dongi“ getauft wurde. Die Schwimmweste war zwar Pflicht aber ermöglichte auch stundenlangen Badespaß. Zwei Nächte an Bord und ein Segelausflug zur Insel Amouliana ließen die Seebeine wachsen. Diese Familienzeit tat uns allen gut. Über Facetime kann man halt nicht Knuddeln. Kurz getrübt wurde dies nur durch ein missglücktes Ablegemanöver, bei dem Henning sich einen großen Angelhaken tief in die Hand rammte. Zu dumm, wäre vermeidbar gewesen. Aber mit Hilfe von Lokalanästhesie, Skalpell und ruhiger Hände gelang die kleine Op auf dem Wasser. Nie mehr bleibt der Haken an der Angel, wenn sie nicht benutzt wird. Das war Lehrgeld… .

Nach zehn Tagen war dann Zeit um von der jungen Familie Abschied zu nehmen. Günstige Winde sollten uns zum Sonnenaufgang rund Athos zur Insel Thasos bringen. Schon verrückt, wie sich die Klöster und Hütten in den Berg und die Felsspalten klemmen. Wir fragten uns nur, ob sich Jesus das so ausgedacht hatte, dass die Christen sich so einigeln. Eigentlich sollte doch die Botschaft der „Amazing Grace“ in die Welt hinaus getragen werden …  Ich bin nicht sicher ob unsere Navigation genau genug war um immer die, wenn man weibliche Crew an Bord hat, vorgeschriebene 1 sm Abstand zu halten… .

Als „Abschiedsgeschenk“ von der Mönchshalbinsel fanden wir noch mitten auf dem Meer eine drei Meter große aufblasbare Melone. Mit einer gewissen Historie in den letzten Jahren von gefundenem Treibgut (ein Motorboot, ein Kajak, Luftmatratzen) wurde sie geborgen. Vielleicht findet sich ja ein schönes Ankerplätzchen wo wir auf ihr eine Wassermelone schlabbern können.

Jetzt wollen wir die nordöstlichsten griechischen Inseln, Thasos und Samothraki erkunden, wo sich wirklich wenige Yachties hin verirren.

 

Mamma Mia, sind die Sporaden schön

Wie eine Perlenkette liegen die nördlichen Sporaden über der Insel Euböa aufgereiht. Skiathos, im Westen, ist die bekannteste und meist besuchte Insel. Daran schliesst sich Skopelos ein paar Seemeilen östlich an, eine der grünsten griechischen Inseln, die als Haupt-Drehort des Mamma Mia-Films Bekanntheit erlangt hat, die aber eine „verschlafene Perle“ geblieben ist. Weiter nordöstlich liegen die Inseln Alonnisos mit der kleinen Schwester Peristera, die wenig bevölkert sind. Ganz einsam wird es dann auf Kira Panagia und final auf Gioura – beides Naturschutzgebiete, die man nur begrenzt oder gar nicht anlaufen darf. Auf den Sporaden bläst unser Freund Meltemi meist milder als in der Zentralägäis. Für uns lagen die Sporaden genau richtig, um uns nach der „Meilenfresserei“ etwas Ruhe zu gönnen. Auf Skiathos ankerten wir zuerst in einer wunderschönen, leider von wilden Wassersportlern geprägten Bucht, bevor wir uns in den Haupthafen verholten.

Lorentzo, der griechische Skipper, der neben uns auf seiner Motorjacht auf Chartergäste wartete, klagte, dass es hier jetzt zugehe wie in der Vorsaison. Wir fanden das schöne Städtchen jetzt schon gut besucht aber anscheinend schieben sich im Sommer sonst 10.000de über die Hafenpromenade. Von ihm lernten wir einiges über die Insel, die Küche und die lokalen Gepflogenheiten. Er freute sich riesig über ein Neues Testament in griechisch, das wir ihm schenken durften. Ach ja, die griechische Küche: wir nehmen alles zurück, was wir dazu bzgl der Einfachheit und wenigen Varianten angedeutet hatten. Wir haben in Skiathos im Restaurant Avlios grandios gegessen. Trotzdem blieben wir nur eine Nacht, denn es stand uns der Sinn nach weniger Trubel, dafür Natur und schöne Buchten. Deshalb: „Auf nach Skopelos“!

Kaum hatten wir Leinen und Fender verstaut, mussten sie schon wieder raus, denn wir liefen bereits in Loutraki, einem kleinen Fischerort im Nordwesten von Skopelos ein. Sofort stand der Beschluss, dass wir hier länger bleiben wollten fest. Kaum Tourismus, alles geht hier sehr beschaulich zu. Am nächsten Morgen, solange es noch etwas kühler war, holten wir unsere Räder aus der Backskiste und los ging’s zur Inselerkundung. Sportliche 600 Höhenmeter waren der Preis für ein unglaubliches Panorama und den, fast ungestörten Besuch der Johannes-Kapelle, wo Teile des Mamma-Mia Filmes gedreht worden sind. Als wir gerade am Abstieg von der Kapelle waren, kam der erste Minibus an, dessen Busfahrer  uns lachend bei der Rückfahrt überholte: Radfahrer hatte er auf der bergigen Insel und insbesondere hier, wohl noch nie gesehen. 

Unser Freund Meltemi bescherte uns dann doch eine sportliche Kreuz als es tags drauf weiter zur kleinen Insel Peristera ging. 

Eine schöne, einsame Bucht hatte es uns auf Peristera angetan. Aber um dort sicher zu liegen, mussten zwei Landleinen ausgebracht werden, was doch deutlich mehr Aufwand wurde als geplant. Zu guter Letzt hatten wir wohl alle an Bord befindlichen Leinen in Gebrauch gehabt, was ca 300 Meter sind. Trotzdem schaukelte es nachts unangenehm und Wespen und Mücken setzten uns zu. Also hiess es am nächsten Morgen beim „Leinen los und Anker auf“ alles wieder rückwärts, was wir am Vorabend mühevoll installiert hatten.  Der Kurs wurde nach Kira Panagia, der nächsten Insel gesetzt.

Diese Insel, speziell die herrliche, fast vollständig vom Land umschlossene Bucht im Südwesten, hat es uns angetan. Unsere Landleinen machten wir diesmal innerhalb von zehn Minuten fest, genau dort, wo – wie wir später merkten,  eine unterirdische Quelle ins Meer fliesst. Morgens und abends gellte das Meckern einer Ziegenherde die 20 Meter rüber zu unserem Boot, die dorthin zum Trinken kamen. Auf Mauleseln ritten die einzigen menschlichen Bewohner der Insel, die drei Hirten vorbei. In dieser schönen Ecke der Erde kam sogar das E-Piano mal wieder aus der Hundekoje.

Aber auch hier hatte die Beschaulichkeit ein Ende: der Meltemi machte eine Atempause zum Luftholen, die wir nutzen wollen, um die 40 sm zu den Halbinseln von Chalkidiki nicht gegenan bolzen zu müssen. Und so verliessen wir dankbar,  die herrliche Schöpfung erleben zu können, die Insel bei Sonnenaufgang Richtung Norden.

 

Vor dem Meltemi einen Haken schlagen

Der Meltemi ist Segen und Fluch für den Segler! Er bläst von Juli bis September in der Ägäis aus dem nördlichen Quadranten fast täglich mit fünf bis sieben Beaufort; ein Segen für den Segler, der nach Süden will; ein Fluch für den Segler, der nach Norden muss. Wir müssen nach Norden, um dort unsere Kinder zu treffen. Um nicht tagelang gegen zwei Meter Welle gegenan bolzen zu müssen, hatten wir uns eine Strategie  zurecht gelegt, die auch schon der griechischen Flotte im Kampf gegen die persische, weit überlegen en Flotte vor 2500 Jahren gedient hatte: wir würden im Schutz der zweitgrößten griechischen Insel Euböa im Zick-Zack segeln und an den offenen Stellen dann unterwegs sein, wenn der Meltemi schwächelt: leider ist das meist nachts und am ganz frühen Morgen… aber wir sind das ja schon gewohnt.

Nach dem Kanal von Korinth verbrachten wir eine wunderschöne Nacht und Vormittag vor Anker an der wunderschönen Insel Aegina. Dann ging es los: flott an Athen vorbei, die Halbinsel Attika gerundet und hoch nach Norden, bis um Mitternacht nach 65 Meilen der Anker in der Bucht, in der die berühmte Schlacht von Marathon stattfand, fiel.  Eindrucksvoll der Poseidon Tempel auf dem Kap. Noch heute „opfern“ viele Segler vor Beginn einer Fahrt einen Schluck Hochprozentiges demselbigen oder Neptun. Wir finden ein Gebet zum Schöpfer des Himmels und der Erde deutlich wirksamer.

Bevor der Meltemi erwachte, ging es vor Sonnenaufgang im Schutz der Insel Euböa weiter bis zur Inselhauptstadt Chaldika. Wie so oft waren wir das einzige Segelboot unterwegs. Aber als sich kurz vor Chaldika ein anderes Boot fand, erwachte an der Kreuz der „Jagdtrieb“ der Steuerfrau. Chaldika steht für die schmalste Meerenge der Welt. Nur 25 Meter trennen Insel und Festland und ein Strom von bis zu 20 km/h mit fast einem Meter Tide zieht dort hindurch. Zudem verbindet eine Brücke als Hauptverkehrsader Festland und Insel und die beiden Stadtteile. Die Brücke öffnet nur einmal alle 24 h nachts, wenn wenig Autoverkehr fließt und auch gerade Niedrig- oder Hochwasser ist. Wann das genau ist, da legt sich das Hafenamt nicht fest. „Bitte halten Sie ab 21:30 Hörwache auf Kanal 12“ war die Anweisung. Sylvia  hielt die Wache und weckte mich um 02:00. „jetzt gehts los, Amazing Grace soll sich bereit machen“ rief sie Henning in die süßen Träume zu. Und tatsächlich kam Leben in die wartende Schar der Boote. Zuerst quetschte sich ein 80 Meter langer Frachter durch und dann durften die Segler. Sylvia „legte den Gashebel auf den Tisch“ und bretterte vor hunderten Zuschauern, die sich das Schauspiel nachts gönnen wollten durch die Meerenge. Bis wir dann einen Ankerplatz gefunden hatten war es 04:00 in der Früh. 

Nach ein paar Stunden Schlaf ging es weiter im Schutz der Insel Euböa. Das kam einem vor, wie Segeln am Genfer See, so beschaulich. Nur ein beachtlicher Strom am nächsten Ankerplatz erinnerte uns daran, dass wir hier in einer Meerenge segeln. Die schönsten Sonnenauf- und untergänge sind der Lohn des Meltemi-Hakenschlägers, denn auch diesen Morgen kam der Anker um 5:00 morgens hoch, um den Weg nach Skiathos, der östlichsten Sporadeninsel, ohne zuviel Wind und Welle von vorne zu schaffen. Das klappte auch prima, nur die letzte Stunde erwachte Freund Meltemi noch und nur mit Selbstwendefock kreuzten wir die letzten Meilen bis zur Ankerbucht. Erfolgreich haben wir vor dem Meltemi Haken geschlagen. Die alten Griechen haben es uns vorgemacht. Die nächsten Tage wollen wir die nördlichen Sporaden genießen – wir sind gespannt.

 

Golf, Geschichte und Kanal von Korinth

Zwei Nadelöhre, im Westen überspannt die Rion – Antirion die Meerenge, im Osten wurde der berühmte Kanal von Korinth gebuddelt, der den Weg um den Peleponnes um einige Tagesreisen verkürzt. Wir wollen zügig in die Nordägäis, also nichts wie durch! Eindrucksvoll bereitet der Golf von Patras die Szene für die Durchfahrt durch die Meerenge, bei uns mit Flaute aber trotz 2 kn Gegenstrom konnten wir unter der Brücke durchsegeln.

Der Golf von Korinth ist ein spannendes Revier mit seinen eigenen Herausforderungen. Es bläst von West oder Ost und wenn, dann auch kräftig. Im Norden gibt es jede Menge herrliche Ankerbuchten, Inselchen und auch Häfen; dazu jede Menge Spuren der bewegten Geschichte z.B. dem Orakel von Delphi, und dem alten Korinth. Wir haben dieses Mal drei Nächte vor Anker verbracht. Fallböen von den Bergen mit über 30 kn Wind liessen uns eine Nacht nicht wirklich schlafen.

Delphi hatten wir bereits vor ein paar Jahren besucht. Aber das alte Korinth wollten wir uns unbedingt anschauen. Spannend war es  dieser Tage in der Bibel vom Besuch des Paulus in Korinth zu lesen, der ca 2 Jahre dort war und auch seine beiden Briefe an die Korinther, u.a.  das bekannte „Hohelied der Liebe“ in 1. Korinther 13. Wir fanden einen schönen Liegeplatz in dem kleinen Yachthafen von Korinth, mitten in der Neustadt und lernten auch die modere griechische Küche kennen – lecker!

Mit unseren Rädern ging es früh morgens die 8 km bergauf zum historischen Korinth – eine absolut lohnenswerte Übung. Das Museumsgelände liegt phantastisch gelegen und ist reich an Schätzen aus der griechischen und römischen Zeit. 

Kaum wieder auf der „Amazing Grace“ bekamen wir per Funk das „Go“ für die Kanaldurchfahrt. In 20 Minuten hatten wir abgelegt und warteten vor der Einfahrt bis alle entgegen kommenden Schiffe durch waren. Ca 6km ist der Kanal lang und angeblich passen Schiffe mit bis zu 12m Breite durch – kaum zu glauben! An manchen Rändern sieht man auch deutliche Schleifspuren, wo es zu eng war! In der Antike wurden die Schiffe auf einer Schleifbahn über den Isthmus gezogen – wir durften für schlappe 200€ einfach hindurch motoren und konnten am anderen Ende sogar noch Diesel tanken. Wenn manche Stimmen behaupten, Sylvia wäre an einer Kanalbrücke ihrem lang gehegten Wunsch nach Bungee-jumping nachgekommen, den Henning vom Boot aus gefilmt haben soll, denen sei gesagt: „man weiss es nicht“!