Amazing Grace

 

Viele wissen, dass unser Schiff ganz bewusst „Amazing Grace“ heißt; mehr dazu nachzulesen unter:

http://sailing-amazing-grace.com/anker/

Da die Advents- und Weihnachtszeit eine ganz besondere Zeit ist, wollen wir Euch hiermit einen kleinen vorweihnachtlichen Gruß mit einigen Impressionen unserer Reisen, unterlegt mit Musik aus dem Weihnachtsoratorium von Bach, sowie den dazu passenden Texten aus der Bibel schicken.


Wir wollen nach Weihnachten das neue Jahr auf dem Wasser begrüßen. Mittelmeer und Bordheizung machen es möglich. Mehr dazu später…

Medizin an Bord – Erfahrungsbericht

Krank werden will keiner, schon gar nicht unterwegs. Aber leider liegt das nicht in unserer Hand. Deswegen sind wir gut beraten vorzusorgen und für den Fall der Fälle gerüstet zu sein, der dann hoffentlich nie eintritt. Wir haben den potenziellen medizinischen Bedarf an unserer längsten offenen Seestrecke ausgerichtet, der Biskaya. Da kann es, wenn es Dich mitten drin erwischt, im schlechtesten Fall drei Tage dauern bis man in Landnähe ist.

Zur Vorbereitung besuchten wir beide vor der Abreise das Seminar „Medizin an Bord“ der Kreuzer Abteilung des DSV. Das war ein gut investiertes Wochenende. Um uns „abzubrühen“ bekam man am Anfang zwar alle möglichen blutrünstigen Fotos vorgeführt. Zum Beispiel von Matrosen, deren Skalp am Türrahmen hängengeblieben ist u.v.m. Aber dann ging es fundiert in Theorie und Praxis zur Sache und am Schluss durfte jeder auch an einer Schweinshaxe das Nähen offener Wunden üben. Das Seminar war auch hilfreich, um zu einem ersten Entwurf für die medizinische Ausstattung der „Amazing Grace“ zu kommen. Dabei haben wir uns primär an der statistischen Häufigkeit des Auftretens von Erkrankungen auf See und den notwendigen drei Tagen „Überlebenszeit“ orientiert. Die erste Liste haben wir dann mit einem Unfallmediziner aus Hennings Firma, unseren Hausärzten und einer befreundeten Apothekerin gecheckt. Sie half uns dann freundlicherweise auch beim Besorgen der Medikamente und der Kategorisierung und Beschriftung nach den Regeln der internationalen Bordapotheke. (Danke nochmals!). Das Buch „Medizin auf See“ haben wir an Bord und schätzen es als ein für den medizinischen Laien geschriebenes Buch. Es führt im Ernstfall schnell von den Symptomen zu ersten Verdachtsdiagnosen und Therapieoptionen. Die Medikamente sind dann wieder wie oben kategorisiert. Unser Satellitentelefon hatten wir auch dabei, damit wir im Notfall auch funkärztliche Beratung dazuholen konnten.

Und wie sieht die Praxis aus? An Bord haben wir direkt am Niedergang immer einen kleinen Verbandskasten für den blitzschnellen Zugriff. Das hat sich, vor allem bei kleinen Schnittwunden bewährt. Zwei Meter weiter, am Eingang der Werkstatt, haben wir den Erste Hilfe Koffer „Sailing“ angebracht. Der kann ohne Umwege in der Pantry ausgebreitet werden. Die Medikamente und sonstigen Gerätschaften sind in einem kühlen Schapp in der Hundekoje neben dem Niedergang in Tüten mit der internationalen Kodierung, so dass man schnell das Benötige findet.

Gebraucht haben wir zum Glück nur ein Bruchteil davon und zwar die „Klassiker“: einen Gast erwischte eine furchtbare Magen-Darm Geschichte. Da half das volle Programm nicht und Sylvia musste zum Schluss ein Antibrechmittel injizieren. Sonst hätten wir ggfs doch noch eine Infusion legen müssen. Medikamente gegen Magen-Darm Infekte kamen noch öfter zum Einsatz. Henning zog sich in Schottland an der Reling eine fiese Prellung am Unterschenkel zu und reagierte auf eine Salbe allergisch, die behandelt werden musste. Leider gabs dann noch eine allergische Reaktion gegen die Salbe. Kleinere Schnittwunden gab es häufiger, weil unsere Messer so scharf sind. Ums Nähen an Sylvias Geigerhänden sind wir einmal knapp herum gekommen, weil die Klammerpflaster exzellent waren. Ansonsten hatten ab und an die Mittel gegen Kopfschmerzen Konjunktur und gelegentlich eine Tablette gegen Seekrankheit. Aber das war es dann auch – Gott sei Dank!

Ach ja: für die Prävention wollten wir auch einiges tun. Wir hatten zum Abschied dazu extra TRX Bänder geschenkt bekommen. Wir müssen aber bekennen, dass sie nicht sehr oft zum Einsatz kamen. Nach einem langen Tag auf See hatten wir immer das Gefühl genug sportliche Betätigung gehabt zu haben. Zum Glück gab es da noch die Bordfahrräder … .

Die folgende Liste kann vielleicht für den Segler, der eine ähnliche Tour plant, eine Anregung sein:

Medizinische Ausstattung und Medikamentenliste der „Amazing Grace“ (Sirius 40 DS):
Grundausstattung: Verbandskasten und Erste-Hilfe-Koffer „Sailing“
Medizinische Zusatzausstattung (ohne persönliche Bedarfe):
(Literatur „Medizin auf See“ ISBN 978-3-88412-488-8)
Bordmedizinische No MarkennameEinheitenPackungen
1.01..2Paracodin 10 mg Tabl., Reizhusten13stk1 Packung
1..03Salbutamol, Dosieraerosol1Dosieraer.1 Packung
2.09..2Fraxiparine 0,810 Fertigspr.1 Packung
3Tannacomp, Durchfälle20 stk1 Packung
3Motilium Tropfen 10 mg30ml1 Packung
3..01MCP 10 mg Tabl. , Erbrechen20stk1 Packung
3..02Paspertin 10mg/2ml Ampullen, Injekt.5 Ampullen1 Packung
3.04..1Pantoprazol dura 40mg, tabl.100 stk1 Packung
3..05Iberogast 20ml Tropfen20ml2 Packung
3..06Imodium akut lingual12 Schmelztabl.1 Packung
3..07Elotrans Pulver, Durchfall10 Beutel1 Packung
5Wobenzym plusca.750 tabl.1 Packung
5Novaminsulfon 500mg Tropfen50ml1 Packung
5Novaminsulfon 500mg tabl.48stk1 Packung
5..01Thomapyrin20stk2 Packung
5..01Aspirin complex granulat20 stk1 Packung
5..04Voltaren Resinat20stk1 Packung
5..04.1Ibuprofen 600 mg50stk1 Packung
5.04..1Ibuprofen 600 mg100 stk1 Packung
5..05Buscopan 10 mg20 dragees1 Packung
5..09Lidocaion-HCL 2% Lösungen, 5ml10 stk1 Packung
7..01VomexA20 dragees1 Packung
7..03Scopoderm TTS ,Pflaster Übelkeit5stk1 Packung
8..01AmoxiHexal Antibiotik. 1000 mg20stk1 Packung
8..01AmoxiHexal Antibiotik. 750 mg30stk1 Packung
8..06Clindamycin Antibiotik. 600mg19stk1 Packung
9..01nobite hautspray100ml1 Packung
10..01Desloratadin 5mg Kapseln, Antihistam.20 stk1 Packung
10..03Prednisolon AL 50mg Tabl., Cortison50stk1 Packung
11..01Infusionslösung 500ml1 stk4 Packung
11..03Butterfly8 stk8 stk
11..03Venenkatheter 20G, 14G1+12 stk
11..03Infusionsgerät/schläuche4 stk4 stk
14Solaraze gel50g gel1 Packung
14..01Bepanthen Salbe20g Salbe1 Packung
14..01MediGel Lipogel, akute u chron. Wunde20g Salbe1 Packung
14..03BetaCreme 1mg25g Creme1 Packung
14..06Fucidine 20mg Creme15g Creme1 Packung
14..08Aciclovir akut Creme2g Creme1 Packung
15Cationorm Augentropfen Befeuchtung5 einzeldosen1 Packung
15.00..1Berberil Nedo Augentropf.10 einzeldosen1 Packung
15.00..3Prednisolon Augensalbe (auch Gerst.k.)5 g Salbe1 Packung
15.02..1Ofloxacin-Ophtal Augentropf., Einzeld.10 einzeldosen1 Packung
15.02..1Ofloxacin-Ophtal Augentropf.5ml1 Packung
16.01..1Otalgan Tropfen mit Cortison10g1 Packung
16.01..2Panotile Cipro 1 mg, Ohrentropfen20 einzeld.3 Packung
16 . 03   ..Otriven, einzeldosispipetten40 stk2 Packung
16.05..1Gelo Revoice Halstabletten20stk1 Packung
18..01.3octenisept wund+schleimhautantisept.250ml1 Packung
19..01Metalline Kompresse 10×12 cm10stk1 Packung
19..01ES-Kompressen, 7,5×7,5cm , 25x2st.25x 2stk1 Packung
19..18Wundpflaster wasserdicht5 stk, 10x6cm1 Packung
19. JanKlammerpflaster Leukostrip 3x6mmx764x3mmx38mm1 Packung
19. JanPorofix,Klammerpfl. 2,5×12,5 cm10stk1 Packung
20..11Nadeln5x 20Gx2 3/4″
21..01Spritzen, verschiedene Gr.12 stk12 stk
21..02Nadeln2x gr.1,10xgr.20
Skalpell3stk3stk
22..07Stethoskop1stk1 Packung
Kältesofortkompresse einmalig2stk2 Packung
Latexhandschuhe100stk1 Packung
22..08Visomat, Blutdruckmessgerät1stk1 Packung
23..04Guedel Mundstück, Beatmung2stk2 Pack
SonstigesBlutzuckermessgerät Accu-Chek Mobile1stk1 Packung
SonstigesCOMBUR 10 Urinschnelltest50stk1 Packung

 

Unsere Ausrüstung – was hat sich bewährt?

Man kann sich in der Theorie viel Gedanken machen, was man auf einem Schiff so alles braucht. Letzten Endes bringt nur die Praxis Stärken und Schwächen des Bootes und der Ausrüstungsgegenstände zu Tage. Wenn man längere Zeit auf dem Boot lebt und in unterschiedlichen Revieren unterwegs ist, zeigt sich wirklich, was sich bewährt. Anbei die Kommentierung einiger Konstruktionsmerkmale und Ausrüstungspunkte unserer Yacht auf Basis der Erfahrungen unseres Sabbaticals. Darunter folgt die Liste der Ausrüstung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Dies kann dem interessierten Segler ggfs. Anregungen geben, wenn er seine eigene Ausstattung für eine ähnliche Reise plant.

Rumpf und Aufbau:

Decksalon, Decksalon, Decksalon: wie genießen wir dieses perfekt umgesetzte Konzept: immer miteinander auf Augenhöhe und Sicht nach draußen, vor Anker, im Hafen, in Fahrt. Wenn Segler unten „im Keller“ sitzen oder die Kuchenbude aufbauen, haben wir immer perfekte Rundumsicht. Insbesondere im Frühjahr und Herbst und im eher feuchten Norwegen, Schottland und Irland. Aber auch lange Überfahrten werden weit weniger anstrengend, wenn man seine Wache auch von innen ausüben kann. Da hat sich auch die Möglichkeit bewährt von innen per Autopilot den Kurs anpassen zu können und bei Motorfahrt den Gashebel zu bedienen. Selbst im August in Portugal wurde es durch die doppelverglasten Fenster nie zu warm. Das doppelstöckige Konzept mit der Eignerkoje unter dem Salon hat uns den Lebensraum einer 47-Fuß Yacht beschert, aber beim Hafenmanöver ist es halt eine handliche 40-Fuß Yacht. Also, nie mehr ohne diesen Decksalon! Das war eine der Hauptgründe, uns für eine „Sirius“ zu entscheiden!

Kimmkiele: … hatten wir nie zuvor gesegelt und waren für uns mit dem Vorurteil der schlechten Performance am Wind behaftet. Die Realität sieht völlig anders aus: mit unserer Kimmkielausführung können wir unter 80° wenden und mit 1,45 m Tiefgang eröffnen sich uns auch kleinere Häfen und Ankermöglichkeiten in flacheren Ecken von Buchten. Aber so richtig Spaß macht es, in Buchten und Lagunen kurz vor Hochwasser einzufahren und wenn das Wasser abläuft, trockenen Fußes die Gegend zu erkunden. Wenn es dann gelegentlich mit 6 Bft bläst und eigentlich eine unruhige Nacht vor Anker bevorsteht, schwojen wir nur eine Stunde bei Hochwasser heftig hin und her und stehen den Rest der Nacht ruhig auf den beiden Kielen. Der einzige Nachteil: wenn man mal versehentlich aufläuft, hilft kein Krängen der Yacht. Der Tiefgang würde dann nur größer. Wenn man nicht mit Motorkraft wieder frei kommt, hilft nur, auf das nächste Hochwasser zu warten. Fazit: in Tidenrevieren haben sich die Kimmkiele prima bewährt; wenn man nur in Revieren mit minimalem Tideneinfluss, wie z.B. im Mittelmeer, unterwegs ist, würden die Kimmkiele wohl nicht so zur Geltung kommen.

Rigg und Segeltechnik

Ein durchgelattetes Großsegel mit drei Reffs, zwei Vorstagen mit einer 135% Rollgenua, sowie einer hoch angeschlagenen Selbstwendefock ohne Backstagen sind unsere ständig angeschlagene Segelkonfiguration. So kommen wir auf eine hohe Segeltragezahl und eine ansprechende Segelperformance – wer wird schon gerne überholt. Bei leichten Winden zwischen 40° und 150° fahren wir einen Rolldrifter, der an einer Rolle am Bugspriet gesetzt wird. Vor dem Wind wird die Genua ausgebaumt und das Großsegel mit Bullenstander gefahren. Die Vorsegel fahren wir fast immer ungerefft für optimalen Stand. Am Wind reffen wir bei voller Genua das Großsegel meist ein- bis zweimal ein, bevor wir auf die Fock wechseln und dann das Großsegel ausreffen können.

Wie hat sich das bewährt? Wir haben mit dieser Besegelung eine hohe Variabilität, gepaart mit einfacher Handhabung und hoher Leistung. Meist waren wir so schneller und höher am Wind unterwegs als Yachten vergleichbarer Größe und das Reisen war immer noch komfortabel. Von der Selbstwendefock waren wir spätestens dann überzeugt, als wir im Loch Ness mit 24 Wenden aufgekreuzt sind. Das Reffen des Großsegels funktioniert prima über eine Leine aus dem Cockpit und das Großsegel fällt bei Bedarf in einer Sekunde runter – ein Sicherheitsfaktor. Das Rollgroßsegel unserer letzten Yacht haben wir nicht vermisst. Die drei Reffs im Großsegel waren für die Winde, die uns begegnet sind, immer ausreichend. Das Sturmsegel blieb immer im Sack. Einzig für Langstrecken mit viel achterlichem Wind denken wir langfristig über ein Segel nach, das einfach zu handhaben und variabel genug ist, um auch nachts mit kleiner Crew gefahren zu werden.

Nautik und Kommunikation

 Autopilot: Wir haben uns gegen eine Windsteueranlage entschieden und vertrauen ganz dem elektrischen Autopiloten. „Rayma“ hat uns mindestens 80% der Strecke gesteuert und bei fast allen Winden, Wellen und Kursen zuverlässig unterstützt. Einzig bei starkem Kurswechsel braucht das System etwas lange und ggfs. ist manuelles Eingreifen nötig bis das System sich auf die neuen Umstände eingestellt hat. Auch bei langen Überfahrten hat der Batterieblock mit seinen 525 Ah unter Autopilot ausreichend Kapazität und wenn dann ab und zu noch die Sonne scheint, wird sogar noch kräftig geladen. Auf die Redundanz einer Windsteueranlage haben wir bisher verzichtet und werden es, auf Basis dieser Erfahrungen auch weiterhin tun. Das tut unserem Heck mit Dingi und ausklappbarer Badeplattform gut. Allerdings würden wir wohl zur Sicherheit Verschleißteile für den Autopiloten einpacken, man weiß ja nie!

Kommunikation: auf Navtex haben wir verzichtet. Aber wir haben das Satellitentelefon „Iridium Extreme“ mitgenommen und dafür eine externe Antenne auf den Geräteträger installiert. Das ist für uns eine flexible Lösung um immer und überall Gribfiles zu empfangen und auf den Laptop zu laden. Damit können wir Häfen oder Seenotrettungsstellen anrufen und für unsere Kinder erreichbar sein. Ansonsten hatten wir nur UKW an Bord und das war ausreichend. Richtig genervt waren wir oft vom WLAN. Fast jede Marina hatte zwar WLAN aber meistens war dies zu schwach um z.B etwas auf unseren Blog hochzuladen. Ohne den Hotspot vom Handy mit einem supergünstigen Vertrag, der EU-weit gilt, hätte es keinen Blog gegeben. Ob ein WLAN-Verstärker im Mast da Abhilfe schafft werden wir für die Zukunft prüfen.

Inneneinrichtung

Waschmaschine: Manch einer mag es als Luxus sehen, aber auf Langfahrt mit viel schlechtem Wetter ist eine Waschmaschine an Bord einfach viel wert. Seit wir einmal auf Klintholm in Dänemark erlebt haben, wie, von den erbosten Frauen aufgestachelte Ehemänner beinahe handgreiflich wurden, um zu Klären wer als nächstes mit Waschen dran ist, träumten wir von einer Waschmaschine an Bord. Das mag man im Süden anders sehen, wenn außer den Badesachen kaum was zu Waschen ist und man nicht im Regen zum Waschsalon gehen muss. Aber auch dort ist die Maschine an Bord mehr als praktisch. Es gibt immer ein „Ah“ und „Oh“ wenn wir die Sitzbank in der Pantry anheben und der Zugang in die Werkstatt frei wird, wo nicht nur eine Werkbank sondern auch die Waschmaschine steht. Niemand vermutet das auf einer 40 Fuß Yacht. Das durchdachte Doppelstockkonzept unserer Decksalonyacht macht dies möglich.

Mittschiffskoje: die Mittschiffskoje unter dem Decksalon ist unsere Lieblingskoje. Das liegt sicher an der großen, rechteckigen Liegefläche aber vor allem auch an den drei großen, in den Rumpf eingelassenen Fenstern mit einer hervorragenden Sicht in die Ankerbucht. Aber auch auf langen Überfahrten bei unruhiger See haben wir dort, am Schiffsmittelpunkt oft geschlafen, wenn es achtern in der Hundekoje zu unruhig war.

Pantry

Kochen: Der Gasherd mit zwei Flammen ist für uns die bewährte Standardlösung. Der ist beim Kochen mit Seegang, im Gegensatz zu vielen dreiflammigen Herden, immer im Gleichgewicht. Wir haben in den sieben Monaten nur drei Campinggasflaschen verbraucht, die auch überall erhältlich waren. Das lag aber nicht daran, dass bei uns die Küche kalt blieb, nein: wir haben ein Induktionskochfeld dabei. Darauf kochen wir immer, wenn Landstrom verfügbar ist und gelegentlich auch unterwegs über den Inverter. Das geht viel schneller als mit Gas, auch wenn wir nur eine Platte haben. Diese passt dafür genau auf den Gasherd und kann auch draußen in der Plicht über eine Steckdose in der Backskiste angeschlossen werden. Was richtig spritzt und riecht wird so meist im Freien gekocht. Das nennt man „lifecooking“ in der Plicht. Da wandern die Steaks oder der Fisch direkt von der Pfanne auf die Teller.

Beschläge

 Steuerung: Wir haben eine Radsteuerung an Bord, bei der man die Steuersäule mit einer Fußbewegung von der Mittelposition nach Back- und Steuerbord schwenken kann. Das ist eine feine Sache, hat man doch bei Am-Wind-Kursen die Sicht wie bei zwei Steuerständen. Aber die Bänke in der Plicht behalten eine Länge, wie auf einem 50 Fuß Schiff. Wenn man sich in der Plicht ausstrecken kann, sind sternklare Nächte einfach noch schöner. Diese Lösung würden wir dem Doppelsteuerstand unserer letzten Yacht immer vorziehen.

Ankergeschirr: Keine Marina ist so schön wie eine Ankerbucht. Wir lieben es, vor Anker zu liegen. Deswegen ist uns das Ankergeschirr sehr wichtig. Unser 25 kg Rocna hat sich als Hauptanker auf allen Ankergründen und im Tidenrevier uneingeschränkt bewährt. 100 m Ankerkette geben uns zusätzliche Sicherheit. Der Anker hat, nachdem wir ihn kräftig eingefahren und reichlich Kette gesteckt haben, immer gehalten. Nur ganz selten waren zwei Versuche nötig. Der Anker ist nie geslippt und wir haben, mit wachsendem Vertrauen, ruhig und sicher geschlafen. Unseren Cobra-Zweitanker mit seinem 20 m Kettenvorlauf haben wir bis jetzt vergeblich rumgefahren. Unser Heckanker kam bis jetzt nur in den Schären in der Ostsee zum Einsatz, seither nicht mehr. Aber das kann sich im östlichen Mittelmeer wieder ändern, wenn oftmals keine Mooringleinen im Hafen liegen, sondern geankert wird. Da gehen wir dann schon mal gerne mit dem Bug an den Kai.

Zubehör

Außenborder: Wir haben uns für einen Elektroaußenborder entschieden, konkret das Modell Torquedo 1003 Travel. Der ist super zuverlässig, leicht und leise und braucht keinen Sprit. Wenn man ihn nicht mit Vollgas jagt, schiebt er unser mit 2-4 Personen besetztes Dingi locker 4 sm weit. Sylvia und ich haben ihn nur zweimal leer gefahren: einmal bei einer ganztägigen Stadtrundfahrt durch die Kanäle Kopenhagens, ein andermal bei Lagos/Portugal, als wir meinten, zu viert die felsige Algarvenküste per Dingi erkunden zu müssen. Aber durch die zuverlässige Anzeige der Restlaufzeit konnten wir immer rechtzeitig umkehren und mussten nicht rudern. An Bord wird der Akku „ratz fatz“ über den Inverter wieder aufgeladen. Allerdings – mehr als 4 kn Speed gehen nicht und damit kommt man auch nicht so richtig ins Gleiten. Wahrscheinlich bräuchten wir, wenn man wirklich lange Strecken gegen starken Wind, Welle und Strom zurücklegen muss, langfristig ein noch größeres Dingi mit einem 9 PS Motor. Aber solange wir ohne Benzin in der Backskiste auskommen können, werden wir es tun!

Klappfahrräder: diese erweitern den Aktionsradius im Hafen signifikant. Bei uns sind sie hinter dem Motorraum verstaut. Zwei Brompton Räder passen da genau rein, sind aber etwas mühsam herauszuholen. Deswegen kamen sie nur bei längeren Aufenthalten oder Strecken heraus. Wir möchten sie aber nicht missen. Für Sightseeing und kleinere Einkäufe und natürlich etwas Sport für die faulen Boothocker sind sie prima.

Staubsauger: Warum erwähnen wir so ein unwichtiges Detail? Weil ein Schiff eine Drecksammelstation ist. Unglaublich was sich in den Ecken da ansammelt. Und wenn man die Kehrschaufel an Deck bringt, weht bereits die leichteste Brise den Inhalt dahin, wo man´s nicht braucht. Die Antwort darauf ist der superpraktische Handstaubsauger von Dyson. Griffbereit in einer Schublade am Niedergang, schnappt man ihn sich schnell und in fünf Minuten ist das Schiff innen sauber.

Elektrische Wassermelder: wieder so ein moderner Schnick-Schnack. Wir haben sechs kleine, batteriebetriebene Wassermelder im Schiff verklebt. Da wir nicht nur eine Zentralbilge haben, wo alles zusammen läuft, sondern mehrere Bilgen, bekommen wir früh eine Warnung, wenn irgendwo Wasser reinläuft oder ein Schlauch abgerutscht ist. Es piepte zum Beispiel unüberhörbar nahe Korsika mit starker Welle von hinten, weil sich Wasser im Heck, unter den Bordfahrrädern befand. Die Ursache war schnell gefunden und abgestellt, bevor viel Wasser eindringen konnte: beim hochziehen des Dingis an den Davits hatte es versehentlich den Deckel der Notbadeleiter gestreift, der sich dadurch gelöst hat. Die achterlichen Wellen drückten in das Rohr der Badeleiter, die leider durch einen Produktionsfehler des Herstellers undicht war. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Nächstes Jahr kommen noch zwei Wassermelder dazu.

Konstruktions – und Ausstattungshighlights Sirius 40DS „Amazing Grace“
Rumpf und Aufbau
Decksalon mit After Cockpit
Kimmkiel mit Tiefgangsreduzierung auf 1,45m und Mittelruder zum Trockenfallen
Flexiteak weathered mit weißen Adern
Rigg
Selden Alu Mast
Achterstagspanner mit Winschenkurbel
Maststufen klappbar, 2 Stck. auf ca. 0,4m und 0,8m Höhe und 2 Stck 1,5 m unter Masttop
Großsegeltechnik
Lattengroßsegel mit 3. Reff zum einbinden (49m²)
Rollwagenrutschersystem für Lattengroßsegel (Selden)
Maindropsystem
Cunningham Strecker ins Cockpit umgelenkt
Großschotfeintrimmsystem 4:1
Try Segel Dimension Polyant 400MT 15 qm
Vorsegel und Vorsegeltechnik
Genuaanlage komplett mit selbstholenden Andersen 52er Winden u. Genua I (ca. 63,7 m²)
Furlexanlage für Genua elektrisch
Genuawinschen 58er ST (2 Stck. statt standard 52ST)
Genua-Holepunktverstellsystem Kugelgelagert
Kutterstag für Selbstwendefock (ca. 35,2 m²) mit zweiter Rollreffanlage
Groß, Genua und S-Fock in langlebiger Performance Qualität (Hydranet, Tri-Radial)
Rolldrifter Code Zero (ca. 81,0 m²) mit Rollanlage
Ausbaumer, teleskopierbar mit Aufholschiene, Toppnant, Halterung am Mast
2te Schiene am Mast für Passatbaum vorgerüstet
Dachwinde 40er mit elektrischem Variospeed-Spezialmotor in den Winschensockel integriert
Nautik und Kommunikation
Autopilotsystem Raymarine Evolution EV- 400 mit Antrieb für schwenkbare Steuersäule und P70 Einheit
Power Steering Funktion via Autopilot Raymarine P70R am Kartentisch mit zweiter Motorschaltung
Raymarine Log- und Echolotsystem mit DST 800 Geber und 1x i70 Anzeigedisplay
Raymarine i70 Windmeßanlage mit 1x i70 Anzeige im Cockpit, ITC5 Konverter
Raymarine Bussystem sonstige Kabel und Komponenten
GPS – Farbseekartenplotter Raymarine e95 außen
GPS – Farbseekartenplotter Raymarine e125 innen
GPS – Farbseekarten Navionics Platinum+ für E-Serie
Schwenkbare Plotterkastenhalterungan Steuersäule außen
Raymarine Radom 4kW, HD Color (RD418HD) auf Geräteträger
Raymarine AIS Empfangssystem inkl. und Raymarine Splitter AIS 100
AIS Erweiterung für Senden (abschaltbar) und Empfangen der Signale Raymarine
AIS 650 incl. Extra GPS Antenne montiert im achteren Süllrand des Cockpits
Aktiv-Radarreflektor Echomax im Masttop montiert
UKW – DSCD See und Binnen- Funkanlage Ray 49 mit SOS, Atis, Handmicro
UKW Reserveantenne auf Geräteträger
UKW Lautsprecher in Cockpit, abschaltbar
UKW – Handfunksprechgerät Type: ICOM IC-M91D, schwimmfähig mit GPS
Iridium Extreme mit Litedock und externer Antenne
Kompass und 2x I70 Geräte an Cockpitvorwand, Autopilot-Paneel im Cockpitschwalbennest
Elektrik
Sinus-Wechselrichter 230 V, 2000 W, Kombi mit 80Ah Ladegerät mit 30A Kontrollpaneelschalter
6 2V Blöcke Stück Gel Batterien Whisperpower als Verbraucherbank 524 Ah
Zusatzbatterien AMG-Batterien, 188 Ah Vorschiff für Bugstrahlruder elektrische Furlex und Ankerwinde
Battery-Control-System
Solarpanelen (begehbar) auf Deckshaus 5 x45 Wp und auf Geräteträger 120Wp
Dieselheizung Webasto Evo 55 mit regelbarem Luftstrom mit Schalldämpfern
Gasfernschalter, magnetisch mit Leuchtdiode
Elektrische Ankerwinde 1500W (unter Deck montiert) zusätzlich mit Schalter aus Cockpit bedienbar
Heckankeranlage mit elektrischem Freifall-Ankerspill, 50m Bleileine, mit Cobra 2, 22kg Anker und Ausleger
Bugstrahlruder mit Strömungseinformung und Doppelpropeller
Elektrische Lenzpumpe fest installiert
Mobile elektrische Lenzpumpe 12 V mit 15 m Kabel und Schlauch
Duschpumpe als Bilgenpume doppelt verwendbar mit 10 m Schlauch
Licht
Intern und extern alles LED sowie umschaltbar auf Rotlicht im Salon und Naviecke
LED 3-Farben-Laterne in Kombination mit Ankerlicht
integrierte Cockpit- Strahler am Ende des Großbaums
Wassersysteme und Tanks
Warmwasseranlage über Motor und 230 V (40 Liter)
Seewasserhahn mit Druckwasser-Pumpe und Filter in Pantry und 2tem Hahn
Kohlefilter im Wassersystem
Wassertank. 515 l
Dieseltank 315 l
Inspektionsöffnungen in Wasser-, Diesel- und Fäkalientank
Elektrische WC’s, im Stb und Bb WC-Raum
Reservekit für 1 elektrisches WC mit Zerhackerpumpe
Reservespülpumpe für 1 elektrisches WC
Waschmaschine im Technikraum
Inneneinrichtung
4 Kojen (Doppelkoje Vorschiff, Doppelkoje Mittschiffs unter Salon) mit Leesegeln
Hundekoje an Stb hinter der Naviecke
Salontisch absenkbar als Doppelkoje mit Leesegel
Doppelverglaste Fenster aus Sicherheitsglas im Salon
Technikraum mit Arbeitsplatte, Fach, Regal und Schubkasten
Werkzeugkiste Bahco Toolbox als Sitz im Technikraum,
Motorhalterung für Außenborder in Backskiste
Pantry
Kühlschranke Isotherm
Tiefkühlfach (Top- Lader) mit Kühlaggregat eingebaut in Pantry   hinter dem Kühlschrank
Herd de Lux mit Holzgriff und Elektrozündung, ENO Gascogne, 2-flammig
Induktionskochplatte
Motor
Volvo 75 PS D2 75 mit Saildrive und dreiflügeligem Faltpropeller
Tauschneider am Propeller und Saildrive montiert
Doppelte Dieselfilteranlage zum Umschalten
Beschläge
Radsteuerung, mit schwenkbarer Säule
Großschotführungsbügel mit großem Cockpittisch bei schwenkbarem Rad
Bugspriet mit 2 Vorstagfußpunkten, Genakeröse und Bugkorb zum Öffnen
Bugleiter passend für Bugspriet mit Halterung im Ankerkasten
Hauptanker Rocna 25kg mit 100m Kette (verzinkt), Reserveanker Cobra 2, 22kg mit 20 m Kettenvorlauf
Gurtbandrolle VA 56 m für Anker oder Verholleine
Ankerboje mit 20 m selbstaufholender Leine
Fester oberer Relingsdurchzug aus 30 mm VA Rohr
Heckkörbe mit Sitzecken aus Teak ins VA-Rohr eingeformt
Klappbarer Geräteträger für Radar, Solar, Zusatz UKW Antenne und Vorrüstung Windgenerator
Davits in Heckkörbe integriert
Springklampen, 4 Stück
Nirostevenschutzleiste massiv, von UK Bugbeschlag bis unter die Wasserlinie
Liveline-System (Gurt und Augen, je 1x vorne u. hinten auf dem Dach, hinter dem Ankerkasten)
Sicherheit
Rettungswesten Spinlock Prosensor Deckwest 275N
Ocean Signal „EPIRB1“ GPS
2 Ocean Signal MOB 1 AIS SART integriert in Spinlock   Rettungswesten
Rettungsinsel Viking 4 Personen Container unter Cockpit Tisch
Notsignal set Regatta
LED Handfackel Odeo Flare
Grab Bag
SeaCurity Bergesegel
Seacurity Rettungs- und Markierungsboje
Bergeschlaufe
Wurfleine mit Gewicht
Bosch Akku-Säbelsäge GSA 10,8 V-Li SOLO inkl. Sägeblätter Innox Sägeblättter und Spritzwasserschutz (statt Wantenschneider)
Zubehör
1 Feuerlöscher mit Selbstauslöser im Motorraum 1 kg
1 Feuerlöscher in Naviecke (Schaum) mit Manometer
1 Feuerlöscher (Schaum) mit Manometer im Vorschiffsschrank montiert
2 Löschdecken beim Herd
Barometer mit Verlaufsaufzeichnung
Schraubstock für Technikraum, klein
Schiebelukenabdeckung von außen
Schlauchboot,250 Talamax
Außenborder Torquedo 1003 Travel
Rauchmelder, zierlich in Salon unter Decke Bb achtern montiert
Gasflaschen 2 x 2,75 kg Camping gas
Induktionsherdplatte 1500W
2 Klappfahrräder Brompton
Einhell Sackkarre, zusammenklappbar BT-HT 90, 80kg Traglast
Hand-Akkusauger Dyson
Hochseeschleppangel
6 elektrische Wassermelder
Yamaha E-Piano

Geige

Trompete

„Amazing Grace“ zu Weihnachten

Unser Schiff „Amazing Grace“ steht ohne Segel, dafür mittlerweile mit einer kuscheligen Persenning bedeckt auf Elba. Wir stellen uns vor, dass sie dort mit netten anderen Schiffen die ruhigen Weihnachtstage genießt, denn die Werft hat auch Urlaub und erst im neuen Jahr wird fleißig an ihr gewerkelt. Sie hat zwar nichts Größeres abbekommen aber trotzdem ist eine Liste von 20 Punkten abzuarbeiten – andere Eigner kennen das… .

Sylvia ist schon wieder musikalisch voll im Einsatz und hatte ihr erstes Engagement, wo sie das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns gespielt hat. Mit einem Ausschnitt aus dem Oratorium und den Texten dazu wollen wir unseren treuen Bloglesern frohe, gesegnete Weihnachten zu wünschen.

Air et Choeur:

Herr, ich habe geglaubt, weil Du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes. Der du in diese Welt gekommen bist.

Duo:

Gelobt sei er, der da kommt im Namen des Herrn! Gott ist der Herr und er hat begonnen, hell für uns zu leuchten. Du bist mein Gott und ich vertraue dir. Du bist mein Gott und ich erhebe dich.

Viel Freude über die „amazing grace“, die wunderbare Gnade, die Gott dazu bewegte, seinen Sohn in die Welt zu senden, um Frieden zwischen IHM und uns zu ermöglichen.

In diesem Sinne herzliche Grüße

Sylvia und Henning

Die Route und das Wetter im Rückblick

  1. Bewertung der Route

Für unsere sieben-monatige Reise fanden wir unsere, grob im voraus geplante, Route auch im Nachhinein insgesamt prima – auch wenn wir teilweise etwas anders gefahren sind. ( http://sailing-amazing-grace.com/reise/ ). Wir haben auf dieser Reise 4.200 sm im Kielwasser gelassen und waren, abzüglich einer Heimreise und einiger reparaturbedingter Stopps, netto ca sechs Monate auf Tour. Wir haben elf europäische Länder bereist und sind in Ecken gekommen, die wir wohl unter Segeln nicht mehr so schnell wieder sehen werden. Fazit: Europa hat für den Fahrtensegler unheimlich viel zu bieten.

Wir würden jederzeit wieder den „Umweg“ über Dänemark, Norwegen, Schottland machen und nicht die Abkürzung durch den Nord-/Ostsee- und Ärmelkanal nehmen. In den Norden zu segeln war für uns, sowohl landschaftlich als auch von den Menschen und den Kulturen her, ein echtes Highlight. Einzig: eine Woche in den Fjorden um Stavanger hätten wir rückblickend gerne drangehängt und etwas mehr Zeit in den Buchten und Inseln an Schottlands Westküste verbracht. Diese Zeit ging uns durch die Motorreparaturen verloren. Außerdem sind die Schotten wohl die nettesten Menschen Europas.

Wir haben dann entlang der irischen Küste etwas auf die Tube gedrückt, um die Biskaya noch im Juli zu überqueren und hatten dafür auch eine einfache Überfahrt von Kinsale/Irland nach La Coruna/Galizien. Die 500sm 180° gen Süden waren eine gute Wahl. Dafür mussten wir die Scilly Islands und die Bretagne links liegen lassen – vielleicht ein anderes Mal.

Durch Galizien mit den Rias zu bummeln hat sich dann auf jeden Fall gelohnt. Jede einzelne Ria lohnt sich zu entdecken, auch wenn das Wasser da noch echt kalt ist. Man findet dort auch überall eine geschützte Ecke.

An Portugals Westküste sind wir nicht einfach vorbeigesegelt, wie es manche Langfahrer empfehlen, sondern haben faszinierende Hafenstädte und, besonders in Portugals Norden, sehr nette Portugiesen kennengelernt. Wir hatten kaum Nebel und auch, dank genug verfügbarer Zeit, keinen großen Schwell und konnten in die, in Flußläufen liegenden Häfen problemlos einlaufen – gerne wieder. Die Lagunen an der Algarve haben es uns angetan. Da und an Spaniens Südatlantikküste hätten wir gerne noch mehr Zeit vertrödelt. Warmes Wasser und ein ideales Revier um mit unserem geringen Tiefgang und der Möglichkeit Trockenzufallen, erkundet zu werden. Gibraltar war auf jeden Fall eine Reise wert, aber Costa Blanca und Costa del Sol fanden wir weniger attraktiv und sind recht zügig vorbei- gefahren.

Die Balearen, Sardinien und Korsika im Herbst insbesondere die Costa Smeralda, sind einfach wunderschön und, ohne den Rummel im Sommer, ein traumhaftes Revier. Das Wetter ist dann zwar nicht mehr stabil, aber das Wasser warm, die herrlichsten Buchten hat man für sich alleine und die Preise sind günstig.

Apropos Preise: die Mitgliedschaft in der englischen „Cruising Association“ hat sich allein durch die Rabatte in der Marina von La Coruna bezahlt gemacht. Die CA hatte häufiger und auch noch größere Rabatte ausgehandelt als „Transocean“ oder die „Kreutzer Abteilung“.

Ein Wort zum Thema Sicherheit: wir haben uns in allen bereisten Ländern an Bord, sowie an Land, nie unsicher gefühlt. Als Vorsichtsmaßnahme wurde nachts die Niedergangstür immer abgeschlossen, egal ob vor Anker oder im Hafen. Das Dingi wurde fast immer auf die Badeplattform hoch genommen. Beim Landgang haben wir versucht suspekte Ecken zu meiden und uns der Gegend angepasst zu kleiden. Auch von anderen Seglern haben wir keine negativen Erfahrungen gehört. Diese Teile Europas scheinen noch sicher zu sein.

Als Seekarten nutzten wir primär die Navionics Platinum Karten auf dem Plotter. Wir hatten aber auch immer Übersegler in Papier sowie die passenden Imray Karten auf dem Tisch, ergänzt um ein paar NV-Charts für Dänemark und Norwegen sowie englische Karten vom Kaledonischen Kanal. Die hoch detaillierten elektronischen Seekarten haben sich beim täglichen Navigieren nach Wegepunkten bewährt, die Papierkarten kamen mehr bei der Routenplanung zum Einsatz und dienten als Backup.

2. Wetter, Tide, Strom

 Bei unserem Start Anfang Mai hatten wir in Ost- und Nordsee prima und meist sonniges Wetter bei leichten bis mittleren Winden. Nebel hatten wir auf den längeren Überfahrten nach Norwegen und Schottland und da wurde es dann auch nass (lang lebe der Decksalon). Wir konnten immer Sturm und meist Starkwind vermeiden, weil wir uns ausreichend Puffer eingeplant hatten um geeignetes Wetter abzuwarten. Das war, insbesondere für die langen Überfahrten wichtig! Wir haben uns allerdings zum Beispiel bei der Biskaya Überquerung auch nicht gescheut das eiserne Segel einzusetzen wenn der Wind einschlief und wir Starkwind oder Sturm heranziehen sahen. Im westlichen Mittelmeer wurde das Wetter Ende Oktober sehr instabil. Eine Front nach der anderen marschierte durch, die aber sehr gut zu den Vorhersagen passten. Dazwischen gab es aber herrliche Phasen und immer noch warmes Badewasser bis Anfang Dezember.

Wir vertrauten bei Wetterberichten primär auf die täglich zugesandten Gribfiles von dem privaten Anbieter Wetterwelt und nutzten deren Software auch für Routenplanung bei den längeren Passagen. Zweimal haben wir uns dort auch zum geeigneten Wetterfenster und der Route beraten lassen. Für kurzfristige Updates war die dazugehörige App hilfreich. Auf hoher See nutzen wir auch zweimal das Iridium Satelliten Telefon für Updates. Wir fanden die Vorhersagen für 48 Stunden meist sehr zuverlässig. Bei kritischen Entscheidungen zogen wir gerne ergänzend die Website von Passageweather zu Rate und für lokale Vorhersagen an der Küste auch Windfinder Pro.

In Schottland und Irland wurden unsere Reisepläne primär von Strom und Tidenzeiten bestimmt. Bis zu 8 kn Strom und Overfalls zollten wir großen Respekt. Für den bekennenden Mittelmeersegler brauchte es einige Einarbeitung, aber mit der Zeit konnten wir uns diese Bedingungen für schnelle Überfahrten gut zu Nutze machen. Ehrlich gesagt haben wir die Tiden- und Strömungsdaten nur anfangs klassisch von Hand berechnet. Die Tidenkurven im Kartenplotter von der Navionics Platinum Software waren sehr hilfreich, die Strömungsdaten oft zu konservativ. Ergänzend hat sich die App „Tideplaner“ bewährt.

 

Sailwellparty

P1120814Am 23.04. nehmen wir für einige Monate Abschied von Familie und Freunden in Mannheim. Der Start der großen Tour ist dann für den 01. Mai 2016 geplant. Wir sind so gespannt auf unsere Zeit auf See!