Giglio will uns nicht! Oder: Warum nicht mal Toskana pur?

Elba – Korsika – Sardinien und wieder zurück; am liebsten entlang der wilden Westküsten der großen Inseln. Das war die letzte Zeit unsere Lieblingsroute. Und so konnten wir uns das auch diesen Herbst wieder vorstellen. Aber dann kam es anders:

Tagelang Mistral mit gut drei Meter Welle an Korsikas Westküste – nein, das musste nicht sein. Warum auch? Elba hat von jeder Windrichtung geschützte Buchten zu bieten. So bummelten wir erst einmal recht faul ein bis zweimal rund Elba. Wir fanden doch tatsächlich schöne Buchten, in denen sich noch nie unser Grundeisen in den Sand gegraben hatte, wie zum Beispiel dem Spiaggia di Fonza, 1,5 sm östlich Marina die Campo. Aber auch eine kombinierte Rad- und Kraxeltour auf den 1000 Meter hohen Monte Capanne von Marciana Marina aus war ein unvergessliches Erlebnis. Natürlich ging es bergab in den offenen Körben der Bergwerksgondelbahn.

…. Und immer noch stand Mistral auf Korsika! Dann wagten wir uns „in unentdecktes Terrain“: die toskanische Festlandsküste und Inselwelt im Süden mit der Insel Giglio den Buchten um Punta Ala und um die Halbinsel Monte Argentario. Aber auch ein paar Meilen im Hinterland gab es mit Fahrrad oder Bus vieles zu entdecken: zum Beispiel Grossetto, mit einer wunderschönen Altstadt.

Giglio! Weltbekannt wurde die Insel als im Januar 2012 dort das Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ kenterte und 32 Menschen starben. Noch im Oktober sah man auf Google Maps das riesige Wrack, eine Bootslänge entfernt von dem kleinen Hafen, auf den Felsen liegen. In diesem malerischen Ort wollten wir nach 25 Jahren wieder anlegen. Doch Giglio wollte uns nicht: Bei unserem ersten Versuch blieben alle Anläufe der Kontaktaufnahme, per Telefon oder per Funk erfolglos. Als wir dann in den, fast leeren Hafen einfuhren, wurden wir per Funk  unfreundlich aber bestimmt gebeten wieder umzukehren. Es sei kein Liegeplatz frei. Na gut, dann ab in eine Bucht im Süden von Giglio. Aber auch da kam der Bademeister raus gerudert, kaum dass der Anker saß und scheuchte uns nach einem kurzen Badestopp weg. Nicht schlimm, Monte Argentario ist nur 15 sm weg. Die zwei Tage im schönen Porto Ercole nutzten wir für einen herrlichen Landausflug mit unseren Klapprädern, rund um die Salzmarschen mit Flamingos und durch die Kiefernwälder. Aber nach Giglio wollten wir dann doch nochmal. Unser freundlicher Hafenmeister in Porto Ercole hatte eine spezielle Telefonnummer, rief für uns in Giglio Porto an und reservierte für zwei Nächte. Von Italiener zu Italiener funktioniert es halt immer noch besser… . Tags drauf liefen wir gegen Mittag wieder in Giglio Porto ein, bekamen sofort einen Liegeplatz zugewiesen und machten es uns gerade so richtig gemütlich im Hafen, als die neue Wettervorhersage rein kam: 7-8 Bft aus Nordost – genau aus der Richtung, wo der Hafen offen ist. Gleichzeitig begannen die  Einheimischen ihre Boote für schweres Wetter vorzubereiten. Uns war klar: es wurde wieder nichts mit Giglio. Zu bleiben wäre zu riskant und sicherlich sehr unangenehm geworden. Zu frisch waren die Erinnerungen an die zwei Tage und Nächte Orkan, die wir letztes Jahr in Bastia abgewettert hatten. So machten wir uns flugs auf nach Punta Ala, wo wir auch noch spät freundlich empfangen wurden. Im Herbst ist da zwar „Tote Hose“ aber der Hafen ist sicher und solange das exzellente  Restaurant „Deep“ offen hat, vermisst man eigentlich nichts. Offen gesagt blieb unsere Bordküche im Hafen relativ oft kalt. Zu verführerisch ist die Toskanische  Küche – schwer zu Toppen; vielleicht wenn unsere Reise nächstes Jahr weiter geht in Tel Aviv?

 

 

 

 

 

 

Fahrtensegeln pur

… klingt eigentlich selbstverständlich, wenn man mit einem Segelboot unterwegs ist. Aber ehrlich gesagt spricht unsere Bilanz der unter Segeln zurückgelegten Seemeilen im Vergleich zu den Motormeilen oft eine andere Sprache.  Insbesondere seit wir im Mittelmeer unterwegs sind. In der Ostsee und auf dem Atlantik sind wir oft 90% der Seemeilen gesegelt. Aber im Mittelmeer mit den ständig wechselnden Winden und Flauten, den durch hohe Berge verursachten Abdeckungen, zB im Lee von Korsika, Motoren wir meistens ebenso viel, wie wir segeln. Das liegt natürlich auch daran, dass wir meistens in einer bestimmten Zeit von A nach B wollen.

 Das sollte dieses Frühjahr anders werden: Mitte Mai sind wir von Elba aus gestartet mit 5 Wochen Zeit um wieder in Elba anzukommen. Ein Stopp im Umfeld Olbia/Sardinien um Freunde zu treffen und unsere Kinder aufzunehmen, sowie ein Halt in Bastia/Korsika, unweit von Elba, waren die einzigen Fixpunkte. Ansonsten wollten wir nur unterwegs sein, wenn es Wind gibt und dort bleiben, wo es uns gefällt.

Und siehe da, das kam dabei raus:  jede Menge traumhafte Ankerbuchten, in denen wir zT drei Nächte blieben. Manchmal sahen wir über  eine ganze Woche keinen Hafen.  Der Motor wurde meistens nur für „Anker auf“ oder für die Hafeneinfahrt benutzt. Unsere komplette Segelgarderobe kam zum Einsatz und oft reichten uns auch entschleunigende zwei Knoten Fahrt völlig aus. Der Anker fiel dann halt eine Bucht früher.

So sind wir an vielen schönen Plätzen auch nicht einfach vorbei „gebrettert“, sondern haben in dem, uns eigentlich wohl bekannten Revier von Korsika und Nordsardinien,  herrliche Ecken kennen gelernt. Dank der Vorsaison fand sich auch immer noch ein Plätzchen in Bucht und Hafen für die „Amazing Grace“.

Insbesondere die Westküste Korsikas mit ihren kleinen, hinter hohen Klippen verdecken Buchten, hat es uns angetan. Dem oft vom Golf von Lyon hereinstehenden alten Schwell, begegneten wir erfolgreich mit Bug- und Heckanker.

Besonders schätzen gelernt haben wir auch das Revier südlich von Olbia: längst nicht so überlaufen, wie die Costa Smeralda und landschaftlich mindestens genauso schön, mit vielen Inseln und von jeder Windrichtung geschützten Ankerbuchten.  Der hohe Tafelberg sorgt für ein spannendes, lokales Windsystem. Unsere Lieblingsbucht liegt am Capo Coda Cavallo.

Das Fazit: Dies ist die Art Fahrtensegeln, die wir lieben. Insbesondere, wenn das Revier so viele Möglichkeiten bietet. Man muss halt etwas Zeit mitbringen und auch die Umwelt sowie die Bordkasse werden geschont. Und nebenbei haben wir noch einige nette Segler kennen gelernt.

Es muss nicht immer „Römisch-Katholisch“ sein – ein Credo für die Freiheit des Anlegens!

Ja, im Mittelmeer ist „Römisch-Katholisch“ – Anlegen DER Standard. (Für alle Ostsee Segler: damit ist gemeint, dass mit dem Heck zur Pier festgemacht wird. Am Bug hält dann meist eine Mooringleine oder der eigene Anker das Schiff). Es gibt viele wunderbare Tipps, wie man so perfekt anlegt. Zum Beispiel hier:

https://www.youtube.com/watch?v=HAqHWX6vyT4

Aber es darf kein Dogma sein! Manchmal gibt es einfach Bedingungen, wo die gute Seemannschaft es gebietet, anders anzulegen . Wir segeln seit mehr als 30 Jahren im Mittelmeer.  Wie oft mussten wir erleben, wie selbst erfahrene Crews durch selbst auferlegten Zwang oder durch den vermeintlichen Zwang eines Marineros, oder warum auch immer ihr Schiff und Nachbarlieger in Gefahr brachten, weil die Bedingungen oder der Liegeplatz einfach nicht geeignet für dieses Anlegemanöver waren.

Schauplatz Calvi, Korsika, letzten Herbst: eine SKS-Ausbildungscrew mit acht Personen an Bord läuft in den Hafen ein. 5-7 Bft stehen jetzt direkt auf die Pier, an der wir am Vortag bei noch ruhigen Bedingungen „Römisch-Katholisch“ fest gemacht hatten. Rechts neben uns, zum Ende der Pier waren noch vier Liegeplätze frei. Der Ausbildungsskipper sah sich durch einen hilfsbereiten Franzosen (den er für den Hafemeister hielt), der am Ende der Pier eine Mooring aus dem Wasser geholt hatte genötigt, dort anzulegen. Es kam, wie es kommen musste: beim Aufstoppen an der Pier, bevor ein Festmacher durch den Ring an der Pier gefädelt und klar zum Eindampfen war, hatte der starke auflandige Wind den Bug schon 70° seitlich gedrückt, der Anker drohte sich mitschiffs in unser Seite zu Bohren. Ich blickte beim Abdrücken in die Augen von drei  übernächtigten, nach einer Nacht mit 8 Bft am Cap Corse noch leicht verstörten Segelschülern, die nicht verstanden, warum dies ihnen nicht erspart geblieben war. Der starke, auflandige Wind und ein fehlendes Boot zur Stütze an der Seite hatten dieses Anlegemanöver unmöglich gemacht.

Eine Stunde später der zweite Akt: eine französische Eigner Crew mit sechs erfahrenen Seglern an Bord lief ein. Inzwischen war der junge Marinero wieder von der Beerdigung des Bürgermeisters zurückgekehrt. Er wies dem Skipper, ebenfalls durch Anheben der Mooringleine, einen Platz eine halbe Bootslänge rechts neben uns zu. Der mehrfache Hinweis, dass er bei diesen Bedingungen Unmögliches von dem Skipper verlangte, wurde unwirsch beiseite gewischt. Fünf Minuten später das gleich Bild – mit einer kleinen Variation: der Bug bohrte sich nun in das Segelschulschiff und wir hatten zur Abwechslung mit dem Heck des quer vertriebenen Schiffes zu kämpfen.

Dabei wäre dies alles vermeidbar gewesen. Im Hafen waren noch genügend andere Plätze frei gewesen, wo man – zumindest vorübergehend – hätte anlegen können. Und wenn es auch nur die Tankstelle war, von wo aus  „die Lage in Ruhe gepeilt“ wurde.


Wir haben in unserer seglerischen Karriere selbst viele Anlegemanöver „verkorkst“, wo wir vermeintlich gezwungen waren „Römisch-Katholisch“ anzulegen aber es nicht angebracht war. Was haben wir daraus gelernt?

  1. Wir entscheiden, ob der Anlegeplatz bei diesen Bedingungen geeignet ist oder nicht. Kein Marinero oder Stegnachbar macht das für uns.
  2. Gerne lassen wir uns ggfs wutentbrannt anschnauzen, wenn wir, weil es einfacher ist oder wir mehr Ruhe und Privatsphäre wollen, vorwärts in die Lücke fahren.
  3. Bei starkem Seitenwind achten wir, wo immer möglich darauf, dass ein Nachbarschiff im Lee zum avisierten Liegeplatz liegt und steuern diesen Platz direkt an. So vertreibt man nicht quer an den Nachbarn und es gibt keine Schäden. Später können wir uns immer noch, falls nötig, einige paar Meter nach Luv verholen. Da hilft ggfs. die Genua oder auch die Ankerwinsch, wenn die Muskelkraft nicht ausreicht.
  4. Wir nutzen die Mittelklampen. Die Mittelklampen führen im Mittelmeer oft ein mittleres Schattendasein. Dabei ist die Mittelklampe des Nachbarschiffs ggfs. der perfekte „Notnagel“ um ein Quertreiben zu verhindern, bis in Ruhe eine Heckleine im Luv belegt ist. Und so geht´s: Gut Abfendern, mit ausreichend Schwung anfahren, dass man an die Mittelklampe des Nachbarn kommt; den Festmacher einmal rum und auf dem eigenen Schiff belegen; vorsichtig Eindampfen. Das funktioniert vorwärts und „Römisch-Katholisch“ und nimmt bei kleiner Crew eine Menge Stress aus dem Manöver. Voraussetzung ist natürlich, dass der potenzielle Nachbarlieger nicht zu klein ist.

Fazit: Es muss nicht immer „Römisch-Katholisch“ sein. Das gilt beim Anlegen wie beim Glauben. Keine Bootsversicherung wird es interessieren, wenn wir bei der Schadensmeldung angeben: „Ich dachte, ich muss „Römisch-Katholisch“ anlegen“. Es ist für uns als Skipper allein unsere Entscheidung. Es gibt fast immer andere Optionen.

Und übrigens: Wir sind fest davon überzeugt, dass uns auch Gott, wenn wir einst vor ihm stehen werden, nicht fragen wird, ob wir einer bestimmten Kirche angehört haben. Es wird einzig darum gehen, ob wir dem Sohn Gottes, Jesus Christus, vertrauen, dass er unsere Schuld  am Kreuz getragen hat. Wie schon Luther sagte; „allein durch Gnade und allein durch den Glauben….“! 😇

Man könnte wenn man wollte – Korsika im Herbst

„Das war die schrecklichste Nacht meines Lebens“,  rief mir ein Student zu, als wir gemeinsam mit aller Kraft versuchten, den Anker seines Schiffes davon abzuhalten, sich in die Seite der „Amazing Grace“ zu bohren. Er war mit 7 Kameraden auf einem SKS Ausbildungstörn unterwegs und hatte eine Nachtpassage ums Kap Corse hinter sich mit bis zu acht Bft. Eben waren sie im ersehnten Hafen von Calvi angekommen und jetzt auch noch das (mehr dazu in dem bald folgenden Blog Beitrag „Es muss nicht immer „Römisch-Katholisch“ sein).

NEIN, solche Erfahrungen brauchten wir diesmal nicht. Segeln kann herausfordernd und das pure Abenteuer sein. Es kann aber auch Entspannung und  große Erholung sein. Genau danach stand uns jetzt der Sinn! Besonders Ende Oktober, wo das Wetter für einige Überraschungen gut sein kann. Übersetzt hieß das: Buchten statt Häfen und Landausflüge statt Meilen knüppeln, wenn es draußen kachelt. Damit Spaß und Fitness nicht zu kurz kommen, war zum ersten Mal Sylvias neues Stand Up Paddle Board mit dabei.

So startete unser Herbsttörn gleich mit zwei Tagen vor Anker in der Enfola Bucht auf Elba, bevor Sylvias Musikerkollegin Christine zu uns stieß. Christine blieb bei uns bis Saint Florent auf Korsika und hat sich für ihren ersten Segeltörn wirklich super geschlagen.

Zwischen Saint Florent und Ille Rousse liegt das Desert des Agrigates mit herrlichen, einsamen Ankerbuchten, die leider für den Schwell von fernen Stürmen recht offen sind. Lang lebe der Heckanker, der auch bei nächtlicher Flaute den Bug gen Meer hielt und das hässliche, schlafraubende Rollen verhinderte. Die Sonne war gerade untergegangen, das letzte verbliebene kleine Segelboot hatte Anker gelichtet und war aus der Bucht getuckert, da war uns klar, dass wir helfen mussten: kaum 100 Meter weit weg von unserem Boot war der Motor des kleinen Segelbootes in Streik getreten und die zwei Segler an Bord versuchten nun, bei totaler Flaute, das Schiff verzweifelt mit zwei Paddeln frei von den Riffen zu bekommen. Zum Glück war unser E-Aussenborder voll geladen und Henning konnte sie eine Meile in Richtung Wind und Saint Florent schleppen (natürlich mit Handfunke dabei für den Kontakt zum Mutterschiff).

Die zwei Starkwind-Hafentage in Calvi wurden durch herrliche Nächte vor Anker in der Bucht von Calvi eingerahmt. Eine Stunde Wanderung auf den Hausberg mit der Heiligen Statue war dann die Mühe wert. Der Ausblick war atemberaubend. Auch wenn oben von Einsamkeit keine Rede war, weil wir 10 Wagen des französischen Fernsehens mitten im Dreh vorfanden.


„Wir nicht“ – war unsere einstimmige Meinung, als alle anderen Segler in Calvi bei etwas ruhigerem Wetter  in Richtung Ajaccio zur Insel-Umrundung aufbrachen.  „Zu viele Meilen bei ggfs ungünstigen Winden, das brauchen wir nicht“ und machten uns auf den Weg zurück zum Cap Corse. Dort wurden wir mit zwei herrlichen Ankerplätzen belohnt, bevor es nach Bastia in den Vieux Port ging. Das ist der beste Platz um angesagten Winden mit bis zu 45 Knoten abzuwettern und Korsika von Land aus besser kennen zu lernen… .

 

Nachtrag von Mai/Juni 2018:Drei Inseln rund – Teil 3: Schön, schöner, am schönsten

Wenn es eine Städtchen auf Sardinien gibt, das es uns angetan hat, dann Castelsardo im Norden. Bei der Annäherung vom Meer sieht man schon von weitem den Fels aus dem Wasser ragen auf dem die von Mauern bewehrte Altstadt den Piraten trutzte – wie gemalt! Der Hafen liegt etwas weiter weg davon, weshalb unser Dingi für die Stadtbesichtigung und den Restaurantbesuch genutzt wurde. Im Stockdunkeln geriet die Rückfahrt zum Abenteuer, denn der Wind hatte gedreht und selbst der halbe Meter Seegang machte unser voll beladenes Beiboot zu einer Schiffschaukel.

Tags drauf war Crewwechsel angesagt: für die nächste Woche begleitete uns unsere jüngste Tochter Marie… und sie brachte aus Deutschland das gute Wetter mit. Tatsächlich verzeichneten wir nach ihrer Ankunft ganze drei Tage ohne Regen… .

Und jetzt kommt’s: Die Westküste Korsikas, die wir gemeinsam besegelten,  ist wirklich der Hammer! Letzten Herbst konnten wir leider wegen ungünstiger West-Winde nur der Küste entlang segeln und in den Häfen von Ajaccio und Bonifacio halt machen. Das sollte jetzt anders werden. Unter dem Gebirge tun sich unzählige Ankerbuchten auf. Und das Beste: fast immer sieht man im Westen die Sonne untergehen. Wild entschlossen kam in schmalen, tief eingeschnittenen Buchten endlich mal wieder unser Bug- und Heckanker zum Einsatz. Fantastische Felsformationen, die zum Beispiel an eine Riesenschildkröte erinnern, rote Felsschluchten, die nicht dramatischer in der Südsee sein können, waren der Reiz. Aber natürlich hat uns der Regen wieder eingeholt… . Trotzdem: es ist so schön da, wir würden dort gerne noch länger rum bummeln!


Hafeneinfahrt Bastia, Vieux Port: das letzte mal waren wir im Dezember 2016 bei auflandigem stürmischem Wind dort eingelaufen. Damals war es eine Herzschlageinfahrt gewesen, gefolgt von drei Tagen Gewittersturm. (LINK zum ALTen Beitrag) Jetzt war es einfach nur schön. Wir bekamen wieder fast den gleichen Platz im inneren Hafenbecken. Und genossen das vibrierende Leben: Start eines Rallye Trosses, buntes Markttreiben (korsischer Käse darf nicht fehlen!!), und mit jungen Leuten prall gefüllte Restaurants und Bars. Nur 10 Meter vom Liegeplatz entfernt gaben in einer Bar zwei junge Franzosen bis 01:00 früh ihre Chansons zum besten. Irgendwann geht Nachtruhe dann doch vor Unterhaltung! Deswegen verholten wir uns am nächsten Tag, nachdem wir unsere Tochter auf den Flughafen gebracht hatten, ein paar Meilen südlich zum Ankern – schaukelig aber ruhig!

Auf Elba erwartete uns: … Regen und unbeständige Winde, die uns bei San Andrea ein nächtliches, hektisches „Anker-auf-Manöver“ bescherten. Aber wir haben gelernt uns an jedem Sonnenstrahl zu freuen. Ansonsten genossen wir den Decksalon und hüpften einfach trotzdem ins Wasser! Wärmer als die Ostsee war es allemal!

Unser Fazit aus vier Wochen rund Elba, Korsika und Sardinien: wer Glück mit Wind und Wetter hat und im Süden, Westen und Norden der Inseln etwas in den Buchten bummeln kann, wird kaum ein schöneres Segelrevier finden.

 

 

 

 

 

 

Drei Inseln rund, Teil 2: Wildlife Sardinien

„Henning, da – Wale!!!!“ gellte es vom Vordeck kurz nachdem wir in der Frühe aus Santa Maria Navarrese ausgelaufen waren. Henning war gerade beim Kaffeekochen und stürmte an Deck. Tatsächlich: backbord, 150 – 200 Meter von uns entfernt, tauchte immer wieder ein schwarzer Rücken auf, begleitet von prustenden Fontänen. So nahe hatten wir solch einen riesigen Kerl noch nie bei uns gesehen. Sylvia verzog sich vor Respekt sicherheitshalber in die Plicht, aber die Kerle zogen unbeeindruckt entgegen unserer Richtun

g an uns vorbei. Ob wir die gleichen Tiere schon bei unserer Einfahrt in den Hafen vor zwei Tagen gesehen hatten? So vieles lebt unter Wasser in einer Welt, von der wir, wenn wir einfach so Drübersegeln, meist gar nichts mitbekommen.

Außer es passiert folgendes: prrrrrrrrrrrrrrrrrrr –mit pfeifendem Geräusch läuft die Angelleine raus, schneller und immer schneller.  Chris, unser Schwiegersohn, den wir mit unserer Tochter Leni in Cagliari, im Süden Sardiniens an Bord genommen hatten, stürzte zur Angel und versuchte die Kräfte des Fisches zu ermüden, indem er die Leine immer wieder stoppte. „Das ist ein riesiger Kerl, ich kann ihn nicht halten“, ruft er. Der Fisch zieht mit voller Kraft nach achtern weg, das Boot steuert mit ordentlich Schräglage und Welle hart am Wind bei 6Bft im zweiten Reff in die andere Richtung. Eigentlich müsste man das Schiff jetzt so schnell wie möglich aufstoppen. Aber das bekommen wir bei diesen Verhältnissen, bei viel Wind und Nieselregen nicht so schnell hin. Mit einer Selbstwendefock ist Beidrehen auch nicht so einfach. Nach 500 m Leine ist Schluss und auf einmal ist der Druck weg von der Leine. Ganz leicht lässt sie sich einholen. Das wäre unser Thunfisch gewesen … schade! Enttäuschung an Bord.

Später im wunderschönen Hafen von Carloforte auf der Isola di San Pietro im äußersten Südwesten Sardiniens erfahren wir, dass wir im früheren Zentrum des Thunfischfangs sind. Die Thunfischbestände haben sich etwas erholt und der Rotflossenthun wandert im Frühjahr entlang der Westküste Sardiniens südwärts. Aber die ganze Küste Sardiniens entlang beißt bei uns kein Schwanz mehr!

Und dann ist da auch noch der wilde Mistral, der kalte Nordwind, der aus dem Rhonetal mit Sturmstärke in den Löwengolf bläst und an die korsische und sardische Westküste 3-4 Meter hohe Welle, sowie Starkwind schickt. Dank guter Wettervorhersagen wussten wir rechtzeitig Bescheid und beeilten uns auf dem Weg in den Norden von Sardinien. Ein Ankerstopp in der schon von Römern genutzten Bucht von Porto Conte, im Nordwesten Sardinien musste aber sein. Felsabstürze von bis zu 200 Metern säumen die  westliche Einfahrt.

Allgegenwärtig sind die Möwen. Vor Anker in dem wunderschönen Naturhafen von Porto Conto , fliegen die Olivenkerne zum Anlegerschluck ins Wasser, was eine Möve motiviert, neben uns auf ihren Tribut zu warten, wo wir unseren Sundowner geniessen. „Krahhhh“ schallte es vom Wasser. „Kraahhh“, schallt es vom Deck zurück: „Krahhhh“, „Kroahhh“, „Krahhhh“, „Kroahhh“, geht es hin und her, bis wir merken, dass Sylvia „möwisch“ mit dem Vogel im Wasser spricht. Die rege Konversation geht in ein Möwenrappduett über. Wir halten uns die Bäuche vor Lachen.


„UIAHHHHHH, UIAHHHHH“, schallte es tief kehlig vom Ufer der Insel Asinara. Wir lagen im Naturschutzgebiet dicht unter Land an einer Boje nachdem wir uns drei Tage vor dem Mistral in dem kleinen Hafen Stintino,  im äußersten Nordwesten Sardiniens, verkrochen hatten. Die Herzschlagpassage „Fornelli“, mit nur 3 Meter Wassertiefe, führt dorthin.

„Da, ich sehe sie“, rief Leni! Ein wilder Esel stand auf einem Fels am Ufer. Als der Regen aufgehört hatte, gingen wir auf Erkundungstour – Wildlife pur: Mehrere kleine Herden wilder Esel querten unseren Weg, der immer höher auf den höchsten Berg der Insel führte. Neugierig beobachteten sie uns mit ihrem individuellen Sicherheitsabstand, bis der jeweilige Boss der Gruppe mit lauten „UIAHHHHHHH“ das Signal zum Rückzug gab. Vor den Wildschweinen hatten wir besonderen Respekt. Nachdem ein paarmal Grunzen im Gebüsch zu hören war und plötzlich eine Bache und ein Eber vor uns standen wurde in unübersichtlichem Gelände kräftig gesungen und geklatscht, um unangenehme Überraschungen für beide Seiten zu vermeiden. Am meisten Sicherheitsabstand hielten die langhaarigen Bergziegen. Asinara ist eine ehemalige Gefängnisinsel,  die in einen Nationalpark verwandelt wurde. Das mystische Licht, die tief hängenden Wolken und die grandiose Landschaft sind etwas ganz Besonderes. Als wir uns kurz vor der Dämmerung wieder unserer Bucht näherten, konnte man einige der Gefängnisgebäude sehen, durch die jetzt wilde Esel und Ziegen sträunen – das wilde Sardinien pur!

 

 

Drei Inseln rund – Teil 1: Schottland in Sardinien

 Zum Glück sind wir Ende April beim letzten Ankerstopp auf Elba ins Wasser gesprungen, das dort immerhin schon 21°C hatte – wärmer als die Luft. Denn das war´s dann erst einmal auf unbestimmte Zeit mit Baden:

Mit 50 bis 70 Seemeilen – Schlägen zog es uns entlang der korsischen Ostküste nach Süden, in der Erwartung, dass in Sardinien die Sonne lacht und das Meer immer wärmer wird. Denkste! Selbst als wir 2016 während unseres Sabbaticals Schottland besegelten, hatten wir keinen solchen Dauerregen erlebt. Dort kletterten die Temperaturen zwar auch kaum über 16°C, aber selbst auf der nassesten Insel Schottlands, Aaran, regnete es nie tagelang durch.

Die Straße von Bonifacio querten wir noch von oben trocken, da flog dafür Wasser bei bis zu 7 Bft gegenan von unten quer. In Nordsardinien, auf der Hauptinsel La Maddalena angekommen, brauchten wir das Salzwasser nicht vom Schiff zu waschen: drei Tage regnete es durch. Aber so ist Fahrtensegeln: man macht das Beste daraus. Es knatterte um die Inseln mit bis zu 8 Bft und im Decksalon hatten wir beste Sicht während die Heizung bullerte. Wir machten es uns gemütlich und setzten nur zum Einkaufen im süßen Örtchen einen Fuß vom Boot.

„In drei Tagen ist der Niederschlag des ganzen Jahres heruntergekommen“, sagte uns der Hafenmeister des Club Nautico von La Caletta, unserem nächsten Stopp, 48 sm südöstlich. Während des Platschregens, der uns die letzten zwei Stunden und beim Anlegen begleitete war das Dach des schönen Clubhauses undicht geworden und der schöne große Billardtisch war zum Goldfischteich geworden.


Doch dann geschah es: tags drauf blieb es während des langen Segeltages nach Santa Maria Navarrese beinahe trocken. Um uns herum gingen die Schauer nieder, doch für uns gab es nur etwas Sprühregen. Zehn Minuten vor der Hafeneinfahrt schrie Sylvia „Wale – da blasen sie“. Tatsächlich, ca. 500 m von uns entfernt zogen ein paar Wale an uns vorbei! Mehrmals sah man die Fontänen und auch den breiten Rücken.

Zur Abkühlung der Euphorie erwischte es Henning auf dem Weg zurück vom Hafenbüro nasskalt und die Nacht regnete es natürlich durch… .

Doch jetzt schlagen wir ein neues Kapitel auf: wir haben die südliche Hälfte Sardiniens erreicht! In dem wunderschönen Hafen scheint seit heute früh ab und zu sogar die Sonne.  Wir feiern das und machen seit langem mal wieder unsere Bordfahrräder klar. Nächste Woche erreichen wir ggfs mal 18° C. Unsere armen Kinder schwitzen in Mannheim bei 30° … .

Ansegeln im März – Ostern mit Wind und Sonne

Schnee auf der Großschot, Rutschgefahr auf dem Steg…, so erging es drei Siriuseignern, die Ostern in Neustadt an der Ostsee, unserem ersten Heimathafen verbracht hatten. Schön, dass wir 2016 die Amazing Grace ins Mittelmeer überführt haben. Dieser Winter war lang, dunkel und kalt gewesen. Auf Elba begrüßte uns dafür der Frühling zu Ostern zum schon traditionellen Arbeitseinsatz/Männertörn. Da schadet es gar nicht, wenn es noch unter 20 Grad bleibt.

Die Dame wurde aus dem Winterschlaf geweckt! Ein paar Wochen zuvor war ein Siriustechniker an Bord gewesen und hatte u.a. unsere Solarpanelen auf Vordermann gebracht – Dankeschön! Den Rest erledigten wir. Es wurde geschraubt, geputzt, gebohrt und alle Technik durchgecheckt.

Mit 7-9 Bft blies es die ersten Tage. Das war uns für unseren ersten Schlag dann doch zu sportlich. Aber es gab ja genug zu tun und ein Berg, den wir noch nicht bestiegen hatten, fand sich immer noch.

Mit herrlichem Wind ging es dann drei Tage raus. Selten haben wir es auf Elba erlebt, dass man den Motor nur zum aus dem Hafen fahren braucht. Angebissen hatte diesmal übrigens nur Schwiegersohn Christopher. Den hatte das Skat-Fieber gepackt. Jeden Abend wurde im gemütlichen Decksalon gereizt, geramscht und gestochen.

Fazit: auf Elba ist immer Saison. Ende April soll es in einer Acht rund Korsika und Sardinien gehen – Yiepiehhh

Silvester an Bord – manchmal reicht auch ruhig

„Das ist aber echt etwas dürftig“, sagte unsere Tochter Marie-Sophie kurz nach Mitternacht an Silvester. Wir standen im Stadthafen von Portoferraio, der Inselhauptstadt von Elba, wo sich alle 30.000 Inselbewohner zum Feiern versammelt hatten. Ganze drei Raketen waren abgefeuert worden und wir waren schon auf dem Weg zurück zu unserem Boot in die Edil Nautica Marina… dann ging es los: ein Feuerwerk, wie wir es noch nie gesehen hatten. Von der Festung am Hafeneingang wurde 20 Minuten ein Spektakel abgefackelt, dessen Reste leider zum Teil auch auf den im Stadthafen überwinternden Segelbooten landete.

Elba gehört um diese Jahreszeit den Einheimischen. Wir waren das einzige Segelboot, das am 29.12. 2017 auslief, vor Cavo ankerte und auch das einzige, das tags drauf wieder nach Portoferraio einlief. Dort blieben wir dann auch besser. Ein Sturmtief nach dem anderen zog durch. Am Steg hatten wir einmal über 50 Knoten Wind. Da zogen wir den sicheren Liegeplatz vor. Wir mussten uns ja nichts beweisen. Die Insel ist auch zu Lande schön, das Essen superlecker. Der Blick aus dem Decksalon reicht bis zur Festung von Portoferraio und wenn dann noch am Abend die Heizung bullerte, wurde es so richtig gemütlich. Manche würden sagen „wie ein Sommer an der Ostsee“.

Fazit: auch im Winter lohnt sich der Besuch auf der Insel. Am Südausgang des Gotthard Tunnels hatten wir uns noch durch einen Meter Neuschnee gekämpft. Auf Elba hatten wir bis zu 16°C Luft- und Wassertemperatur mit recht viel Wind. Das ist zwar immer noch kein Badewetter aber für uns ein gutes Klima.

 

Sardischer Herbst

Die steilen Felsen, auf denen Bonifacio erbaut ist, grüßen noch, wenn man die liebliche Costa Smeralda erreicht hat. Bisher haben wir die gefürchtete Straße von Bonifacio noch nie von ihrer rauen Seite gesehen – und so auch diesmal. Nach wenigen Meilen lagen wir an einer Boje an der Ostküste der Isola Budelli, einer der Inseln, die wie ein dreiblättriges Kleeblatt am Ostausgang der Straße von Bonifacio liegen. Ach wer will denn da schon weitersegeln, wenn man im Maddalena Archipel so herrliche Tage verbummeln kann, das Wasser noch bis zu 24° warm ist… .

Nach ein paar herrlichen Tagen in der wunderschönen Inselwelt ging es dann doch weiter nach Porto Cervo, dem Zentrum des Yachtsports an der Costa Smeralda. Im Herbst geht es dort aber schon recht beschaulich zu. Die meisten Liegeplätze waren Mitte Oktober bereits verwaist. Einzigartig der Hafenmeister: Morgens, fünf vor neun, meldeten wir uns per Funk bei ihm an und er bat uns schon mal, an das Hafenende durchzufahren. Dort angekommen, brauste an uns ein Gummiboot mit 25 Knoten vorbei. Darauf stramm stehend, wie ein Zinnsoldat, den Blick stur geradeaus, die Nase nach oben: der Hafenmeister. Er war so schnell unterwegs, dass er erst beim Hafenausgang bemerkte, dass er an uns vorbei gebraust war. Der Service anschließend war aber exzellent. Und für die 250€ Kaution für den Adapter für die Starkstromanschlüsse der Superyachten kann er ja auch nichts… .

Von Porto Cervo aus brachten wir unsere Tochter Leni und ihren Mann Chris nach Alghero auf den Flughafen. Schade, dass wir es dieses Mal nur auf vier Rädern und nicht auf eigenem Kiel dorthin geschafft hatten. Das historische Städtchen mit den Restaurants auf der Hafenmauer ist es wirklich wert, das nächste mal die Ostküste Sardiniens zu erkunden. Aber man muss ja auch ein Ziel für die nächste Saison haben…

Jetzt ging es erst einmal zu zweit zurück nach Elba – auch wieder schön! Die Amazing Grace bleibt diesen Winter im Wasser. Wir freuen uns auf das Silvestersegeln.