Ansegeln im März – Ostern mit Wind und Sonne

Schnee auf der Großschot, Rutschgefahr auf dem Steg…, so erging es drei Siriuseignern, die Ostern in Neustadt an der Ostsee, unserem ersten Heimathafen verbracht hatten. Schön, dass wir 2016 die Amazing Grace ins Mittelmeer überführt haben. Dieser Winter war lang, dunkel und kalt gewesen. Auf Elba begrüßte uns dafür der Frühling zu Ostern zum schon traditionellen Arbeitseinsatz/Männertörn. Da schadet es gar nicht, wenn es noch unter 20 Grad bleibt.

Die Dame wurde aus dem Winterschlaf geweckt! Ein paar Wochen zuvor war ein Siriustechniker an Bord gewesen und hatte u.a. unsere Solarpanelen auf Vordermann gebracht – Dankeschön! Den Rest erledigten wir. Es wurde geschraubt, geputzt, gebohrt und alle Technik durchgecheckt.

Mit 7-9 Bft blies es die ersten Tage. Das war uns für unseren ersten Schlag dann doch zu sportlich. Aber es gab ja genug zu tun und ein Berg, den wir noch nicht bestiegen hatten, fand sich immer noch.

Mit herrlichem Wind ging es dann drei Tage raus. Selten haben wir es auf Elba erlebt, dass man den Motor nur zum aus dem Hafen fahren braucht. Angebissen hatte diesmal übrigens nur Schwiegersohn Christopher. Den hatte das Skat-Fieber gepackt. Jeden Abend wurde im gemütlichen Decksalon gereizt, geramscht und gestochen.

Fazit: auf Elba ist immer Saison. Ende April soll es in einer Acht rund Korsika und Sardinien gehen – Yiepiehhh

Silvester an Bord – manchmal reicht auch ruhig

„Das ist aber echt etwas dürftig“, sagte unsere Tochter Marie-Sophie kurz nach Mitternacht an Silvester. Wir standen im Stadthafen von Portoferraio, der Inselhauptstadt von Elba, wo sich alle 30.000 Inselbewohner zum Feiern versammelt hatten. Ganze drei Raketen waren abgefeuert worden und wir waren schon auf dem Weg zurück zu unserem Boot in die Edil Nautica Marina… dann ging es los: ein Feuerwerk, wie wir es noch nie gesehen hatten. Von der Festung am Hafeneingang wurde 20 Minuten ein Spektakel abgefackelt, dessen Reste leider zum Teil auch auf den im Stadthafen überwinternden Segelbooten landete.

Elba gehört um diese Jahreszeit den Einheimischen. Wir waren das einzige Segelboot, das am 29.12. 2017 auslief, vor Cavo ankerte und auch das einzige, das tags drauf wieder nach Portoferraio einlief. Dort blieben wir dann auch besser. Ein Sturmtief nach dem anderen zog durch. Am Steg hatten wir einmal über 50 Knoten Wind. Da zogen wir den sicheren Liegeplatz vor. Wir mussten uns ja nichts beweisen. Die Insel ist auch zu Lande schön, das Essen superlecker. Der Blick aus dem Decksalon reicht bis zur Festung von Portoferraio und wenn dann noch am Abend die Heizung bullerte, wurde es so richtig gemütlich. Manche würden sagen „wie ein Sommer an der Ostsee“.

Fazit: auch im Winter lohnt sich der Besuch auf der Insel. Am Südausgang des Gotthard Tunnels hatten wir uns noch durch einen Meter Neuschnee gekämpft. Auf Elba hatten wir bis zu 16°C Luft- und Wassertemperatur mit recht viel Wind. Das ist zwar immer noch kein Badewetter aber für uns ein gutes Klima.

 

Sardischer Herbst

Die steilen Felsen, auf denen Bonifacio erbaut ist, grüßen noch, wenn man die liebliche Costa Smeralda erreicht hat. Bisher haben wir die gefürchtete Straße von Bonifacio noch nie von ihrer rauen Seite gesehen – und so auch diesmal. Nach wenigen Meilen lagen wir an einer Boje an der Ostküste der Isola Budelli, einer der Inseln, die wie ein dreiblättriges Kleeblatt am Ostausgang der Straße von Bonifacio liegen. Ach wer will denn da schon weitersegeln, wenn man im Maddalena Archipel so herrliche Tage verbummeln kann, das Wasser noch bis zu 24° warm ist… .

Nach ein paar herrlichen Tagen in der wunderschönen Inselwelt ging es dann doch weiter nach Porto Cervo, dem Zentrum des Yachtsports an der Costa Smeralda. Im Herbst geht es dort aber schon recht beschaulich zu. Die meisten Liegeplätze waren Mitte Oktober bereits verwaist. Einzigartig der Hafenmeister: Morgens, fünf vor neun, meldeten wir uns per Funk bei ihm an und er bat uns schon mal, an das Hafenende durchzufahren. Dort angekommen, brauste an uns ein Gummiboot mit 25 Knoten vorbei. Darauf stramm stehend, wie ein Zinnsoldat, den Blick stur geradeaus, die Nase nach oben: der Hafenmeister. Er war so schnell unterwegs, dass er erst beim Hafenausgang bemerkte, dass er an uns vorbei gebraust war. Der Service anschließend war aber exzellent. Und für die 250€ Kaution für den Adapter für die Starkstromanschlüsse der Superyachten kann er ja auch nichts… .

Von Porto Cervo aus brachten wir unsere Tochter Leni und ihren Mann Chris nach Alghero auf den Flughafen. Schade, dass wir es dieses Mal nur auf vier Rädern und nicht auf eigenem Kiel dorthin geschafft hatten. Das historische Städtchen mit den Restaurants auf der Hafenmauer ist es wirklich wert, das nächste mal die Ostküste Sardiniens zu erkunden. Aber man muss ja auch ein Ziel für die nächste Saison haben…

Jetzt ging es erst einmal zu zweit zurück nach Elba – auch wieder schön! Die Amazing Grace bleibt diesen Winter im Wasser. Wir freuen uns auf das Silvestersegeln.

Kissing Corse

Die Liebe zu Korsika ist in uns beiden wachgeküsst!! Die Stippvisite im Frühjahr an der Nordküste hatte uns den Appetit geweckt:

http://sailing-amazing-grace.com/2017/06/korsikas-nordwesten-buchten-vom-allerbesten/

Bei unserem Herbsttörn wollten wir unbedingt mehr vom Westen dieser wilden Mittelmeerinsel entdecken. Aber zuvor war einiges an unserem Schiff zu tun, das unsere handwerklichen Kenntnisse überstieg. Dazu hatte sich extra ein Serviceteam der Siriuswerft aus Plön auf den langen Weg nach Elba gemacht. Vier Tage werkelten die Jungs unter Hochdruck. Dann tauschte die lokale Werft noch die Dieselpumpe am Motor aus, und wir konnten die „Amazing Grace“ fast wie neu wieder ins Wasser setzen.

Mit dabei: unsere Tochter Leni und ihr Mann Chris, die letztes Jahr mit uns in Andalusien auf dem Weg ins Mittelmeer ihre Flitterwochen verbracht haben. Ein guter Tag ging ins Land bis alle Segel angeschlagen, die Einkäufe verstaut und wir auslaufbereit waren. Wie herrlich ist dann die erste Nacht in einer schönen Bucht auf Elba!

Über die Insel Capraia ging es wieder zum Cap Corse, dem nördlichsten Punkt Korsikas, wo wir bei südlichen Winden nochmals ruhig und sicher lagen. Ab dann gab es ein munteres Wechselspiel von herrlichen Buchten, steil aufragenden Klippen, Gebirge sowie wunderschönen, historischen Städtchen. Aber Obacht: ganz schnell kann es auch mal 2-4 Tage blasen – wie auch bei uns. Eine Nacht ankerten wir noch in der Bucht von Calvi, doch dann verholten wir uns flugs für zwei Nächte in den Hafen, Während sich ums Kap schnell drei Meter Welle aus Südwesten aufbaute, erkundeten wir die nähere Umgebung zu Fuß. Richtig gut geschützte Buchten gibt es gar nicht so viele an Korsikas Westküste. Vor allem, wenn noch lange ein guter Meter Schwell aus Westen nachläuft. So machten wir doch große Schläge in Richtung Korsikas Süden. Aber die wilde Küste hat uns Lust darauf gemacht, sie bei günstigeren Verhältnissen zu erkunden.


Bonifacio ist immer ein Highlight als letzter Hafen im Süden von Korsika vor dem Sprung nach Sardinien. Fast 20 Meilen lieferten wir uns auf dem Weg dahin mit achterlichem leichten Wind eine kleine Regatta mit einer Gib Sea 51, die Sylvia erfolgreich auf Distanz halten konnte. Henning war zutiefst frustriert als die Crew dann, nur unter Genua, fröhlich winkend an uns im Luv vorbei zog. Die Ehre war erst wieder hergestellt als wir die Auspuffgase rochen und das Kühlwasser austreten sahen.

Die Felsen von Bonifacio, geküsst von der Abendsonne, sind wunderschön. Der Hafen im Fjord und das Städtchen auf den überhängenden Felsen sind eines der schönsten Ecken im Mittelmeer. Leicht getrübt wurde der Aufenthalt nur von einer Chartercrew, die während unseres Landgangs beim missglückten Ablegemanöver unser Dingi am Heck als Fender benutzte, uns unseren Flaggenstock abgebrochen hinterließ und schnöde Fahrerflucht begann. Wenn die wüssten, dass sie von aufmerksamen Nachbarn fotografiert worden sind. Man trifft sich immer zweimal… . Aber davon lassen wir uns Korsika nicht vermiesen.

FEUER WASSER HIMMEL

So schnell konnte man gar nicht an einen Feuerlöscher denken, wie die Stichflamme zur Baumnock hochschlug. Aber von vorne:

Familiensegeln war angesagt! Alle unsere vier Kinder hatten sich auf Elba eingefunden um Kindheitserinnerungen aufzufrischen. Teils herbergten sie an Land, teils wurde die „Amazing Grace“ schwimmende Jugendherberge. Je nach Windrichtung verabredeten wir uns dann in einer der unzähligen Ankerbuchten von Elba. Glasklares Wasser, angenehme Temperaturen – soviel geschwommen und geschnorchelt hatten wir noch nie bei einem Segelurlaub.

Höher und immer höher ging es gen Himmel; einmal hoch in den Mast, weil sich ein Fall vertörnt hatte, aber das waren nur 20 Meter. Ein anderes mal ging es auf 1000 Meter hinauf zum Monte Capane, dem höchsten Berg der Insel. Die Jungs hatten sich mit dicken Stecken gegen die allgegenwärtigen Wildschweine gewappnet. Doch keines wurde gesichtet. Dafür stand ein paar Tage später bei einem Abendspaziergang nahe der Küste, völlig überraschend eine ausgewachsene Wildsau vor uns auf dem Weg. Gemächlich trollte sie sich ins Gebüsch. Wir sangen lauthals klatschend wie die Weltmeister bis wir am Strand zurück waren.

Doch zurück zu unserer Stichflamme. An einem lauschigen Abend kam das Induktionskochfeld mal wieder in die Plicht. Der Duft von leckeren Hamburgern durchzog die Bucht. Dann hatte jemand die Idee, das Menü mit flambierten Bananencrepes zu krönen, wir hatten ja noch reichlich Rum aus Gibraltar an Bord. Doch wer hätte gedacht, dass da so eine Stichflamme hochschoss – war wohl etwas zu viel des Guten gewesen … . Zum Glück war das Großsegel gut eingepackt gewesen. Man lernt nie aus!

Für den Sommer haben wir unser Schiff wieder an Land gestellt. Uns ist es da einfach zu warm und zu voll. Sollen doch die Italiener ihre Ferien genießen. Außerdem muss unsere lange Reparaturliste abgearbeitet werden, bevor es Ende September nochmal nach Sardinien gehen soll.

Korsikas Nordwesten – Buchten vom allerbesten

„Thunderstorms over Corse“, so lautete der Beitrag auf unserem Segelblog letzten Herbst http://sailing-amazing-grace.com/2016/11/thunderstorms-over-corse-das-wilde-korsika/

Drei Tage hielt uns Ende November ein Gewittersturm in Bastia im Nordosten gefangen. Mit gehörigem Respekt starteten wir deshalb Richtung Korsikas Nordwesten, der uns letzten Herbst wegen bis zu 5 Meter hohen Wellen verwehrt geblieben war. Und dann das komplette Kontrastprogramm. Ankerbuchten vom Feinsten und dazwischen nette Hafenstädtchen. Das alles vor der imposanten Kulisse eines z.T. schneebedeckten, bis zu 2.500 m hohen Gebirges.


So hangelten wir uns mit meist milden südlichen Winden von Bucht zu Bucht, oder ankerten auf Reede mit ab und an einem Hafenstopp in Saint Florent, L’IIle Rousse oder Calvi. Ein Ort charmanter als der andere.

Einmal klangen vom Nachbarschiff Gitarrenklänge. Sylvia schnappte ihre Fidel und spielte die Melodie mit und kurz darauf saßen vier pensionierte Italiener auf Männertörn bei uns an Bord. Wir hatten den Wein und das Klavier. Sie brachten Vorspeise, Risotto frutti di mare, ein frisches Tiramisu und die Gitarre. Es wurde ein lustiger Abend… .

In das Gebirge führte uns eine Zuckelbahn mit unglaublichen Windungen. Einen ungeplanten Stopp gab´s in einem Tunnel, weil sich Kühe ein schattiges Plätzchen gesucht hatten – ein echtes Kontrastprogramm zum ICE.

Ach ja, der korsische Käse: eine echte Geruchs- und Geschacksbombe. Sylvia traut sich bis heute, ihn nur mit Zewas anzufassen – lecker!

Nach zwei Wochen trauter Zweisamkeit freuen wir uns darauf, die nächsten zwei Wochen mit unseren Kindern zu verbringen.

Einmal rund – mit Wetter kunterbunt

Einmal rund – mit Wetter kunterbunt

Na das war mal ein Ansegeln: das lange Wochenende mit dem 1. Mai Feiertag hatten wir genutzt, dass auch Sylvia mal wieder auf ihr „Schiffle“ durfte – es waren ja auch schon gut vier Monate her, seit sie sich von „Amazing Grace“ vor Weihnachten auf Elba verabschiedet hatte. Henning hatte ja schon über Ostern mit den Jungs den Anfang gemacht.

Die Insel begrüßte uns mit kräftigen, im Uhrzeigersinn drehenden, Winden. Die konnten wir nutzen um einmal rundherum zu segeln, ohne das eiserne Segel oft anschmeißen zu müssen. Das sind zwar nur ca 60 sm aber durch die hohen Berge hat man selten das Vergnügen auf allen Seiten guten Wind zu haben. Zwei herrliche Nächte vor Anker an der Südseite der Insel waren auch dabei.

Als es in der Fetovaia Bucht auf einmal nur so von Wochenendseglern vom Festland wimmelte, bekamen wir schon einmal einen Vorgeschmack auf die italienische Ankerpraxis: schwojen bis fast auf Tuchfühlung und Partymode gehören einfach dazu. Und keiner regt sich auf – wir auch nicht!

Die letzten Meilen zu unserem Heimathafen wurden noch überraschend sportlich. Am Schluss stand von unserer Segelgarderobe nur noch die kleine Fock um in die Bucht von Portoferraio hinein zu kreuzen. In der Marina bei seitlichen Böen von immer noch bis zu 6 Bft zu zweit römisch-katholisch anzulegen kostete dann doch einigen Schweiß. Aber zum Glück waren wir fertig bevor der große Schauer kam.

Am Abend vor der Abreise waren wir uns einig: ja, die „Amazing Grace“ ist immer noch unser zweites Zuhause, wie sie es die acht Monate letztes Jahr war… und es fühlt sich sooo gut an! Zum Glück geht es in gut zwei Wochen schon weiter Richtung Korsika.

Ansegeln Elba Ostern 2017 – Männersache

Jemand musste es ja machen: Die „Amazing Grace“ aus dem Winterschlaf küssen. Dieses Jahr war das Männersache. Skipper, Skipperssohn, Schwiegersohn und Schwiegersohn in spe machten sich auf den Weg nach Elba zum Arbeitseinsatz. Auf dem Weg erreichte uns die Nachricht, dass einer von zwei Kränen der Werft, die unser Schiff wieder in sein Element befördern sollten, kaputt sei. Alle unsere Pläne schienen zu zerbröseln. Doch kaum waren wir auf der Werft angekommen, ging alles blitzschnell. „Euer Schiff kommt schon in einer Stunde ins Wasser“, sagte uns Jörg, der über den Winter auf unser Schiff aufgepasst und es gewartet hatte. Er hatte seine Beziehungen spielen lassen – Italien halt… . Schnell noch auf die letzten Stellen Antifouling aufgetragen und los ging´s. Einen kleinen Herzschlagmoment gab es noch, als die „Amazing Grace“ gerade frei von den Gurten schwamm und dann der Motor ausging. Wir konnten zum Glück gerade noch eine Leine an Land rüber werfen und nach ein paarmal Diesel pumpen, danach lief der Volvo wie am Schnürchen. Da war wohl noch etwas Luft im System gewesen. Der Kerl bleibt unter Beobachtung!!!

Dank fleißiger Hände und guter Pflege über den Winter war „Amazing Grace“ am zweiten Tag schon reisefertig. Klar, dass uns nichts mehr im Hafen hielt. Dolce Vita war angesagt: ein paar Stunden segeln und ab ging´s in die nächste Bucht. Am Strand hatte schon die erste Bar geöffnet und das Wasser hatte schon 18° – alles wollte ausprobiert werden. Sogar die Wasserschutzpolizei „probierte“ zum Saisonbeginn schon das Schiffe- kontrollieren: mit einem Kescher wurden die Bootspapiere in Empfang genommen, gecheckt und wieder zurück gereicht. Zum Glück hatten wir exakt 200 Meter vom Strand entfernt auf Sandgrund geankert. Bei Übertretung wird gerne das italienische Staatsdefizit aufgebessert.

Außerdem wurde mal wieder Wenden, Halsen und Mann über Bord Manöver trainiert. Ostersonntag ging es nach einem kleinen Bordgottesdienst nach Marciana Marina. Da wurde es später sogar noch richtig voll. Alle italienischen Segler vom Festland, die ihr Boot im Wasser hatten, schienen sich diesen Hafen als Osterausflug ausgeguckt zu haben.

Das Fazit: alles in gutem Zustand um in dieser Saison Elba, Korsika und Sardinien unsicher zu machen. Die Skippersfrau kann in zwei Wochen zur „Inspektion“ kommen. Und die italienische Küche ist einfach auf einem dollen Niveau… .

 

Am 6.12. feierte „Amazing Grace nicht Nikolaus, sondern (St.) Martin

Vier Tage hatten wir in Portoferraio, unserem neuen Heimathafen, schon auf der „Amazing Grace“ gewerkelt, um sie winterfest zu machen: zum Beispiel Segel abspritzen- trocknen- abnehmen- verpacken, Motortests wegen Ölverlust, Flugrost am Edelstahl wegpolieren, Holz pflegen, Logge „entmuscheln“ etc. Aber es gab noch sooooo viele offene Punkte auf unserer ToDo list.

Und dann kam am Nikolaustag, dem 6.12., Martin auf unser Schiff. Martin ist ein Servicetechniker der Siriuswerft aus Plön. Nein, nicht EIN Servicetechniker, sondern DER Servicetechniker, der die „Amazing Grace“ sozusagen von Geburt an betreut und, mit Unterstützung seiner Kollegen, alle anfälligen Kinderkrankheiten behoben hat, bis es im Mai auf große Fahrt ging. An diesem Tag schmolz die ToDo list nur so dahin. Zwischendurch kam die „Amazing Grace“ noch aus dem Wasser auf einen schönen Stellplatz mit Blick auf’s Restaurant des Yachtclubs.

Von 8:30 bis 23:00 wurden Klemmen und Fallen getauscht, die Notbadeleiter neu eingeklebt, Heizungsschläuche fixiert, Wasserfilter eingebaut und vieles mehr. Martin hat ein ungeheures Fachwissen und einen feinen Humor, der ihm auch nicht im Unterzucker, kurz vor 22:00, verloren geht. So haben wir noch nebenbei viel gelernt und das zusammen Arbeiten hat viel Spaß gemacht. Vor über zwei Jahren waren wir ja primär wegen des guten Rufes des After-Sales-Service auf die Werft aufmerksam geworden. Wir haben es nicht bereut. Auch hilfreich ist, dass jede Bauphase ausführlich mit Fotos dokumentiert wurde. Das hilft z.B., wenn mal eine Frage auftaucht, wo was verbaut ist. Martin – vielen Dank Dir!

Im Vergleich zu den letztjährigen Vorbereitungen auf das Winterlager, Ende Oktober bei 5°C an der diesigen Ostsee, ist das auf Elba bei bis zu 16°C und meist Sonnenschein schon eine feine Sache. Vor allem, da unser Liegeplatz vor dem Auswassern direkt am Hafenrestaurant lag. Völlig unscheinbar trauten wir uns am ersten Tag gar nicht rein. Aber dann war es eine kulinarische Offenbarung. Wir verbrachten fast alle Mittagspausen dort und gestehen ein, dass unsere Produktivität vormittags höher war als nachmittags… .

Dann war es soweit: Nachdem die „Amazing Grace“ ihr Plätzchen an Land auf ihren Twinkielen, neben netten anderen Booten gefunden hatte, begann für uns wieder das Landleben. Wir zogen um in eine nette B&B in Portoferraio. Aber damit die Umgewöhnung nicht ganz so heftig wurde, haben wir uns ein Zimmer direkt am schönen alten Hafen ausgesucht. Jeden Tag haben wir ein paar Stündchen auf dem Schiff „gewurstelt“ und jetzt können wir sie bald guten Gewissens für ein paar Monate alleine lassen. Unser Freund Jörg passt vor Ort auf die „Amazing Grace“ auf und koordiniert, was noch zu tun ist, damit man sie nach den 4200 sm wieder wie neu ins Wasser setzten kann. Im Frühjahr soll das Mädchen tip top fit für die nächsten Abenteuer sein.


An dieser Stelle wollen wir uns ganz herzlich bei Euch treuen Blogbesuchern bedanken, insbesondere für die vielen ermutigenden Kommentare und Emails. Wir werden für alle, die es interessiert, in den nächsten Tagen noch unsere Erfahrungen mit Route, Schiff und Ausrüstung zusammenfassen. Vielleicht kann davon ja jemand, der sich mit ähnlichen Plänen trägt, profitieren. Bis bald!

Sylvia und Henning

Elba, die Perle der Toskana

Schon von weitem sieht man den 1000 m aus dem Wasser ragenden Monte Capane – meist mit einer Wolkenkappe umhüllt. Monte Christo, Capraia, Pianosa, Giglio, Gianutri, so heißen die Inseln des toskanischen Archipels. Doch Elba ist die schönste und größte der Inseln. Dort zog es uns hin, um unsere Reise vorerst zu beenden. Ganz im Gegensatz zu Napoleon, der hier vor 202 Jahren nur so schnell wie möglich wieder weg wollte. Wir waren hier vor fast 20 Jahren das erste mal unter Segeln und dann haben wir mit der Familie immer wieder in dem selben Ferienhaus unseren Urlaub verbracht . Wie vertraut doch noch alles war, ein klein bisschen „ nach Hause kommen“, wo man jede Bucht und jedes Örtchen kennt.

Von Korsika kommend, verbrachten wir zwei Nächte in wunderschönen Buchten, die – im Gegensatz zum Sommer – absolut einsam waren und mit herrlichem Sternenhimmel gekrönt waren. Dort waren wir auch am 1. Advent, und es fehlte an Bord der „Amazing Grace“ an nichts: Adventskranz und Christstollen, aber auch – und das gab’s noch nie – einen Adventsschwimm’ im noch 20° warmen Wasser.

Porto Azzuro ist unser Lieblingshafen auf Elba. Dort suchten wir für zwei Tage Schutz, weil mal wieder eine Front mit 7-9 Bft durchzog. Es war im Hafen noch schaukelig genug. Wir nutzten die Hafentage um ausgiebig die italienische Küche zu genießen, aber auch die Kalorien bei Inseltouren mit unseren Klapprädern abzustrampeln. Dabei hat es uns traditionell die Halbinsel Capoliveri mit dem unglaublichen Panorama des Golfo Stella besonders angetan. Fahrräder an Bord sind einfach eine dolle Sache, erweitern sie den Aktionsspielraum doch enorm. Ab und an trifft man noch jemanden im Hafen und so verbrachten wir mit Uschi und Pino, die es meist vorziehen auf ihrem Motorboot, statt in ihrem Haus auf Elba zu leben, einen netten Abend.

Im Norden von Elba liegt Marciana Marina, direkt am Fuße des Monte Capane, ein nettes Hafenstädtchen, das wir uns auch noch anschauen wollten. Hier haben wir vor 15 Jahren mit den Kindern eine Sturmnacht durchwacht, mit mehr als 50 kn Wind im Hafen. Inzwischen ist auch hier die maritime Infrastruktur ausgebaut worden.

Jetzt fehlen uns nur noch 10 sm nach Portoferraio, der Inselhauptstadt, wo wir einige kleinere Reparaturen abschließen und unser Schiff winterfest machen wollen. Ja, unsere Reise bis nach Elba fortzusetzen, hat sich definitiv gelohnt!