Drei Inseln rund, Teil 2: Wildlife Sardinien

„Henning, da – Wale!!!!“ gellte es vom Vordeck kurz nachdem wir in der Frühe aus Santa Maria Navarrese ausgelaufen waren. Henning war gerade beim Kaffeekochen und stürmte an Deck. Tatsächlich: backbord, 150 – 200 Meter von uns entfernt, tauchte immer wieder ein schwarzer Rücken auf, begleitet von prustenden Fontänen. So nahe hatten wir solch einen riesigen Kerl noch nie bei uns gesehen. Sylvia verzog sich vor Respekt sicherheitshalber in die Plicht, aber die Kerle zogen unbeeindruckt entgegen unserer Richtun

g an uns vorbei. Ob wir die gleichen Tiere schon bei unserer Einfahrt in den Hafen vor zwei Tagen gesehen hatten? So vieles lebt unter Wasser in einer Welt, von der wir, wenn wir einfach so Drübersegeln, meist gar nichts mitbekommen.

Außer es passiert folgendes: prrrrrrrrrrrrrrrrrrr –mit pfeifendem Geräusch läuft die Angelleine raus, schneller und immer schneller.  Chris, unser Schwiegersohn, den wir mit unserer Tochter Leni in Cagliari, im Süden Sardiniens an Bord genommen hatten, stürzte zur Angel und versuchte die Kräfte des Fisches zu ermüden, indem er die Leine immer wieder stoppte. „Das ist ein riesiger Kerl, ich kann ihn nicht halten“, ruft er. Der Fisch zieht mit voller Kraft nach achtern weg, das Boot steuert mit ordentlich Schräglage und Welle hart am Wind bei 6Bft im zweiten Reff in die andere Richtung. Eigentlich müsste man das Schiff jetzt so schnell wie möglich aufstoppen. Aber das bekommen wir bei diesen Verhältnissen, bei viel Wind und Nieselregen nicht so schnell hin. Mit einer Selbstwendefock ist Beidrehen auch nicht so einfach. Nach 500 m Leine ist Schluss und auf einmal ist der Druck weg von der Leine. Ganz leicht lässt sie sich einholen. Das wäre unser Thunfisch gewesen … schade! Enttäuschung an Bord.

Später im wunderschönen Hafen von Carloforte auf der Isola di San Pietro im äußersten Südwesten Sardiniens erfahren wir, dass wir im früheren Zentrum des Thunfischfangs sind. Die Thunfischbestände haben sich etwas erholt und der Rotflossenthun wandert im Frühjahr entlang der Westküste Sardiniens südwärts. Aber die ganze Küste Sardiniens entlang beißt bei uns kein Schwanz mehr!

Und dann ist da auch noch der wilde Mistral, der kalte Nordwind, der aus dem Rhonetal mit Sturmstärke in den Löwengolf bläst und an die korsische und sardische Westküste 3-4 Meter hohe Welle, sowie Starkwind schickt. Dank guter Wettervorhersagen wussten wir rechtzeitig Bescheid und beeilten uns auf dem Weg in den Norden von Sardinien. Ein Ankerstopp in der schon von Römern genutzten Bucht von Porto Conte, im Nordwesten Sardinien musste aber sein. Felsabstürze von bis zu 200 Metern säumen die  westliche Einfahrt.

Allgegenwärtig sind die Möwen. Vor Anker in dem wunderschönen Naturhafen von Porto Conto , fliegen die Olivenkerne zum Anlegerschluck ins Wasser, was eine Möve motiviert, neben uns auf ihren Tribut zu warten, wo wir unseren Sundowner geniessen. „Krahhhh“ schallte es vom Wasser. „Kraahhh“, schallt es vom Deck zurück: „Krahhhh“, „Kroahhh“, „Krahhhh“, „Kroahhh“, geht es hin und her, bis wir merken, dass Sylvia „möwisch“ mit dem Vogel im Wasser spricht. Die rege Konversation geht in ein Möwenrappduett über. Wir halten uns die Bäuche vor Lachen.


„UIAHHHHHH, UIAHHHHH“, schallte es tief kehlig vom Ufer der Insel Asinara. Wir lagen im Naturschutzgebiet dicht unter Land an einer Boje nachdem wir uns drei Tage vor dem Mistral in dem kleinen Hafen Stintino,  im äußersten Nordwesten Sardiniens, verkrochen hatten. Die Herzschlagpassage „Fornelli“, mit nur 3 Meter Wassertiefe, führt dorthin.

„Da, ich sehe sie“, rief Leni! Ein wilder Esel stand auf einem Fels am Ufer. Als der Regen aufgehört hatte, gingen wir auf Erkundungstour – Wildlife pur: Mehrere kleine Herden wilder Esel querten unseren Weg, der immer höher auf den höchsten Berg der Insel führte. Neugierig beobachteten sie uns mit ihrem individuellen Sicherheitsabstand, bis der jeweilige Boss der Gruppe mit lauten „UIAHHHHHHH“ das Signal zum Rückzug gab. Vor den Wildschweinen hatten wir besonderen Respekt. Nachdem ein paarmal Grunzen im Gebüsch zu hören war und plötzlich eine Bache und ein Eber vor uns standen wurde in unübersichtlichem Gelände kräftig gesungen und geklatscht, um unangenehme Überraschungen für beide Seiten zu vermeiden. Am meisten Sicherheitsabstand hielten die langhaarigen Bergziegen. Asinara ist eine ehemalige Gefängnisinsel,  die in einen Nationalpark verwandelt wurde. Das mystische Licht, die tief hängenden Wolken und die grandiose Landschaft sind etwas ganz Besonderes. Als wir uns kurz vor der Dämmerung wieder unserer Bucht näherten, konnte man einige der Gefängnisgebäude sehen, durch die jetzt wilde Esel und Ziegen sträunen – das wilde Sardinien pur!

 

 

Drei Inseln rund – Teil 1: Schottland in Sardinien

 Zum Glück sind wir Ende April beim letzten Ankerstopp auf Elba ins Wasser gesprungen, das dort immerhin schon 21°C hatte – wärmer als die Luft. Denn das war´s dann erst einmal auf unbestimmte Zeit mit Baden:

Mit 50 bis 70 Seemeilen – Schlägen zog es uns entlang der korsischen Ostküste nach Süden, in der Erwartung, dass in Sardinien die Sonne lacht und das Meer immer wärmer wird. Denkste! Selbst als wir 2016 während unseres Sabbaticals Schottland besegelten, hatten wir keinen solchen Dauerregen erlebt. Dort kletterten die Temperaturen zwar auch kaum über 16°C, aber selbst auf der nassesten Insel Schottlands, Aaran, regnete es nie tagelang durch.

Die Straße von Bonifacio querten wir noch von oben trocken, da flog dafür Wasser bei bis zu 7 Bft gegenan von unten quer. In Nordsardinien, auf der Hauptinsel La Maddalena angekommen, brauchten wir das Salzwasser nicht vom Schiff zu waschen: drei Tage regnete es durch. Aber so ist Fahrtensegeln: man macht das Beste daraus. Es knatterte um die Inseln mit bis zu 8 Bft und im Decksalon hatten wir beste Sicht während die Heizung bullerte. Wir machten es uns gemütlich und setzten nur zum Einkaufen im süßen Örtchen einen Fuß vom Boot.

„In drei Tagen ist der Niederschlag des ganzen Jahres heruntergekommen“, sagte uns der Hafenmeister des Club Nautico von La Caletta, unserem nächsten Stopp, 48 sm südöstlich. Während des Platschregens, der uns die letzten zwei Stunden und beim Anlegen begleitete war das Dach des schönen Clubhauses undicht geworden und der schöne große Billardtisch war zum Goldfischteich geworden.


Doch dann geschah es: tags drauf blieb es während des langen Segeltages nach Santa Maria Navarrese beinahe trocken. Um uns herum gingen die Schauer nieder, doch für uns gab es nur etwas Sprühregen. Zehn Minuten vor der Hafeneinfahrt schrie Sylvia „Wale – da blasen sie“. Tatsächlich, ca. 500 m von uns entfernt zogen ein paar Wale an uns vorbei! Mehrmals sah man die Fontänen und auch den breiten Rücken.

Zur Abkühlung der Euphorie erwischte es Henning auf dem Weg zurück vom Hafenbüro nasskalt und die Nacht regnete es natürlich durch… .

Doch jetzt schlagen wir ein neues Kapitel auf: wir haben die südliche Hälfte Sardiniens erreicht! In dem wunderschönen Hafen scheint seit heute früh ab und zu sogar die Sonne.  Wir feiern das und machen seit langem mal wieder unsere Bordfahrräder klar. Nächste Woche erreichen wir ggfs mal 18° C. Unsere armen Kinder schwitzen in Mannheim bei 30° … .

Ansegeln im März – Ostern mit Wind und Sonne

Schnee auf der Großschot, Rutschgefahr auf dem Steg…, so erging es drei Siriuseignern, die Ostern in Neustadt an der Ostsee, unserem ersten Heimathafen verbracht hatten. Schön, dass wir 2016 die Amazing Grace ins Mittelmeer überführt haben. Dieser Winter war lang, dunkel und kalt gewesen. Auf Elba begrüßte uns dafür der Frühling zu Ostern zum schon traditionellen Arbeitseinsatz/Männertörn. Da schadet es gar nicht, wenn es noch unter 20 Grad bleibt.

Die Dame wurde aus dem Winterschlaf geweckt! Ein paar Wochen zuvor war ein Siriustechniker an Bord gewesen und hatte u.a. unsere Solarpanelen auf Vordermann gebracht – Dankeschön! Den Rest erledigten wir. Es wurde geschraubt, geputzt, gebohrt und alle Technik durchgecheckt.

Mit 7-9 Bft blies es die ersten Tage. Das war uns für unseren ersten Schlag dann doch zu sportlich. Aber es gab ja genug zu tun und ein Berg, den wir noch nicht bestiegen hatten, fand sich immer noch.

Mit herrlichem Wind ging es dann drei Tage raus. Selten haben wir es auf Elba erlebt, dass man den Motor nur zum aus dem Hafen fahren braucht. Angebissen hatte diesmal übrigens nur Schwiegersohn Christopher. Den hatte das Skat-Fieber gepackt. Jeden Abend wurde im gemütlichen Decksalon gereizt, geramscht und gestochen.

Fazit: auf Elba ist immer Saison. Ende April soll es in einer Acht rund Korsika und Sardinien gehen – Yiepiehhh

Silvester an Bord – manchmal reicht auch ruhig

„Das ist aber echt etwas dürftig“, sagte unsere Tochter Marie-Sophie kurz nach Mitternacht an Silvester. Wir standen im Stadthafen von Portoferraio, der Inselhauptstadt von Elba, wo sich alle 30.000 Inselbewohner zum Feiern versammelt hatten. Ganze drei Raketen waren abgefeuert worden und wir waren schon auf dem Weg zurück zu unserem Boot in die Edil Nautica Marina… dann ging es los: ein Feuerwerk, wie wir es noch nie gesehen hatten. Von der Festung am Hafeneingang wurde 20 Minuten ein Spektakel abgefackelt, dessen Reste leider zum Teil auch auf den im Stadthafen überwinternden Segelbooten landete.

Elba gehört um diese Jahreszeit den Einheimischen. Wir waren das einzige Segelboot, das am 29.12. 2017 auslief, vor Cavo ankerte und auch das einzige, das tags drauf wieder nach Portoferraio einlief. Dort blieben wir dann auch besser. Ein Sturmtief nach dem anderen zog durch. Am Steg hatten wir einmal über 50 Knoten Wind. Da zogen wir den sicheren Liegeplatz vor. Wir mussten uns ja nichts beweisen. Die Insel ist auch zu Lande schön, das Essen superlecker. Der Blick aus dem Decksalon reicht bis zur Festung von Portoferraio und wenn dann noch am Abend die Heizung bullerte, wurde es so richtig gemütlich. Manche würden sagen „wie ein Sommer an der Ostsee“.

Fazit: auch im Winter lohnt sich der Besuch auf der Insel. Am Südausgang des Gotthard Tunnels hatten wir uns noch durch einen Meter Neuschnee gekämpft. Auf Elba hatten wir bis zu 16°C Luft- und Wassertemperatur mit recht viel Wind. Das ist zwar immer noch kein Badewetter aber für uns ein gutes Klima.

 

Sardischer Herbst

Die steilen Felsen, auf denen Bonifacio erbaut ist, grüßen noch, wenn man die liebliche Costa Smeralda erreicht hat. Bisher haben wir die gefürchtete Straße von Bonifacio noch nie von ihrer rauen Seite gesehen – und so auch diesmal. Nach wenigen Meilen lagen wir an einer Boje an der Ostküste der Isola Budelli, einer der Inseln, die wie ein dreiblättriges Kleeblatt am Ostausgang der Straße von Bonifacio liegen. Ach wer will denn da schon weitersegeln, wenn man im Maddalena Archipel so herrliche Tage verbummeln kann, das Wasser noch bis zu 24° warm ist… .

Nach ein paar herrlichen Tagen in der wunderschönen Inselwelt ging es dann doch weiter nach Porto Cervo, dem Zentrum des Yachtsports an der Costa Smeralda. Im Herbst geht es dort aber schon recht beschaulich zu. Die meisten Liegeplätze waren Mitte Oktober bereits verwaist. Einzigartig der Hafenmeister: Morgens, fünf vor neun, meldeten wir uns per Funk bei ihm an und er bat uns schon mal, an das Hafenende durchzufahren. Dort angekommen, brauste an uns ein Gummiboot mit 25 Knoten vorbei. Darauf stramm stehend, wie ein Zinnsoldat, den Blick stur geradeaus, die Nase nach oben: der Hafenmeister. Er war so schnell unterwegs, dass er erst beim Hafenausgang bemerkte, dass er an uns vorbei gebraust war. Der Service anschließend war aber exzellent. Und für die 250€ Kaution für den Adapter für die Starkstromanschlüsse der Superyachten kann er ja auch nichts… .

Von Porto Cervo aus brachten wir unsere Tochter Leni und ihren Mann Chris nach Alghero auf den Flughafen. Schade, dass wir es dieses Mal nur auf vier Rädern und nicht auf eigenem Kiel dorthin geschafft hatten. Das historische Städtchen mit den Restaurants auf der Hafenmauer ist es wirklich wert, das nächste mal die Ostküste Sardiniens zu erkunden. Aber man muss ja auch ein Ziel für die nächste Saison haben…

Jetzt ging es erst einmal zu zweit zurück nach Elba – auch wieder schön! Die Amazing Grace bleibt diesen Winter im Wasser. Wir freuen uns auf das Silvestersegeln.

Kissing Corse

Die Liebe zu Korsika ist in uns beiden wachgeküsst!! Die Stippvisite im Frühjahr an der Nordküste hatte uns den Appetit geweckt:

http://sailing-amazing-grace.com/2017/06/korsikas-nordwesten-buchten-vom-allerbesten/

Bei unserem Herbsttörn wollten wir unbedingt mehr vom Westen dieser wilden Mittelmeerinsel entdecken. Aber zuvor war einiges an unserem Schiff zu tun, das unsere handwerklichen Kenntnisse überstieg. Dazu hatte sich extra ein Serviceteam der Siriuswerft aus Plön auf den langen Weg nach Elba gemacht. Vier Tage werkelten die Jungs unter Hochdruck. Dann tauschte die lokale Werft noch die Dieselpumpe am Motor aus, und wir konnten die „Amazing Grace“ fast wie neu wieder ins Wasser setzen.

Mit dabei: unsere Tochter Leni und ihr Mann Chris, die letztes Jahr mit uns in Andalusien auf dem Weg ins Mittelmeer ihre Flitterwochen verbracht haben. Ein guter Tag ging ins Land bis alle Segel angeschlagen, die Einkäufe verstaut und wir auslaufbereit waren. Wie herrlich ist dann die erste Nacht in einer schönen Bucht auf Elba!

Über die Insel Capraia ging es wieder zum Cap Corse, dem nördlichsten Punkt Korsikas, wo wir bei südlichen Winden nochmals ruhig und sicher lagen. Ab dann gab es ein munteres Wechselspiel von herrlichen Buchten, steil aufragenden Klippen, Gebirge sowie wunderschönen, historischen Städtchen. Aber Obacht: ganz schnell kann es auch mal 2-4 Tage blasen – wie auch bei uns. Eine Nacht ankerten wir noch in der Bucht von Calvi, doch dann verholten wir uns flugs für zwei Nächte in den Hafen, Während sich ums Kap schnell drei Meter Welle aus Südwesten aufbaute, erkundeten wir die nähere Umgebung zu Fuß. Richtig gut geschützte Buchten gibt es gar nicht so viele an Korsikas Westküste. Vor allem, wenn noch lange ein guter Meter Schwell aus Westen nachläuft. So machten wir doch große Schläge in Richtung Korsikas Süden. Aber die wilde Küste hat uns Lust darauf gemacht, sie bei günstigeren Verhältnissen zu erkunden.


Bonifacio ist immer ein Highlight als letzter Hafen im Süden von Korsika vor dem Sprung nach Sardinien. Fast 20 Meilen lieferten wir uns auf dem Weg dahin mit achterlichem leichten Wind eine kleine Regatta mit einer Gib Sea 51, die Sylvia erfolgreich auf Distanz halten konnte. Henning war zutiefst frustriert als die Crew dann, nur unter Genua, fröhlich winkend an uns im Luv vorbei zog. Die Ehre war erst wieder hergestellt als wir die Auspuffgase rochen und das Kühlwasser austreten sahen.

Die Felsen von Bonifacio, geküsst von der Abendsonne, sind wunderschön. Der Hafen im Fjord und das Städtchen auf den überhängenden Felsen sind eines der schönsten Ecken im Mittelmeer. Leicht getrübt wurde der Aufenthalt nur von einer Chartercrew, die während unseres Landgangs beim missglückten Ablegemanöver unser Dingi am Heck als Fender benutzte, uns unseren Flaggenstock abgebrochen hinterließ und schnöde Fahrerflucht begann. Wenn die wüssten, dass sie von aufmerksamen Nachbarn fotografiert worden sind. Man trifft sich immer zweimal… . Aber davon lassen wir uns Korsika nicht vermiesen.

FEUER WASSER HIMMEL

So schnell konnte man gar nicht an einen Feuerlöscher denken, wie die Stichflamme zur Baumnock hochschlug. Aber von vorne:

Familiensegeln war angesagt! Alle unsere vier Kinder hatten sich auf Elba eingefunden um Kindheitserinnerungen aufzufrischen. Teils herbergten sie an Land, teils wurde die „Amazing Grace“ schwimmende Jugendherberge. Je nach Windrichtung verabredeten wir uns dann in einer der unzähligen Ankerbuchten von Elba. Glasklares Wasser, angenehme Temperaturen – soviel geschwommen und geschnorchelt hatten wir noch nie bei einem Segelurlaub.

Höher und immer höher ging es gen Himmel; einmal hoch in den Mast, weil sich ein Fall vertörnt hatte, aber das waren nur 20 Meter. Ein anderes mal ging es auf 1000 Meter hinauf zum Monte Capane, dem höchsten Berg der Insel. Die Jungs hatten sich mit dicken Stecken gegen die allgegenwärtigen Wildschweine gewappnet. Doch keines wurde gesichtet. Dafür stand ein paar Tage später bei einem Abendspaziergang nahe der Küste, völlig überraschend eine ausgewachsene Wildsau vor uns auf dem Weg. Gemächlich trollte sie sich ins Gebüsch. Wir sangen lauthals klatschend wie die Weltmeister bis wir am Strand zurück waren.

Doch zurück zu unserer Stichflamme. An einem lauschigen Abend kam das Induktionskochfeld mal wieder in die Plicht. Der Duft von leckeren Hamburgern durchzog die Bucht. Dann hatte jemand die Idee, das Menü mit flambierten Bananencrepes zu krönen, wir hatten ja noch reichlich Rum aus Gibraltar an Bord. Doch wer hätte gedacht, dass da so eine Stichflamme hochschoss – war wohl etwas zu viel des Guten gewesen … . Zum Glück war das Großsegel gut eingepackt gewesen. Man lernt nie aus!

Für den Sommer haben wir unser Schiff wieder an Land gestellt. Uns ist es da einfach zu warm und zu voll. Sollen doch die Italiener ihre Ferien genießen. Außerdem muss unsere lange Reparaturliste abgearbeitet werden, bevor es Ende September nochmal nach Sardinien gehen soll.

Korsikas Nordwesten – Buchten vom allerbesten

„Thunderstorms over Corse“, so lautete der Beitrag auf unserem Segelblog letzten Herbst http://sailing-amazing-grace.com/2016/11/thunderstorms-over-corse-das-wilde-korsika/

Drei Tage hielt uns Ende November ein Gewittersturm in Bastia im Nordosten gefangen. Mit gehörigem Respekt starteten wir deshalb Richtung Korsikas Nordwesten, der uns letzten Herbst wegen bis zu 5 Meter hohen Wellen verwehrt geblieben war. Und dann das komplette Kontrastprogramm. Ankerbuchten vom Feinsten und dazwischen nette Hafenstädtchen. Das alles vor der imposanten Kulisse eines z.T. schneebedeckten, bis zu 2.500 m hohen Gebirges.


So hangelten wir uns mit meist milden südlichen Winden von Bucht zu Bucht, oder ankerten auf Reede mit ab und an einem Hafenstopp in Saint Florent, L’IIle Rousse oder Calvi. Ein Ort charmanter als der andere.

Einmal klangen vom Nachbarschiff Gitarrenklänge. Sylvia schnappte ihre Fidel und spielte die Melodie mit und kurz darauf saßen vier pensionierte Italiener auf Männertörn bei uns an Bord. Wir hatten den Wein und das Klavier. Sie brachten Vorspeise, Risotto frutti di mare, ein frisches Tiramisu und die Gitarre. Es wurde ein lustiger Abend… .

In das Gebirge führte uns eine Zuckelbahn mit unglaublichen Windungen. Einen ungeplanten Stopp gab´s in einem Tunnel, weil sich Kühe ein schattiges Plätzchen gesucht hatten – ein echtes Kontrastprogramm zum ICE.

Ach ja, der korsische Käse: eine echte Geruchs- und Geschacksbombe. Sylvia traut sich bis heute, ihn nur mit Zewas anzufassen – lecker!

Nach zwei Wochen trauter Zweisamkeit freuen wir uns darauf, die nächsten zwei Wochen mit unseren Kindern zu verbringen.

Einmal rund – mit Wetter kunterbunt

Einmal rund – mit Wetter kunterbunt

Na das war mal ein Ansegeln: das lange Wochenende mit dem 1. Mai Feiertag hatten wir genutzt, dass auch Sylvia mal wieder auf ihr „Schiffle“ durfte – es waren ja auch schon gut vier Monate her, seit sie sich von „Amazing Grace“ vor Weihnachten auf Elba verabschiedet hatte. Henning hatte ja schon über Ostern mit den Jungs den Anfang gemacht.

Die Insel begrüßte uns mit kräftigen, im Uhrzeigersinn drehenden, Winden. Die konnten wir nutzen um einmal rundherum zu segeln, ohne das eiserne Segel oft anschmeißen zu müssen. Das sind zwar nur ca 60 sm aber durch die hohen Berge hat man selten das Vergnügen auf allen Seiten guten Wind zu haben. Zwei herrliche Nächte vor Anker an der Südseite der Insel waren auch dabei.

Als es in der Fetovaia Bucht auf einmal nur so von Wochenendseglern vom Festland wimmelte, bekamen wir schon einmal einen Vorgeschmack auf die italienische Ankerpraxis: schwojen bis fast auf Tuchfühlung und Partymode gehören einfach dazu. Und keiner regt sich auf – wir auch nicht!

Die letzten Meilen zu unserem Heimathafen wurden noch überraschend sportlich. Am Schluss stand von unserer Segelgarderobe nur noch die kleine Fock um in die Bucht von Portoferraio hinein zu kreuzen. In der Marina bei seitlichen Böen von immer noch bis zu 6 Bft zu zweit römisch-katholisch anzulegen kostete dann doch einigen Schweiß. Aber zum Glück waren wir fertig bevor der große Schauer kam.

Am Abend vor der Abreise waren wir uns einig: ja, die „Amazing Grace“ ist immer noch unser zweites Zuhause, wie sie es die acht Monate letztes Jahr war… und es fühlt sich sooo gut an! Zum Glück geht es in gut zwei Wochen schon weiter Richtung Korsika.

Ansegeln Elba Ostern 2017 – Männersache

Jemand musste es ja machen: Die „Amazing Grace“ aus dem Winterschlaf küssen. Dieses Jahr war das Männersache. Skipper, Skipperssohn, Schwiegersohn und Schwiegersohn in spe machten sich auf den Weg nach Elba zum Arbeitseinsatz. Auf dem Weg erreichte uns die Nachricht, dass einer von zwei Kränen der Werft, die unser Schiff wieder in sein Element befördern sollten, kaputt sei. Alle unsere Pläne schienen zu zerbröseln. Doch kaum waren wir auf der Werft angekommen, ging alles blitzschnell. „Euer Schiff kommt schon in einer Stunde ins Wasser“, sagte uns Jörg, der über den Winter auf unser Schiff aufgepasst und es gewartet hatte. Er hatte seine Beziehungen spielen lassen – Italien halt… . Schnell noch auf die letzten Stellen Antifouling aufgetragen und los ging´s. Einen kleinen Herzschlagmoment gab es noch, als die „Amazing Grace“ gerade frei von den Gurten schwamm und dann der Motor ausging. Wir konnten zum Glück gerade noch eine Leine an Land rüber werfen und nach ein paarmal Diesel pumpen, danach lief der Volvo wie am Schnürchen. Da war wohl noch etwas Luft im System gewesen. Der Kerl bleibt unter Beobachtung!!!

Dank fleißiger Hände und guter Pflege über den Winter war „Amazing Grace“ am zweiten Tag schon reisefertig. Klar, dass uns nichts mehr im Hafen hielt. Dolce Vita war angesagt: ein paar Stunden segeln und ab ging´s in die nächste Bucht. Am Strand hatte schon die erste Bar geöffnet und das Wasser hatte schon 18° – alles wollte ausprobiert werden. Sogar die Wasserschutzpolizei „probierte“ zum Saisonbeginn schon das Schiffe- kontrollieren: mit einem Kescher wurden die Bootspapiere in Empfang genommen, gecheckt und wieder zurück gereicht. Zum Glück hatten wir exakt 200 Meter vom Strand entfernt auf Sandgrund geankert. Bei Übertretung wird gerne das italienische Staatsdefizit aufgebessert.

Außerdem wurde mal wieder Wenden, Halsen und Mann über Bord Manöver trainiert. Ostersonntag ging es nach einem kleinen Bordgottesdienst nach Marciana Marina. Da wurde es später sogar noch richtig voll. Alle italienischen Segler vom Festland, die ihr Boot im Wasser hatten, schienen sich diesen Hafen als Osterausflug ausgeguckt zu haben.

Das Fazit: alles in gutem Zustand um in dieser Saison Elba, Korsika und Sardinien unsicher zu machen. Die Skippersfrau kann in zwei Wochen zur „Inspektion“ kommen. Und die italienische Küche ist einfach auf einem dollen Niveau… .