Korsikas Nordwesten – Buchten vom allerbesten

„Thunderstorms over Corse“, so lautete der Beitrag auf unserem Segelblog letzten Herbst http://sailing-amazing-grace.com/2016/11/thunderstorms-over-corse-das-wilde-korsika/

Drei Tage hielt uns Ende November ein Gewittersturm in Bastia im Nordosten gefangen. Mit gehörigem Respekt starteten wir deshalb Richtung Korsikas Nordwesten, der uns letzten Herbst wegen bis zu 5 Meter hohen Wellen verwehrt geblieben war. Und dann das komplette Kontrastprogramm. Ankerbuchten vom Feinsten und dazwischen nette Hafenstädtchen. Das alles vor der imposanten Kulisse eines z.T. schneebedeckten, bis zu 2.500 m hohen Gebirges.


So hangelten wir uns mit meist milden südlichen Winden von Bucht zu Bucht, oder ankerten auf Reede mit ab und an einem Hafenstopp in Saint Florent, L’IIle Rousse oder Calvi. Ein Ort charmanter als der andere.

Einmal klangen vom Nachbarschiff Gitarrenklänge. Sylvia schnappte ihre Fidel und spielte die Melodie mit und kurz darauf saßen vier pensionierte Italiener auf Männertörn bei uns an Bord. Wir hatten den Wein und das Klavier. Sie brachten Vorspeise, Risotto frutti di mare, ein frisches Tiramisu und die Gitarre. Es wurde ein lustiger Abend… .

In das Gebirge führte uns eine Zuckelbahn mit unglaublichen Windungen. Einen ungeplanten Stopp gab´s in einem Tunnel, weil sich Kühe ein schattiges Plätzchen gesucht hatten – ein echtes Kontrastprogramm zum ICE.

Ach ja, der korsische Käse: eine echte Geruchs- und Geschacksbombe. Sylvia traut sich bis heute, ihn nur mit Zewas anzufassen – lecker!

Nach zwei Wochen trauter Zweisamkeit freuen wir uns darauf, die nächsten zwei Wochen mit unseren Kindern zu verbringen.

Einmal rund – mit Wetter kunterbunt

Einmal rund – mit Wetter kunterbunt

Na das war mal ein Ansegeln: das lange Wochenende mit dem 1. Mai Feiertag hatten wir genutzt, dass auch Sylvia mal wieder auf ihr „Schiffle“ durfte – es waren ja auch schon gut vier Monate her, seit sie sich von „Amazing Grace“ vor Weihnachten auf Elba verabschiedet hatte. Henning hatte ja schon über Ostern mit den Jungs den Anfang gemacht.

Die Insel begrüßte uns mit kräftigen, im Uhrzeigersinn drehenden, Winden. Die konnten wir nutzen um einmal rundherum zu segeln, ohne das eiserne Segel oft anschmeißen zu müssen. Das sind zwar nur ca 60 sm aber durch die hohen Berge hat man selten das Vergnügen auf allen Seiten guten Wind zu haben. Zwei herrliche Nächte vor Anker an der Südseite der Insel waren auch dabei.

Als es in der Fetovaia Bucht auf einmal nur so von Wochenendseglern vom Festland wimmelte, bekamen wir schon einmal einen Vorgeschmack auf die italienische Ankerpraxis: schwojen bis fast auf Tuchfühlung und Partymode gehören einfach dazu. Und keiner regt sich auf – wir auch nicht!

Die letzten Meilen zu unserem Heimathafen wurden noch überraschend sportlich. Am Schluss stand von unserer Segelgarderobe nur noch die kleine Fock um in die Bucht von Portoferraio hinein zu kreuzen. In der Marina bei seitlichen Böen von immer noch bis zu 6 Bft zu zweit römisch-katholisch anzulegen kostete dann doch einigen Schweiß. Aber zum Glück waren wir fertig bevor der große Schauer kam.

Am Abend vor der Abreise waren wir uns einig: ja, die „Amazing Grace“ ist immer noch unser zweites Zuhause, wie sie es die acht Monate letztes Jahr war… und es fühlt sich sooo gut an! Zum Glück geht es in gut zwei Wochen schon weiter Richtung Korsika.

Ansegeln Elba Ostern 2017 – Männersache

Jemand musste es ja machen: Die „Amazing Grace“ aus dem Winterschlaf küssen. Dieses Jahr war das Männersache. Skipper, Skipperssohn, Schwiegersohn und Schwiegersohn in spe machten sich auf den Weg nach Elba zum Arbeitseinsatz. Auf dem Weg erreichte uns die Nachricht, dass einer von zwei Kränen der Werft, die unser Schiff wieder in sein Element befördern sollten, kaputt sei. Alle unsere Pläne schienen zu zerbröseln. Doch kaum waren wir auf der Werft angekommen, ging alles blitzschnell. „Euer Schiff kommt schon in einer Stunde ins Wasser“, sagte uns Jörg, der über den Winter auf unser Schiff aufgepasst und es gewartet hatte. Er hatte seine Beziehungen spielen lassen – Italien halt… . Schnell noch auf die letzten Stellen Antifouling aufgetragen und los ging´s. Einen kleinen Herzschlagmoment gab es noch, als die „Amazing Grace“ gerade frei von den Gurten schwamm und dann der Motor ausging. Wir konnten zum Glück gerade noch eine Leine an Land rüber werfen und nach ein paarmal Diesel pumpen, danach lief der Volvo wie am Schnürchen. Da war wohl noch etwas Luft im System gewesen. Der Kerl bleibt unter Beobachtung!!!

Dank fleißiger Hände und guter Pflege über den Winter war „Amazing Grace“ am zweiten Tag schon reisefertig. Klar, dass uns nichts mehr im Hafen hielt. Dolce Vita war angesagt: ein paar Stunden segeln und ab ging´s in die nächste Bucht. Am Strand hatte schon die erste Bar geöffnet und das Wasser hatte schon 18° – alles wollte ausprobiert werden. Sogar die Wasserschutzpolizei „probierte“ zum Saisonbeginn schon das Schiffe- kontrollieren: mit einem Kescher wurden die Bootspapiere in Empfang genommen, gecheckt und wieder zurück gereicht. Zum Glück hatten wir exakt 200 Meter vom Strand entfernt auf Sandgrund geankert. Bei Übertretung wird gerne das italienische Staatsdefizit aufgebessert.

Außerdem wurde mal wieder Wenden, Halsen und Mann über Bord Manöver trainiert. Ostersonntag ging es nach einem kleinen Bordgottesdienst nach Marciana Marina. Da wurde es später sogar noch richtig voll. Alle italienischen Segler vom Festland, die ihr Boot im Wasser hatten, schienen sich diesen Hafen als Osterausflug ausgeguckt zu haben.

Das Fazit: alles in gutem Zustand um in dieser Saison Elba, Korsika und Sardinien unsicher zu machen. Die Skippersfrau kann in zwei Wochen zur „Inspektion“ kommen. Und die italienische Küche ist einfach auf einem dollen Niveau… .

 

Am 6.12. feierte „Amazing Grace nicht Nikolaus, sondern (St.) Martin

Vier Tage hatten wir in Portoferraio, unserem neuen Heimathafen, schon auf der „Amazing Grace“ gewerkelt, um sie winterfest zu machen: zum Beispiel Segel abspritzen- trocknen- abnehmen- verpacken, Motortests wegen Ölverlust, Flugrost am Edelstahl wegpolieren, Holz pflegen, Logge „entmuscheln“ etc. Aber es gab noch sooooo viele offene Punkte auf unserer ToDo list.

Und dann kam am Nikolaustag, dem 6.12., Martin auf unser Schiff. Martin ist ein Servicetechniker der Siriuswerft aus Plön. Nein, nicht EIN Servicetechniker, sondern DER Servicetechniker, der die „Amazing Grace“ sozusagen von Geburt an betreut und, mit Unterstützung seiner Kollegen, alle anfälligen Kinderkrankheiten behoben hat, bis es im Mai auf große Fahrt ging. An diesem Tag schmolz die ToDo list nur so dahin. Zwischendurch kam die „Amazing Grace“ noch aus dem Wasser auf einen schönen Stellplatz mit Blick auf’s Restaurant des Yachtclubs.

Von 8:30 bis 23:00 wurden Klemmen und Fallen getauscht, die Notbadeleiter neu eingeklebt, Heizungsschläuche fixiert, Wasserfilter eingebaut und vieles mehr. Martin hat ein ungeheures Fachwissen und einen feinen Humor, der ihm auch nicht im Unterzucker, kurz vor 22:00, verloren geht. So haben wir noch nebenbei viel gelernt und das zusammen Arbeiten hat viel Spaß gemacht. Vor über zwei Jahren waren wir ja primär wegen des guten Rufes des After-Sales-Service auf die Werft aufmerksam geworden. Wir haben es nicht bereut. Auch hilfreich ist, dass jede Bauphase ausführlich mit Fotos dokumentiert wurde. Das hilft z.B., wenn mal eine Frage auftaucht, wo was verbaut ist. Martin – vielen Dank Dir!

Im Vergleich zu den letztjährigen Vorbereitungen auf das Winterlager, Ende Oktober bei 5°C an der diesigen Ostsee, ist das auf Elba bei bis zu 16°C und meist Sonnenschein schon eine feine Sache. Vor allem, da unser Liegeplatz vor dem Auswassern direkt am Hafenrestaurant lag. Völlig unscheinbar trauten wir uns am ersten Tag gar nicht rein. Aber dann war es eine kulinarische Offenbarung. Wir verbrachten fast alle Mittagspausen dort und gestehen ein, dass unsere Produktivität vormittags höher war als nachmittags… .

Dann war es soweit: Nachdem die „Amazing Grace“ ihr Plätzchen an Land auf ihren Twinkielen, neben netten anderen Booten gefunden hatte, begann für uns wieder das Landleben. Wir zogen um in eine nette B&B in Portoferraio. Aber damit die Umgewöhnung nicht ganz so heftig wurde, haben wir uns ein Zimmer direkt am schönen alten Hafen ausgesucht. Jeden Tag haben wir ein paar Stündchen auf dem Schiff „gewurstelt“ und jetzt können wir sie bald guten Gewissens für ein paar Monate alleine lassen. Unser Freund Jörg passt vor Ort auf die „Amazing Grace“ auf und koordiniert, was noch zu tun ist, damit man sie nach den 4200 sm wieder wie neu ins Wasser setzten kann. Im Frühjahr soll das Mädchen tip top fit für die nächsten Abenteuer sein.


An dieser Stelle wollen wir uns ganz herzlich bei Euch treuen Blogbesuchern bedanken, insbesondere für die vielen ermutigenden Kommentare und Emails. Wir werden für alle, die es interessiert, in den nächsten Tagen noch unsere Erfahrungen mit Route, Schiff und Ausrüstung zusammenfassen. Vielleicht kann davon ja jemand, der sich mit ähnlichen Plänen trägt, profitieren. Bis bald!

Sylvia und Henning

Elba, die Perle der Toskana

Schon von weitem sieht man den 1000 m aus dem Wasser ragenden Monte Capane – meist mit einer Wolkenkappe umhüllt. Monte Christo, Capraia, Pianosa, Giglio, Gianutri, so heißen die Inseln des toskanischen Archipels. Doch Elba ist die schönste und größte der Inseln. Dort zog es uns hin, um unsere Reise vorerst zu beenden. Ganz im Gegensatz zu Napoleon, der hier vor 202 Jahren nur so schnell wie möglich wieder weg wollte. Wir waren hier vor fast 20 Jahren das erste mal unter Segeln und dann haben wir mit der Familie immer wieder in dem selben Ferienhaus unseren Urlaub verbracht . Wie vertraut doch noch alles war, ein klein bisschen „ nach Hause kommen“, wo man jede Bucht und jedes Örtchen kennt.

Von Korsika kommend, verbrachten wir zwei Nächte in wunderschönen Buchten, die – im Gegensatz zum Sommer – absolut einsam waren und mit herrlichem Sternenhimmel gekrönt waren. Dort waren wir auch am 1. Advent, und es fehlte an Bord der „Amazing Grace“ an nichts: Adventskranz und Christstollen, aber auch – und das gab’s noch nie – einen Adventsschwimm’ im noch 20° warmen Wasser.

Porto Azzuro ist unser Lieblingshafen auf Elba. Dort suchten wir für zwei Tage Schutz, weil mal wieder eine Front mit 7-9 Bft durchzog. Es war im Hafen noch schaukelig genug. Wir nutzten die Hafentage um ausgiebig die italienische Küche zu genießen, aber auch die Kalorien bei Inseltouren mit unseren Klapprädern abzustrampeln. Dabei hat es uns traditionell die Halbinsel Capoliveri mit dem unglaublichen Panorama des Golfo Stella besonders angetan. Fahrräder an Bord sind einfach eine dolle Sache, erweitern sie den Aktionsspielraum doch enorm. Ab und an trifft man noch jemanden im Hafen und so verbrachten wir mit Uschi und Pino, die es meist vorziehen auf ihrem Motorboot, statt in ihrem Haus auf Elba zu leben, einen netten Abend.

Im Norden von Elba liegt Marciana Marina, direkt am Fuße des Monte Capane, ein nettes Hafenstädtchen, das wir uns auch noch anschauen wollten. Hier haben wir vor 15 Jahren mit den Kindern eine Sturmnacht durchwacht, mit mehr als 50 kn Wind im Hafen. Inzwischen ist auch hier die maritime Infrastruktur ausgebaut worden.

Jetzt fehlen uns nur noch 10 sm nach Portoferraio, der Inselhauptstadt, wo wir einige kleinere Reparaturen abschließen und unser Schiff winterfest machen wollen. Ja, unsere Reise bis nach Elba fortzusetzen, hat sich definitiv gelohnt!

Costa Smeralda im Herbst – Einsame Buchten und Milliarden Sterne

Wir schreiben den 18. November 2016 im La Maddalena Archipel in Nord -Sardinien. Wir ankern im Dreieck der drei kleinen Eilande Razzoli, Santa Maria und Budelli auf 3 Metern über Sandgrund und glasklarem Wasser. 25 Meter vor uns hat sich der Rocnaanker tief in den Sand eingegraben, so dass nur noch sein Bügel erahnen lässt, wo er gesetzt wurde. Niemand um uns herum, noch 20° warmes Wasser (mehr als in der Ostsee im Sommer) und später ein phantastischer Sternenhimmel. Wenn man mit dem Fernglas hinaufschaut: nur noch mehr Sterne, Galaxien… Wahnsinn. Welch ein Überfluss, wie groß muss erst der Schöpfer sein… .? Wir sind erfüllt von Dankbarkeit dafür, so etwas genießen und miteinander teilen zu dürfen. Und das gegen Ende unseres Sabbaticals, wo in Deutschland schon der erste Schnell gefallen ist!

Aber vorher ging es auch anders zu: Auf dem Weg von Cagliari zur Costa Smeralda, im Norden Sardiniens, schickte uns der Mistral noch einen sportlichen Gruß: Mit 6-8 Bft von hinten wurden wir aus der Bucht von Cagliari getrieben. Wir hatten nur noch das Großsegel im 2. Reff stehen und trotzdem fuhren wir zeitweise mehr als 10 kn über Grund – ganz schön sportlich! Als der Abend hereinbrach blies es immer noch sehr böig mit 3-6 Bft, so dass an eine gemütliche Nachtruhe für einen von uns beiden nicht zu denken war. Alle fünf Minuten mussten die Segel angepasst werden. Irgendwann entschlossen wir uns zum Motorsegeln, damit wir abwechselnd zumindest eine Mütze Schlaf bekommen konnten. Im Morgengrauen passierten wir den imposanten Tafelfelsen südöstlich der Bucht von Olbia und am späten Vormittag fiel der Anker südlich des Yachthafens Portisco. Wir waren nach 150 sm an der Costa Smeralda angekommen. Der für die nächsten Tage vorhergesagte Starkwind aus Nordost konnte uns nichts mehr anhaben. Wie gut tat nach solch einer Nacht ein kleines Mittagsschläfchen!

Tags drauf, als es zu blasen anfing, verholten wir uns in den Hafen Portisco, wo unser Sohn Manuel vor 2 Jahren in der Basis von Suncharter drei Monate gearbeitet hatte. Wir lernten seine Freunde von damals, Mario, Andrea und Francesco kennen und packten sogar mal wieder unsere Räder aus. 30 km bergauf, bergab mit viel Gegenwind waren es, bis wir vom Luxushafen Porto Rotondo wieder zurück waren. Fast wären wir unterwegs vom Fleisch gefallen, weil jetzt wirklich alle Restaurants geschlossen haben. Porto Rotondo glich einer Geisterstadt, aber eine Familienkneipe an der Landstraße hatte zum Glück noch offen, um uns zu stärken.

Umso schöner war die Nachsaison im Maddalena Archipel: die schönsten Ankerbuchten hatten wir für uns ganz alleine. Diese Ecke ist  ein Naturschutzgebiet und nur mit einer speziellen, teuer erstandenen Erlaubnis darf man es befahren. Aber das lohnte sich: glasklares Wasser, phantastische Felsformationen und eindrucksvolle Ankerbuchten, geschützt vor jeder Windrichtung. Von wegen Wind, wir genossen in den Buchten total ruhiges Wetter mit annähernd Windstille und meist Sonnenschein. So muss es sein, für solche Momente geht man segeln.

Aber irgendwann treibt der Wind einen dann weiter, in diesem Falle nach Bonifacio, Korsika.

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm – Von Menorca nach Sardinien

Hallo Herr Franke, ein großräumiger Tiefdruckkomplex liegt über Mitteleuropa und in der Nacht zum Sonntag zieht eine Front über die Balearen hinweg mit Böen 8-9 Bft. Am Sonntag schwächt sich der Wind langsam wieder ab und über Norditalien bildet sich ein Tief aus, dieses zieht dann langsam nach Nordosten ab. Am Sonntagabend und auch am Montag herrschen dann etwas ruhigere Windverhältnisse mit 4-5 Bft im Mittel. Von Frankreich nähert sich aber ein weiterer Tiefkern, der ebenfalls zu dem umfangreichen Tiefdruckkomplex gehört, somit bildet sich ab Dienstag ein kräftiger Mistral mit verbreitet 9er Böen im Törngebiet aus. Hierbei geht die Wellenhöhe zwischen Balearen und Sardinien auf rund 4-5 m hinauf. Da im Laufe der Woche immer wieder Tiefausläufer von Frankreich hereinziehen, entspannt sich die Lage frühestens ab dem 12.11., aber dies sieht nach aktuellem Stand auch nur nach kurzer Dauer aus. Ein wirklich gutes Zeitfenster für die Überfahrt ist im Moment nicht abzusehen.“

Na das waren ja blendende Aussichten, die uns der Wetterfrosch aus Deutschland am 5.11. rüberschickte, als wir um Törnberatung für den Schlag nach Sardinien baten. Die Strecke: in etwa so lang, wie die im Frühjahr über die Nordsee von Norwegen nach Schottland. Mindestens eine Woche eingeweht auf Menorca! Es kann zwar Schlimmeres geben, aber wir wollten ja weiter Richtung Elba und zum dritten Advent bei unseren Kindern Zuhause sein. Nachdem wir sämtliche Wetterprogramme gequält hatten, entschlossen wir uns, es Sonntagabend zwischen den zwei Tiefdruckgebieten zu wagen und alles auf eine schnelle Überfahrt zu setzen. Sonntagabend los, das hieß im besten Falle zwei Nächte und einen Tag auf See und weil die Tage jetzt kürzer sind als die Nächte, 26 Stunden im Dunkeln und nur 11 im Hellen. Der Tagesvers aus der Bibel vom Sonntag war uns aber eine große Ermutigung: „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“ 2.Kor 6, 2.

Also los!

Und wie war’s dann? Kurz gesagt – es hat haarscharf geklappt. Die erste Nacht war wie Achterbahnfahren im Dunkeln. Viel alter Seegang und meist wenig Wind machten den Einsatz unseres „eisernen Segels“ notwendig, um schnell genug voran zu kommen. Wetterleuchten um uns her und ein Gewitter über uns erzeugten eine besondere Stimmung. Sicherheitshalber landen Handfunke, EPIRP, Satellitenphone und Handy, sowie der Laptop bei so einem Wetter immer im Herd, unserem faradayischen Käfig, dem die Siriuswerft „fer umme“ (mannheimerisch :„kostenlos“) diesen Zusatznutzen gegeben hat. Am Tag und in der nächsten Nacht wechselten sich Regen und Schauer mit Schauer und Regen ab. Wie gut, dass wir uns für eine Decksalon Yacht entschieden haben und niemand bei seiner Wache die ganze Nacht im nassen hocken muss. Dazu gab es meist zu ungünstigen Wind, um vor dem bereits anrückenden nächsten Tiefdruckgebiet schnell genug unter Segeln zu fliehen. Also kam auch da wieder meist der Volvo ran. Als wir die ersten Inseln im Südwesten von Sardinien erreicht hatten, fing es an zu blasen, da waren wir aber auch schon um die Ecke, der Seegang ließ nach und wir entschieden uns, in die Bucht von Cagliari einzulaufen. Da standen uns dann schon 6 Bft auf die Nase, aber das packte unser Volvo auch noch. Eins muss jetzt gesagt werden: unser zweiter Volvo D2 75 hat sich bei dieser Überfahrt rehabilitiert. Ohne Murren hat er uns den größten Teil der 250 sm treu geschoben. Das war das Resultat des tollen Volvoservice Technikers in Ibiza, der alle Teile nachgeschaut und einiges an Schlaufschellen und Schrauben endlich mal dicht gezogen hat, so dass wir keine Öllachen mehr im Motorraum hatten. Sylvia wollte ihm sogar bei der Ankunft, solange er noch warm ist, einen Kuss verpassen.

Angelegt haben wir in der sicheren und freundlichen Stadtmarina von Sardiniens Hauptstadt Cagliari, wo man kaum ein Lüftchen spürt, während sich draußen der Mistral austoben darf. Von mittags bis zum nächsten Morgen wurde dann durchgeschlafen. Unser drei-Stunden-Wachsystem hatte sich für uns zwar wieder bewährt, aber ohne Schlafdefizit geht´s halt doch nicht. Oft haben wir uns während dieser Überfahrt an den Bibelvers von Sonntagmorgen erinnert.

Endlich Italien! Wir geniessen diese sympathische Stadt in vollen Zügen: traumhafte Lage, leckeres Essen, viel Geschichte, tolle Geschäfte – so viel zu entdecken. Drei Tage Kontrastprogramm, bevor wir, weil das nächste Sturmtief kommt, uns in einem großen Schlag über Nacht, heute an die geschützte Costa Smeralda hochhangeln werden.

Dolce Vita!

P.S.: Und wer immer mal nach Cagliari kommt: da muss man essen: www.laviadelgusto.it


Wir waren gleich zwei mal da!