Biskaya – Leben im Drei-Stunden-Takt

Bei spiegelglatter See und strahlendem Sonnenschein liefen wir am Mittwochabend in die Bucht von La Coruna ein. Vier Tage und drei Nächte sowie gut 500sm vorher waren wir von Kinsale/Irland aus, mit reichlich Respekt vor der Biskaya, im dichten Nebel gestartet. Kurs 183°, also direkt nach Süden mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6kn. Das war schneller als erwartet, dank günstigem Wetter und einem schnellen Schiff der Sirius Werft. Jeden Tag wurde es wärmer, so dass Sylvia am dritten Tag sogar die Außendusche einweihte. Seglerisch war fast alles dabei: Nebel und Sonne, kräftige Winde und Flaute, majestätische Atlantikwellen und konfuse See. Wir haben herrliche Sonnenauf- und untergänge gesehen, Delphine unterschiedlichster Gattung und mindestens drei Wale/Walherden prusteten und zeigten ihren Rücken bevor sie abtauchten. Henning schob gerade eine Nachtwache, als er bei völliger Dunkelheit auf einmal dieses Prusten, zuerst am Heck und kurz darauf am Bug hörte… . Apropos Nachtwachen: wie funktioniert eigentlich so ein Leben an Bord fernab der Küste? Unser Leben spielte sich im drei-Stunden-Takt ab: Wache – Freiwache – Wache usw. Drei Stunden deshalb, weil Chris, unsere Verstärkung, als Segelnovize bei ruhigem Wetter und stabilen Verhältnissen auch ab und zu eine Wache übernehmen konnte. Das war natürlich eine enorme Erleichterung. Meistens haben wir so gegen 20:00 gekocht und kräftig zu Abend gegessen. Dann ging es für Henning in die Koje und Sylvia war verantwortlich bis Mitternacht. Die „Hundewache bis 3:00 in der Frühe war dann Hennings Teil und Sylvia machte dann bis 6:00 weiter. Henning kroch dann gegen 8:00 wieder aus der Koje und es wurde gemeinsam gefrühstückt. Wenn Chris zwei Stunden übernahm, konnten wir etwas länger schlafen. Tagsüber wechselten wir uns in einem etwas lockereren Rhythmus ab. Soweit die Theorie; wenn aber, so wie in der letzten Nacht, das Meer mit Kreuzseen ein Hexenkessel wird und es auf der Amazing Grace ist, wie beim Achterbahnfahrten im Dunkeln, dann blieben die Crewmitglieder, denen das zu schaffen macht, in der Koje und es gibt schon einmal eine fünf Stunden Schicht.

Viele Stunden waren wir ganz einsam, weit und breit kein Schiff in Sicht, auch nicht auf dem AIS oder dem Radar – ausser der ARIEL. Wenn man dann auch noch 5.000 m Wasser unter sich hat, ist das schon ein interessantes Gefühl. Die ARIEL, mit dem amerikanischen Eigner Charles und seinem dänischen Mitsegler Gregers, hatten wir in Arklow/Irland getroffen und festgestellt, dass wir das gleiche Ziel haben und unsere Schiffe genau gleich schnell segeln. Deswegen wollten wir die Biskaya gemeinsam überqueren, einfach aus Sicherheitsgründen, damit man sich ggfs auch helfen kann. Wir blieben die ganze Überfahrt auch in maximal 5sm Entfernung und hatten alle drei Stunden eine Funkkonferenz, um die Lage zu checken, Wetterdaten abzugleichen etc. Chris bewies sich hier auch als ein hervorragender Funker. An „Amazing Grace, Amazing Grace, Amazing Grace, this is Ariel“ hatten wir uns schon so richtig gewöhnt. Fast gleichzeitig kamen wir in La Coruna an und haben dann erstmal zusammen gefeiert. Sue, Charles Frau, war schon dort und hatte uns prima Liegeplätze reserviert.

Insgesamt war es eine sehr gute Überfahrt, wofür wir zutiefst dankbar sind, natürlich auch anstrengend und mit Höhen und Tiefen. Es hat sich wieder mal gezeigt, dass es sich lohnt, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten und in eine gute meteorologische Beratung zu investieren. Dank an alle, die uns unterstützt und für uns gebetet haben! Einzig das mit dem Angeln war mal wieder ein Flop, obwohl Chris wirklich jeden Köder gebadet hat, naja, wir hatten ja noch tiefgefrorenen Atlantiklachs 🙂

In La Coruna werden wir ein paar Tage bleiben, das Schiff auf Vordermann bringen und Chris am Samstag nach Santiago zum Flughafen bringen. Hier findet ein großes Fest statt und die ganz Stadt ist auf den Beinen. Dann geht es irgendwann nach Süden und als erstes um die gefürchtete „Costa del Morte“.