Die vergessenen Inseln Thasos und Samothraki


Thasos – ein runder Marmorklotz ganz im Norden der Ägäis! Schon in der Antike mächtig und berühmt durch Goldminen und Marmor; Der Marmor wird auch noch heute abgebaut. Die Insel kennen Insider für ihr aussergewöhnliches Grün und die herrlichen Buchten und Strände. Wir näherten uns von Südwesten her, vom Berg Athos kommend und ankerten die erste Nacht im Süden vor einem kleinen Hafen. Tags drauf segelten wir um die Insel zum Haupthafen ganz im Norden, wo auch die meisten Fähren vom Festland ankommen. Thasos liegt nur wenige Kilometer von dort entfernt. Deutsche Segler oder Touristen haben wir gar nicht getroffen. Bei Griechen und Osteuropäern ist die Insel aber bekannt und beliebt. Fast jeden Nachmittag und Abend gehen im August über dem Festland heftige Gewitter nieder, die aber zum Glück meist dort hängen bleiben. 

Wir warfen gut 60 Meter Kette in den Hafen und fühlten uns sicher, das Boot für einen Tagesausflug alleine zu lassen. Mit einem Mietwagen ging es einmal rund um die Insel. Ins Landesinnere führten kilometerlange Olivenhaine und nach einer Stunde Fußmarsch waren wir bei den  Wasserfällen, die sogar noch im Hochsommer ein kühles Bad in den Pools erlaubten – herrlich! Ein natürlicher Meerwasserpool an der Südküste war die nächste Attraktion. Man  sah zwar keinen Grund aber Timeo liess es sich nicht nehmen von ca. 8 Meter Höhe einen spektakulären Sprung abzuliefern.  

Eindrucksvoll auf den Klippen thront das dem Erzengel Gabriel gewidmete Nonnenkloster, das wir auf dem Rückweg besuchen durften.

Der Meltemi bescherte uns bei Sonnenaufgang 40 sm sportliches Am-Wind Segeln nach Samothraki. Die Insel liegt ganz im Nordosten der Ägäis. Danach kommt noch eine türkische Insel und der Bosporus. Samothraki besteht eigentlich nur aus einem 1.611 m hohen Berg, hat einen einzigen Sandstrand, kaum Ankerbuchten aber seit ein paar Jahren einen sichern Hafen ganz im Osten.  Wir vertäuten uns längsseits an der Mole, weil Starkwind angesagt war und wir auch diese Insel gerne erkunden wollten. Unsere Leinen wurden von einem bulgarischen Segler angenommen, der mit seiner alten Dehler der einzige Segler im Hafen war. Mit allem Englisch, das aufzubieten war, erklärte er uns, dass unsere Sirius40DS sein absolutes Traumschiff sei, weil es für einen Segler keine Wünsche offen läßt. Das „Warum“ erklärte er auch allen Landsleuten, die vorbei kamen. Besser hätten wir es auch nicht gekonnt. 

Seit langem gönnten wir uns mal wieder Wasser vom Steg, um die Waschmaschine zu füttern. Wäscheberge hatten sich angestaut und wir hatten einen Direktanschluss für den Schlauch von Land an die Maschine gebaut, so dass das kostbare Trinkwasser vom Wassermacher nicht für die Wäsche benutzt werden muss. Unsere Gäste schnappten sich die Bordfahrräder um gegen den Wind bergauf nach Chora zu radeln. Dort thront eine Burg über einem süßen Dörfchen.

Samothraki hat eine wechselvolle Geschichte. Die Ureinwohner, die Kariben, verehrten nicht die griechischen Götter, sondern die große Erdmutter und bewahrten sich durch ihre Stärke lange ihre Eigenständigkeit. In der Antike pilgerten die Eingeweihten von weit her zu den Tempeln. Die Ruinen der antiken Tempelstadt liegen auf einer Anhöhe zwischen wilden Olivenbäumen und Macchia. Im 19. Jahrhundert, bei den griechischen Unabhängigkeitskämpfen, schlachteten die osmanischen Besatzer fast die gesamte, 10.000 Menschen zählende Inselbevölkerung ab oder verkauften sie als Sklaven. Erst 1912 wurde die Insel griechisch und wieder langsam bis zu den jetzt ca 3.000 Personen bevölkert. Heute ist sie Pilgerstätte einer New-Age Community, die die Wasserfälle und Pools im Norden zu schätzen weiss. Ein paar griechische und bulgarische Touristen kommen auf die Insel, die die  Wasserfälle und einsamen Strände zu schätzen wissen. Die Südseite ist recht trocken und wird stark landwirtschaftlich genutzt. Der Norden ist mit urwaldähnlichen Wäldern und Wasserfällen eine echte Besonderheit unter den griechischen Inseln. Für uns ist Samothraki eine echte „Liebe auf den zweiten Blick“. Gern kommen wir wieder, wenn es sich ergibt.

Samothraki war der letzte Ort, den wir auf den Spuren des Paulus besuchen durften – nur in umgekehrter Reihenfolge wie in der Apostelgeschichte zu lesen ist. In Samothraki machte Paulus auf der Seereise von Troas (heutige Türkei) auf dem Weg nach Philippi eine Nacht halt. Es war bereichernd, begleitend dazu die Briefe des Paulus an die jeweiligen Gemeinden zu lesen, von Korinth über Thessaloniki und Philippi. 

Wir freuen uns aber auch auf Limnos, – wieder eine ganz andersartige Insel.  Mit dem Meltemi im Rücken sollten die  40 sm nach Südwesten kein Problem werden.

1 comment

  1. H

    Einfach wunderschoen. Vielen Dank fuer die ausfuehrlichen Berichte, super Aufnahmen und Geschichte des Landes.
    Wir hatten uns schon gesorgt, dass Ihr stuermisches Wetter hattet und die Griechen mit den Tuerken politische Spannungen haben.
    Das Wetter hat sich hier auch geaendert. Bewohner in Texas und Louisana kaempften mit grossen Stuermen. Wir hatten zwar sehr warmes Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit, ungewoehnlich in unseren Breiten aber keinen Schaden wie diese armen Leute.
    Wir bleiben weiter brav zu Hause. Es wird mehr gelesen. Vom Fernsehen halten wir in uns entfernt denn die Politik und Schiessereien die momentan nur gezeigt werden ist wirklich unmoeglich.
    Gesundheitlich sind wir ok. Joachim ist vor ein paar Wochen 88 geworden und wir konnten mit den Kindern im Garten ein paar Stunden zusammen sein. -Wir denken oft an Euch und hoffen, dass Alles weiterhin gut laeuft. Wir sind dankbar,dass wir weiterhin mit Euch reisen koennen.
    Love, Joachim und Hildegard

Leave a Comment