„Thunderstorms over Corse“ – Das wilde Korsika

„Manchmal vermisse ich die Tide schon etwas“, sagte Henning. Vor kurzem waren wir beim Versuch, in eine Flussmündung einzufahren, die als guter Ankerplatz gepriesen wurde (Hafenhandbuch!), aufgesessen und hatten eine halbe Stunde alle Mühe wieder frei zu kommen, was zum Glück geklappt hat. Mit zwei Kielen ist eben nichts mit krängen, man steht solide! In einem Tidenrevier wären wir dort halt nur bei auflaufendem Wasser reingefahren und bald wieder frei geschwommen. Henning sprang ins Wasser und gab Sylvia die Richtung an beim Vorwärts- und Rückwärtsfahren – uff, nochmal gutgegangen. Später haben wir das dann alles mit dem Dingi erkundet – wäre wohl gleich die bessere Idee gewesen.

Tags zuvor waren wir noch in Bonifacio gelegen. Dramatisch, wie diese Stadt hoch in der Luft, auf unterspült überhängenden Kalkklippen steht. Ebenso spannend ist die Einfahrt in den schluchtartigen Fjord zum Hafen, insbesondere wenn einem eine große Fähre auf den Fersen ist und uns fast in den Hafen schiebt. Für den schweißtreibenden Anstieg zur Oberstadt und auf die Felsen wird man mit unvergesslichen Ausblicken belohnt. Aber in so einem Haus an der unterspülten Felskante wollten wir wirklich nicht wohnen… . Am kompletten Wochenende war niemand vom Hafen zu erreichen. Wir erfuhren von Engländern neben uns, dass freitags um vier der Hammer fallengelassen wird. Wer vor Montag um 9:00 weg ist, muss auch keine Hafengebühren bezahlen – et bien, dann halt nicht.

Leider boten die beiden wunderschönen korsischen Inselchen, Lavezzi und Cavallo, uns keine sicheren, schaukelfreien Ankerplatz. So wurden Porto Vecchio und Solenzara, im Südosten Korsikas, unsere willkommenen unspektakuläre Zwischenstopps auf dem Weg nach Norden. Die berühmten Korkeichenwälder und das Hochgebirge konnten wir bei den tief hängenden Wolken nur erahnen.

Wir wollten schnell weiter, denn es nahte schon wieder ein Tiefdruckgebiet mit stürmischen Winden aus Südost, die dann auf einen Schlag auf Nord, uns auf die Nase, drehen würden. Leider gibt es kaum Häfen und schon gar keine sicheren Ankerbuchten an der Ostküste hoch bis Bastia. Ein weiteres Mal wurden drei verschiedene Wetterprognosen studiert, Seekarten und Hafenpläne gewälzt und gebetet, ob wir losfahren sollten, denn in einem Schlag müßten wir 54 sm hoch nach Bastia und zwar so schnell wie möglich, bevor Wind und Wellen zu stark werden und die Hafeneinfahrt gefährlich oder unmöglich machen. Und so haben wir uns entschieden: Beim ersten Tageslicht ging’s los, zuerst mit Vollzeug und die letzten Meilen nur noch mit ein paar Quadratmeter Vorsegel. Acht Stunden später waren wir in Bastia im „Vieux Port“ angekommen. Alles an helfenden Händen wurde aufgeboten, um uns bei dem Starkwind in den letzten freien Platz im Hafen zu helfen – Fest! Das war ein herausfordernder Ritt. Aber zum Glück haben wir nicht nur eine sehr seetüchtige, sondern auch schnelle Yacht. Fast 7 kn Durchschnittsgeschwindigkeit sind auf einer großen Strecke schon ein Wort – „well done“, Sirius Werft!

„Thunderstorms over Corse“, diese, oft stündliche Warnung vom Wetterfunk bei unseren spätsommerlichen Segeltörns mit der Familie im ligurischen Meer kennen wir noch sehr gut. Und genau solch eine Gewitterfront setzte sich über den Bergen von Bastia fest und tobte sich 24 Stunden über dem alten Hafen aus. Den ganzen Tag wurde es nicht hell. Tiefhängende Wolken, Blitze, Donner, Sturmböen und die über die Mole schlagenden Brecher – eine dramatische Atmosphäre! Im Hafenbecken sammelte sich der Dreck der Stadt… . Wie schön ist es, sicher im Hafen zu liegen wenn es im Rigg pfeift, die Leinen knarren und die Gischt über den Wellenbrecher klatscht. So ähnlich empfinden wir die Geborgenheit bei unserem Schöpfergott, der Wind und Wellen in der Hand hält. Ganz sicher: an so einem Tag ist man im Decksalon und in der Koje am besten aufgehoben; nur keinen Fuß an Land setzen! Der Hafenmeister gab telefonisch Entwarnung bzgl. der üblichen Registrierung des Bootes in der Capitainerie: „ca suffit demain“ – typisch französisch halt. Die nächste Nacht krachte und blitzte es nochmal kräftig. Es war noch schaukeliger und windiger, man könnte fast im Hafen seekrank werden. Ein paar Zusatzleinen wurden ausgebracht und die Mooring nachgezogen und gut war. Die machte bei dieser Aktion leider Bekanntschaft mit unserem Tauschneider an der Welle – ging aber gerade nochmal gut!

Aber irgendwann ist jedes Gewitter vorbei. Und auch Bastia hat bei Sonnenschein ein noch schöneres Gesicht… . Das Kastell und die verwinkelten Gässchen mit einem etwas maroden Charme hatten es uns angetan… und erst die korsische Küche!

Morgen geht´s dann zu unserer letzten Etappe: zu unserer Lieblingsinsel Elba!

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