Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt…

oder wie es in Hennings Controllerleben hieß: „… und ist der Plan auch wohl gelungen, bestimmt verträgt er Änderungen“. So liefen wir Freitagmorgen um 5.30 aus Peterhead mit dem Tidenstrom aus, um noch rechtzeitig im kleinen Hafen mit dem Namen Whitehill anzukommen. In Peterhead hatten wir vier Tage verbracht und vergebens den Charme dieser Hafenstadt gesucht. Nieselregen und Starkwind haben uns nicht davon abgehalten, mit unseren Bordfahrrädern shoppen zu gehen und auch der Bordmusik zu frönen.

Lange Wellen von den letzten Tagen begleiteten uns auf unserem Weg um die Kaps, doch da der Wind immer mehr nachließ, wurde es zeitlich immer enger, in Whitehill einzulaufen aufgrund des zu flach werdenden Wassers und der hohen Wellen.
Zu guter Letzt riet uns der Hafenmeister, in den nahen tieferen Fischereihafen Mac Duff einzulaufen. Auch da war die Hafeneinfahrt eng, und wie ein Formel 1 Kurs ging es um die Ecken. Bei der Einfahrt winkte uns der Hafenmeister schon zu und wies uns einen Platz neben einer blauen kleinen Jacht an, die dort zwischen riesigen Fischerkähnen an der Kaimauer lag. Doch wie bekommt man die Leinen 4 Meter hoch auf den Kai, wenn dazwischen noch ein anderer Segler liegt? Ein hilfreicher Fischerjunge erbarmte sich und fing die Leinen auf. Unsere erste Nacht in einem Tidenhafen war überraschend gut und ruhig, da die Fischer über das Wochenende nicht rausfahren. Mac Duff hatte einen rauhen Charme mit fantastischer Sicht auf die Küste.

Vier Fischer, die den Rost an ihrem Kahn schrubbten, konnten sich am nächsten Morgen nicht satt sehen, als Sylvia das Ablegemanöver fuhr. Vier Daumen gingen nach oben, soweit war die Emanzipation hier anscheinend noch nicht gekommen. 😀 Die Überfahrt nach Lossiemouth war so geplant, dass wir auf jeden Fall mit genügend Wasser unter den Kielen ankommen sollten. Aber kurz vor der Einfahrt sah man die Gischt an der Hafenmauer hochspritzen und am Strand sich brechen. Sollten wir dort wirklich durch dieses schmale Loch reinfahren? Ein anderer Segler machte es uns vor und Sylvia fuhr mit Volldampf und jede Menge Stoßgebeten und Muskelkraft hinterher. So einen Nervenkitzel braucht man nicht oft…
Lossiemouth ist ein süßer kleiner Hafen. Den Schlüssel für die Toiletten gibt’s im Pub zusammen mit einem Bier. Der Pub führt drei Mal mehr Whiskeysorten als Biersorten, aber auch die gibt es in großer Auswahl. Als Henning aus dem Pub kam, dachte er, dass das Bier wirklich stark sein muss, denn der Mast der Amazing Grace stand schief im Hafen. Aber hallo, das blieb auch so, als er an Deck stieg! Des Rätsels Lösung: Bei Ebbe saß das Schiff im Hafenschlick und war auf einer Seite tiefer eingesackt. Was für ein Glück, haben wir zwei Kiele und konnten das Steigen des Wassers in Ruhe abwarten, während andere Segler Panik schoben. Wir werden hier erst Mal bis Montag bleiben. Wer will, kann uns über die Livehafenwebcam auf die Finger schauen (http://www.lossiemouthmarina.com/entrance.htm). Ab und zu werden wir winken!

  1. A

    Hallo Ihr Lieben,
    Das klingt ja alles sehr abenteuerlich, aber dank Frauenpower gut gemeistert. Auch wenn ich in letzter Zeit nicht zum Schreiben kam, gelesen habe ich eure Berichte. Nun kommen ja auch bald die Kinder und wir wünschen euch schon jetzt eine gute Zeit und viel Spaß miteinander. Wir drücken euch die Daumen, dass eure technischen Probleme bis dahin endgültig gelöst werden können.
    Liebe Grüße aus Mannheim

  2. S

    Danke ihr Lieben, wir freuen uns unbändig auf Janina&Adrian! Heute, beim ersten sonnigen Tag sind die Kinder hier sogar ins 12 grad „warme“Wasser gegangen….
    Liebe Grüße zurück,
    Sylvia&Henning

  3. C

    Liebe Sylvia, lieber Henning,
    es ist schön eure Reise hierdurch verfolgen zu dürfen und es toll manche schöne Eindrücke mit euch teilen zu können. Ich bekomme immer mehr Lust ebenso Norwegen uns Schottland einmel bereisen zu können :-). Wir haben zur Zeit ein recht energiegeladenes Wetter und werden schon über eine Woche mit Gewitter und Starkregen heimgesucht, ich bein Gott sehr dankbar, dass es in unserer Region noch so unbeschaden abgelaufen ist, wenn man die schlimmen Bilder aus Bayern sieht. Wir sind in dieses Unwetter bei Schwäbisch Hall fast hineingefahren, als wir von unserer Tochter aus Freilassing kamen, wir konnten dafür das Aquaplaning auf der Autobahn geniessen und das 6 1/2 Stunden wünscht man sich auch nicht immer;-)
    Für die kommende Woche alles Gute und entsprechenden Wind, damit ihr eure Ziele wie geplant erreichen könnt.
    Gottes Segen und liebe Grüße CArmen

  4. S

    Vielen Dank, Carmen, wir liegen jetzt im Caledonian Canal und haben mal wieder Motormechaniker an Bord… außerdem warten wir auf Janina & Adrian, yeah!!!
    Liebe Grüße
    Sylvia & Henning

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