Flusskreuzfahrt in die Unterwelt

„Warum nicht mal einen ruhigen Anlegeplatz in einem Flusslauf aufsuchen?“ – so war unser Gedanke. Unangenehmer Schwell und zunehmende Betriebsamkeit an den letzten beiden Ankerplätzen hatten uns auf diese Idee gebracht. Ausserdem ist unsere Sirius 40DS ein Twinkieler und hat nur 1,45m Tiefgang, was bei solchen Unterfangen recht hilfreich ist. Ganz in unserer Nähe, im ionischen Meer südöstlich von Parga mündet der Acheron Fluss in eine schöne Bucht beim Dorf Ammoudia. Er entspringt im Gebirge und bewahrt auf seinen 58 km Länge seine erfrischende Temperatur. In der griechischen Mythologie ist er das Tor zum Hades, dem Totenreich. 

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Wenn da nur nicht die Barre wäre!! An der Flussmündung türmt auch dieser Fluss  mit der Zeit Sedimente auf, die die Einfahrt in den Flusslauf schwierig oder manchmal unmöglich machen. Vor acht Jahren waren wir dort mit unserem alten Schiff schon einmal stecken geblieben und kläglich gescheitert. Aber dieses Mal hatten wir guten Rat von einem lokalen Seglerfreund und geringeren Tiefgang. Er erklärte uns die schmale Rinne um die Barre herum und zudem ermöglichte er uns, an einer Yacht im Fluss längsseits zu gehen. Es gibt nämlich keine Gastliegeplätze in dem Fluss.

Gesagt – getan! Wir warteten bis der auflandige Wind und die Wellen am Vormittag gering waren und starteten den ersten Anlauf.  Mit kräftigem  Herzschlag klappte es gleich auf Anhieb. Wir hatten immer mindestens einen halben Meter Wasser unter dem Kiel und fanden nach einem Kilometer unseren Liegeplatz „im Päckchen“. 

Nach den Anlegestegen mit den lokalen Booten tut sich flussaufwärts ein Naturparadies auf, das man mit dem Elektro- Aussenborder erkunden darf. Das ließen wir uns nicht entgehen! Wir verbrachten noch einen schönen Abend bei unserem Seglerfreund, der seine musikalischen Qualitäten brillieren ließ. Die Nacht war herrlich kühl und auch der Wein in der Bilge wurde durch den Fluss mal wieder schön auf Trinktemperatur runtergekühlt. Nur die Mücken… aber etwas Blutzoll muss man schon zahlen.

Wir mussten natürlich auch wieder raus aufs Meer kommen. Und dazu musste die Skippersfrau die „Amazing Grace“ im ca 15 Meter engen Flußbett mit 2-3 kn Strömung erst einmal wenden. Das funktionierte bestens: Sylvia drückte den Bug bis ins Schilf und fuhr unter Vollgas mit Radeffekt rückwärts. An der Barre am Ausgang des Acheron wollten wir uns einfach genauso vorbeischlängeln wie bei der Einfahrt. Aber irgendwie sah das doch ganz anders aus, insbesondere, wenn die Strömung ein langsames Herantasten unmöglich macht. So steckten wir zweimal im Schlick fest und das Adrenalin schoß in die Höhe. Da freuten wir uns sehr über den Turbo an unserem Volvo, der uns da, mit Gottes Hilfe, wieder herauszog!

Unser Fazit: eine tolle Abwechslung, der Acheron; aber nicht ohne lokale Lotsentipps und vorangemeldetem Liegeplatz.

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