Italien will uns nicht!


Zypern und Israel als unser Ziel für Herbst und Silvester hatten wir schon lange geknickt als das Säbelrassen der Türkei um die Erdgasvorkommen bei Zypern begann. Deshalb sollte es für den Winter zurück nach Elba gehen, wo die „Amazing Grace“ wieder in Portoferraio auf ihren drei Füßen an Land stehen sollte. So machten wir uns, als das Wetter besser wurde und sich in drei Tagen eine günstiges Wetterfenster für die Passage nach Italien abzeichnete auf in den Norden von Korfu. Dort ist die beste Ausgangsposition für den Sprung über die Strasse von Otranto nach Italien. Der Norden Korfus ist nicht gerade mit sehr gut geschützten Ankerbuchten gesegnet, hat aber große landschaftliche Reize. Eine Beibootfahrt durch die imposanten Felsformationen des „Canal d’Amore“ gehörte natürlich auch dazu.

Ganz in der Frühe ging’s dann am dritten Tag los: Anker auf und so schnell, wie möglich rüber nach Marina di Leuca. Eine sportliche Überfahrt musste es sein, denn kurz nach unserer Ankunft sollte es wieder mit über 30 Knoten aus Süden kacheln. Über den Hafen und die Liegeplätze hatten wir uns gut informiert – alles prima. Griechenland galt nach wie vor als eines der sichersten Länder bezüglich Corona in Europa. Also sollte alles klar gehen. Mit dem letzten Balken griechischem Handyempfang rief Henning noch zur Sicherheit im Hafen an, um einen Platz zu reservieren. Doch von dort kam dann der Hammer: man würde uns nicht in den Hafen lassen ohne einen, maximal 72 Stunden alten Coronatest und weitere Formalitäten, die die Region Apulien eingeführt hatte. Das war uns dann doch etwas zu heiß, insbesondere mit dem schlechten Wetter im Nacken und wir kehrten um. Wir würden einige Zeit brauchen um die Formalitäten zu klären, einen Coronatest durchzuführen etc.. Also ging es zurück nach Gouvia Marina/Korfu, wo wir wieder unseren alten, sicheren Liegeplatz an der Kreuzung zweier Stege bekamen. Leider brach unsere Mooringleine beim Festmachen. Zum Glück gab uns unser Nachbar seine zweite und ein Taucher kam am nächsten Morgen um das zu richten. Zum Glück hatte die Leine das letzte mal während des Medicane noch gehalten.

Mit viel „Hallo“ wurden wir von unseren Nachbarn begrüßt. Ein paar Tage stürmisches Wetter mit Gewittern gab uns genug Zeit mit Hilfe von TransOcean, der deutschen Botschaft und italienischen Freunden die Lage klar zu kriegen. Um es kurz zu machen: alles recht komplex, wenn man den offiziellen Weg gehen würde. Es sei denn, man machte es so, wie ein  Griechischer Coastguard Beamter zwischen den Zeilen durchblicken lies: „Ihr müsst ja nicht sagen, dass Ihr aus Griechenland kommt“. Das ist aber nicht unser Stil. Zudem blieb das Wetter für die nächsten 10 Tage weiterhin sehr unsicher. Da die Apulische und Kalabrische Küste nicht gerade mit sicheren Ankerbuchten und Häfen gesegnet ist, reifte ein anderer Entschluss: „Warum bleiben wir nicht einfach in Griechenland“, sagte Henning eines Tages zu Sylvia. 60 sm südlich, in Preveza, kann man das Schiff sicher an Land stellen und wir hätten noch drei Wochen stressfreies Segeln ohne Druck. Schnell waren wir uns einig. Dieses Jahr ist Flexibilität wichtiger als Festhalten an einem Plan. 

Die Schlecht-Wetter-Tage nutzten wir um von Gouvia aus mit unseren Bordfahrrädern und einem Mietwagen das Innere der Insel zu erkunden. Korfu ist nicht nur vom Wasser aus wunderschön! Endlich konnte Sylvia auch  mal wieder das Klavier auspacken.

Jetzt freuen wir uns darauf, in den nächsten Tagen das schöne Ionische Meer mit den vielen Inseln in der Nachsaison genießen zu dürfen. Das war ja für acht Jahre mit unserem alten Schiff unser Heimatrevier. Wir sind gespannt, ob es immer noch so schön ist und freuen uns auf Freunde, die uns eine Woche begleiten werden.

Leave a Comment