Zum Ansegeln nach Malta

Irgendwie haben wir es bisher nicht geschafft: Malta liegt zwar nur 50 Seemeilen südlich von unserem „Winterquartier“ Marina di Ragusa. Aber wenn wir im Frühjahr lossegeln, nutzen wir immer den ersten günstigen Wind, um ohne Umschweife nach Griechenland zu segeln. Auf dem Rückweg im Herbst – uff – da sind wir bis jetzt jedesmal froh, wenn wir durch die Sturmtiefs einen sicheren Weg zurück gefunden haben (vgl. den Beitrag „die Ionische Runde“). Also warum nicht im Winter rüber? „Amazing Grace“ ruckelte an ihrem Liegeplatz eh schon ungeduldig an den Festmacherleinen. Der Orkan „Harry“ lag schon drei Wochen hinter uns, da tat sich ein Wetterfenster für den Schlag nach Süden auf. Los ging’s.

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Bei Sonnenaufgang: Leinen los. Es schob uns eine herrliche Halbwindbrise flott hinüber und um 14:30 lagen wir bereits bei Comino, der Kleinsten der drei maltesischen Inseln vor Anker. Dem selbstpolierenden Antifouling tat der flotte Ritt auch gut. Doch mit gemütlichem Buchten-Hopping war erstmal nichts: am nächsten Morgen ging’s gleich ab nach Valletta, der Hauptstadt des 1/2 Mio-Einwohnerstaates. Kräftiger bis stürmischer Süd-Ost war uns die nächsten Tage beschert. Zwei unglaublich wohlgenährte Delfine kreuzten unseren Weg. Später erfuhren wir, dass Orkan Harry die vorgelagerten Fischfarmen zerstört hatte – ein Festschmaus! 

Bis Valetta wurde die Küste immer dichter besiedelt, bis hin zu den Hochhäusern bei „Klein-Manhattan“, dem Ortsteil St. Julien. Die Einfahrt in den großen Naturhafen westlich von Valletta, mit den vielen Festungen und historischen Gebäuden ist trotzdem ein Gänsehautmoment. 

Wir folgten der Empfehlung von netten Seglern aus der letzten Ankerbucht und schnappten uns je eine kostenlose Boje für Bug und Heck, zwischen Manoel Island und Sliema; nicht das romantischste Plätzchen aber praktisch. Wir blieben zwei Tage bis uns klar war, dass unsere Bugbatterie nach 11 Jahren schlapp gemacht hatte und wir Ersatz brauchten. Die „Roland-Marina“, gleich um die Ecke, nahm uns sehr gastfreundlich auf und der angegliederte Yachtshop scheute keine Mühe, um uns die beiden neuen Batterien in genau der richtigen Größe zu besorgen.

Die Wellen aus dem östlichen Quadranten nahmen im Verlauf der nächsten Tage draußen auf bis zu drei Metern zu, aber am Liegeplatz kam kaum was an. So konnten wir uns unsere Bordfahrräder schnappen und in die  spannende Geschichte der Insel eintauchen. 

Einfach sprachlos waren wir gleich am ersten Tag als wir die St. Johns Kathedrale besuchten. Soviel Kunst, soviel Pracht hatten wir noch nie in einer Kirche gesehen und Sylvia hat wirklich in vielen Kirchen Musik gemacht … . Der Johanniter-Orden, der die Insel vor osmanischer Eroberung bewahrt hat und die Insel für einige Jahrhunderte prägte, hat auch für Sicherheit und Wohlstand gesorgt. Viele, sehr gut aufgemachte Museen nehmen einen mit in die wechselvolle und spannende Geschichte des Inselreiches, die untrennbar mit der Seefahrt verbunden ist. 

Auch kulinarisch ist die Insel spannend. In den letzten Jahren hat die asiatische Küche, insbesondere durch den Zuzug vieler Inder, hier weitere spannende Aspekte dazu gebracht. Alles in allem kann man hier schon sehr gut, sicher und unterhaltsam einen Winter auf dem Boot verbringen.

Doch als sich das Meer etwas beruhigt hatte, machten wir uns auf den Weg in den Westen der Insel in eine der vielen Ankerbuchten. Wir wurden in der „Paradise Bay“ mit einem großartigen Sonnenuntergang verwöhnt und ließen uns auch nicht vom 18 Grad frischen Wasser abhalten, die Badesaison 2026 zu eröffnen (und nebenbei die Opferanoden zu checken). 

Gozo, die Nördlichste der drei Inseln, fehlte uns noch bei unserem Inselhopping. Doch leider gab uns die Marina keinen Liegeplatz. Vielleicht waren die Schäden vom Sturm „Harry“ noch nicht behoben. So ankerten wir einfach vor der Hafeneinfahrt, um am nächsten Morgen zurück nach Sizilien aufzubrechen.

Am Ankerplatz war echt was geboten: alle 15 Minuten fuhren die großen Inselfähren rein und raus. Auch nachts. Große Katamarane düsten heran und brachten Touristen zur nahe gelegenen „Blue Lagoon“ und ein paar Fischerboote gabs auch noch. Naja, wir hatten schon ruhigere Nächte… . Zurück nach Marina di Ragusa ging es bei Sonnenaufgang mit 4 Bft und Halbwind fast genauso flott wie hin.

Unser Fazit: Malta lohnt sich auch für Segler! Gerne kommen wir in der Nebensaison mit günstigeren Winden nochmal rüber und erkunden die vielen Buchten; vielleicht nehmen wir dann gleich Lampedusa und Pantelleria mit… .

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